Milchgeld. Ein Kluftinger-Krimi
Kurzfazit: Solider Heimatkrimi, der hinter der Romanvorlage zurückbleibt
Milchgeld - Ein Kluftingerkrimi
24,97 € Stand: 10.08.2026
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Kommissar Kluftinger, gespielt von Herbert Knaup, freut sich auf den Urlaub mit seiner Frau Erika, doch nach dem Mord an dem unbeliebten Betriebsleiter der örtlichen Molkerei entscheidet er sich, den komplizierten Fall selbst zu untersuchen, sehr zum Unbehagen seines Kollegen, der schon mal sein Auto „zur Probe“ auf den Parkplatz des Kommissars abstellt und auch sonst seinen Chef gern ersetzen würde. Erika Kluftinger, gespielt von Margret Gilgenreiner, ist sauer und fährt trotzdem in Urlaub, aber mit ihrer Freundin.
Auch Vater Kluftinger steckt seine Nase in die laufenden Ermittlungen, denn er war selbst Polizist, und da der Mord in seiner Nachbarschaft geschah, fühlt er sich geradezu verpflichtet, eigene Nachforschungen anzustellen, was dem Sohn gar nicht passt. Dieses eigene Vorgehen bringt den Vater, gespielt von Thilo Prückner, in eine gefährliche Situation.
Mit seinen Ermittlungen „in alle Richtungen“ geraten immer mehr Bauern und auch seine Kollegen des örtlichen Blasorchesters unter Verdacht, die sich im kleinen Allgäuer Heimatdorf des Kommissars schnell gegen Kluftinger stellen. Er selbst fühlt sich auch nicht wohl, denn er kommt nicht weiter, und der gemeinsame „Kochabend“ mit Dr. Langhammer, dessen Frau mit Erika nach Spanien in den Urlaub gefahren ist, bringt den Kommissar auch nicht „auf andere Gedanken“.
Der verhasste Betriebsleiter drückte die Milchpreise massiv, in seiner Wohnung werden Drogen gefunden. Dann beobachtet ein Landwirt auch noch, wie ein Milchwagen die frische Milch in einen Acker ablaufen lässt. Reichen diese Gründe schon, um einen Mord zu begehen? Und was hat der Polizeichef mit alldem zu tun? Oder stecken doch „die Russen“ dahinter? Dann geschieht ein zweiter Mord.
Der Fall und sein Milieu
Der Reiz des Stoffes liegt weniger im Rätsel als im Milieu. Die Molkerei ist im Dorf kein beliebiger Arbeitgeber, sondern die wirtschaftliche Lebensader vieler Höfe. Wer den Milchpreis drückt, greift unmittelbar in Familienbudgets ein, und genau daraus zieht der Fall seine Spannung: Fast jeder im Ort hat ein plausibles Motiv, und fast jeder kennt Kluftinger seit Jahrzehnten. Der Kommissar ermittelt nicht in einer anonymen Großstadt, sondern gegen Nachbarn, Vereinskollegen und Bekannte seiner Eltern.
Diese Verquickung von Privatem und Dienstlichem ist das Markenzeichen der Reihe. Kluftinger ist kein brillanter Analytiker, sondern ein bodenständiger Beamter, der sich mit Sturheit und Ortskenntnis zum Ergebnis arbeitet. Der Humor entsteht aus den Reibungen im Alltag: mit der Ehefrau, mit dem Vater, mit dem betont weltläufigen Nachbarn Dr. Langhammer und mit den Kollegen im Kommissariat, die den Chef mal stützen und mal unterlaufen.
Die Besetzung von Milchgeld
Herbert Knaup als Kluftinger
Herbert Knaup gibt den Kommissar als schwerfälligen, leicht reizbaren Mann, der seine Unsicherheit hinter Grantelei versteckt. Er trägt den Film, weil er die Figur nicht als Karikatur anlegt, sondern die kleinen Kränkungen ernst nimmt, die Kluftinger im eigenen Dorf einstecken muss.
Das Umfeld des Kommissars
Margret Gilgenreiner als Erika und Thilo Prückner als Vater Kluftinger liefern die häusliche Gegenwelt zum Fall. Zur Besetzung gehören außerdem August Zirner, Jockel Tschiersch als Roland Hefele, Johannes Allmayer als Richard Maier und Katharina Spiering als Sandy Henske. Das Kommissariat ist damit als Ensemble angelegt, in dem jede Figur ihre eigene Marotte mitbringt.
Die Autoren vor der Kamera
Volker Klüpfel und Michael Kobr treten selbst in kleinen Rollen auf: Klüpfel als Gerichtsmediziner Böhm, Kobr als Pfarrer. Solche Auftritte gehören inzwischen zum Spiel der Reihe und sind ein Gruß an die Leser der Romane.
Die Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr
Die beiden Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr schreiben Kriminalromane mit etwas anderem Heimatflair. Der Roman „Milchgeld“ erschien 2003 und begründete die Reihe um Kommissar Kluftinger. Die Originalausgabe kam im Maximilian Dietrich Verlag in Memmingen heraus, die Taschenbuchausgabe später bei Piper. Das Buch Milchgeld wurde mit einer Startauflage von 150.000 Exemplaren veröffentlicht, und nach dem Erfolg der ersten Verfilmung des Buches Erntedank hoffte man auf einen ähnlichen Erfolg.
Schauplatz ist Altusried im Allgäu, der Heimatort des Kommissars. Dass Klüpfel und Kobr die Region kennen, merkt man den Romanen an: Vereinsleben, Dorfhierarchien und der Umgang mit Zugezogenen sind genau beobachtet. Genau diese Ebene kann der Film nur andeuten.
Roman und Verfilmung im Vergleich
Der Roman nimmt sich Zeit für Nebenfiguren, für Kluftingers Grübeleien und für die wirtschaftlichen Zusammenhänge in der Molkereibranche. Der Fernsehfilm muss dieselbe Geschichte in 90 Minuten erzählen und streicht dafür vor allem die ruhigen Passagen. Was bleibt, ist ein sauber gebauter, aber konventioneller Heimatkrimi. Wer zuerst das Buch gelesen hat, wird die Verfilmung deshalb als Verkürzung empfinden.
Ein zweiter Punkt ist die Sprache. Der Allgäuer Dialekt gehört zur Reihe und sorgt für Authentizität, wird im Film aber stellenweise so beiläufig gesprochen, dass Zuschauer aus dem hochdeutschen Sprachraum Mühe haben, den Dialogen zu folgen. Untertitel helfen hier mehr, als man vermuten würde.
Die Ausgabe auf DVD und Blu-ray
Der Film Milchgeld ist als DVD und Blu-Ray erhältlich, Laufzeit 90 Minuten. Auf der DVD sind Extras wie die Reportage „Bergheimat“, ein Teamfilm und Outtakes als Bonus beigefügt, insgesamt rund 60 Minuten Zusatzmaterial.
Deutschland 2012 Heimatfilm, Heimatkrimi Regie: Rainer Kaufmann Darsteller: Herbert Knaup (Kommissar Kluftinger), Jockel Tschiersch (Roland Hefele), Johannes Allmayer (Richard Maier), Katharina Spiering (Sandy Henske) FSK: ab 12 Jahren Laufzeit: 90 Minuten, Extras: 60 Minuten
Für wen lohnt sich Milchgeld?
Für Leser der Kluftinger-Romane, die sehen wollen, wie ihre Figuren besetzt sind, und für Zuschauer, die Regionalkrimis mit ruhigem Erzähltempo mögen. Wer harte Spannung, überraschende Wendungen oder ein besonders raffiniertes Rätsel sucht, ist mit anderen Filmen besser bedient. Als Krimiabend im Familienkreis funktioniert Milchgeld dagegen zuverlässig, sofern der Dialekt niemanden abschreckt.
Fazit: Lohnt sich Milchgeld. Ein Kluftinger-Krimi?
Die 4,4 Millionen Fernsehzuschauer, die den Film am 26.04.2012 in der ARD angeschaut haben, hatten wahrscheinlich mehr erwartet. Zumal der Inhalt des Buches mehr verspricht als der Film letztlich hergibt. Zuschauer aus dem hochdeutsch sprechenden Deutschland werden wohl ihre Probleme haben, den Film mit sehr viel genuscheltem Allgäuer Dialekt zu verstehen. Nach dem Erfolg des ersten Filmes „Erntedank. Ein Allgäu-Krimi“ ist „Milchgeld. Ein Kluftinger-Krimi“ ein eher mäßiger Film: ordentlich gespielt, hübsch fotografiert, aber ohne den Biss der Vorlage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Milchgeld?
Im Allgäuer Heimatort von Kommissar Kluftinger wird der unbeliebte Betriebsleiter der örtlichen Molkerei ermordet. Kluftinger sagt seinen Urlaub ab und ermittelt im eigenen Dorf, wo Bauern, Molkereileute und sogar seine Kollegen aus dem Blasorchester unter Verdacht geraten. Der Streit um massiv gedrückte Milchpreise erweist sich schnell als Motivquelle.
Wer spielt Kluftinger in Milchgeld?
Herbert Knaup übernimmt die Rolle des Kommissars Kluftinger. Margret Gilgenreiner spielt seine Frau Erika, Thilo Prückner den Vater. Zur weiteren Besetzung gehören August Zirner, Jockel Tschiersch, Johannes Allmayer und Katharina Spiering.
Ist Milchgeld der erste Kluftinger-Fall?
Der Roman Milchgeld erschien 2003 und begründete die Kluftinger-Reihe von Volker Klüpfel und Michael Kobr. Verfilmt wurde er allerdings nicht als erster, im Fernsehen ging Erntedank voraus. Wer die Reihe in der Buchreihenfolge erleben will, beginnt deshalb mit Milchgeld.
Wann lief Milchgeld im Fernsehen?
Die Erstausstrahlung war am 26. April 2012 in der ARD und erreichte rund 4,4 Millionen Zuschauer. Danach erschien der Film auf DVD und Blu-ray mit etwa 60 Minuten Bonusmaterial.
Muss man den Roman kennen, um den Film zu verstehen?
Nein, der Fall ist in sich abgeschlossen und wird verständlich erzählt. Wer das Buch kennt, merkt allerdings, dass die Verfilmung viel an Nebenhandlung und Milieuzeichnung weglassen muss. In dieser Hinsicht gibt der Roman deutlich mehr her.
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