Santiano - Doggerland
Kurzfazit: Solides Album zwischen Schlagerbühne und Wacken, aber deutlich glatter
Doggerland (Deluxe Edition)
10,99 € Stand: 10.08.2026
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Zum Angebot bei Amazon →Über die Band
Der in Flensburg ansässige Musikproduzent Hartmut Krech hatte die Idee, Shantys mit traditionellen Volksliedern und Irish Folk zu mischen. Er lud sich die Musiker Hans-Timm Hinrichsen, Axel Stosberg, Björn Both, Andreas Fahnert und Pete Sage ins Studio ein, und Santiano erlebte ihre Geburtsstunde. Ein Auftritt in der Fernsehsendung „Willkommen bei Carmen Nebel“ machte die Band bekannt.
Seither ist Santiano eine der verlässlichsten Größen im deutschen Musikgeschäft. Die Instrumentierung ist dabei ein wesentlicher Teil des Erfolgs: Neben Gitarren, Bass und Schlagzeug kommen Akkordeon, Geige, Mandoline, Bouzouki und Mundharmonika zum Einsatz. Diese Besetzung erlaubt es der Band, im selben Set von der Folkballade zur Rocknummer zu wechseln, ohne dass es gebastelt klingt.
Was ist Doggerland?
„Doggerland“ lautet der Titel des sechsten Longplayers und meint eine Region im südlichen Teil des Nordseebeckens, die während der letzten Kaltzeit trocken lag und dadurch eine Landbrücke zwischen Großbritannien und Jütland bildete. Heute ist diese Region vom Meer bedeckt. Für eine Band, deren Thema seit jeher die See ist, ist das ein naheliegendes und zugleich ergiebiges Bild: ein Land, das es gab und das das Meer geholt hat.
Doggerland ist dabei kein Fantasieland, sondern archäologisch gut belegt. Über Jahrtausende lebten dort Menschen, bis der nach dem Ende der letzten Kaltzeit steigende Meeresspiegel das Gebiet überflutete. Immer wieder fördern Fischerboote in der Nordsee Knochen und Werkzeuge zutage, die aus dieser versunkenen Landschaft stammen. Für eine Shanty-Band ist das ein Stoff, aus dem sich mehr machen ließe als ein Albumtitel.
Das Motiv zieht sich denn auch durch die Platte, ohne dass daraus ein durcherzähltes Konzeptalbum würde. Der Titelsong setzt den Rahmen, danach übernimmt das gewohnte Santiano-Programm. Wer nach dem eher geschlossenen Vorgänger ein zweites Konzeptwerk erwartet hat, muss die Erwartung also herunterschrauben.
Das Album im Überblick
Zwei Jahre nach dem etwas kantigen Konzeptalbum „Wenn die Kälte kommt“ legen die norddeutschen Musiker von Santiano ihr neues Studioalbum vor. Wie all seine Vorgänger stieg auch „Doggerland“ direkt auf Platz 1 der deutschen Charts ein. Erschienen ist es im Oktober 2023, unter anderem als Deluxe Edition mit erweitertem Programm.
Musikalisch bleiben Santiano ein Hybrid aus Rock, Shanty, Folk und Schlager. Traditionelle Titel wie „Bully In The Alley“ oder „Diggy Liggy Lo“ finden sich ebenso darunter wie stimmungsvolle Schunkelsongs wie „Zu alt um jung zu sterben“ oder „Wo schläfst du heute Nacht“. Damit sind Santiano weiterhin die einzige Band in Deutschland, die sowohl in den Schlagermutationen der öffentlich-rechtlichen Sender als auch in Wacken auf der Headlinerbühne aufspielen kann.
Wie klingt Doggerland?
Und genau diese Mixtur liefert das aktuelle Album, das immer dann richtig gut wird, wenn die Songs etwas mehr Substanz haben. „Es klingt nach Freiheit“, das umweltkritische „Blauer Planet“ oder die Ode an die Erfahrung der Alten „Seine Geschichte“ sind hier die Höhepunkte, mit denen Santiano im Prinzip nichts falsch machen und alle ihrer Hörer gut bedienen.
Die stärksten Momente
Die Band spielt ihre Stärke immer dort aus, wo Chorgesang, Geige und Akkordeon gegeneinander arbeiten dürfen statt nur den Refrain zu stützen. Bei den traditionellen Stücken ist das am deutlichsten zu hören: „Bully In The Alley“ ist ein klassischer Shanty, „Diggy Liggy Lo“ stammt aus einer ganz anderen Ecke der Folkmusik, und beide zeigen, dass Santiano mehr können als deutsche Refrainware. Auch „Blauer Planet“ funktioniert, weil das Thema den Song trägt und nicht umgekehrt.
Wo das Album schwächelt
Der Preis der Massentauglichkeit ist Glätte. Mehrere Titel steuern sehr direkt auf einen mitsingbaren Refrain zu, und die Produktion poliert die Kanten weg, die den Vorgänger interessant gemacht haben. Wer Santiano wegen der rauen Seite schätzt, wird auf „Doggerland“ weniger davon finden. Das ist kein schlechtes Album, aber ein vorsichtiges.
Trackliste
01 - Doggerland
02 - Zu alt um jung zu sterben
03 - Es klingt nach Freiheit
04 - Bully In The Alley
05 - Blauer Planet
06 - Wenn ich dich je vergesse (Duett mit Lina Bó)
07 - angekommen
08 - Am Ende des Tages
09 - Diggy Liggy Lo
10 - Seine Geschichte
11 - Wo schläfst du heute Nacht
12 - Der Wind hat uns sein Lied erzählt
13 - Irgendwann
Santiano zwischen Schlagerbühne und Metalfestival
Der Spagat, den die Band aushält, ist im deutschen Musikgeschäft ohne Vorbild. Auf der einen Seite stehen Samstagabendshows und ein Publikum, das Schunkelrefrains erwartet. Auf der anderen Seite steht ein Festivalpublikum, das mit Schlager sonst nichts zu tun haben will und die Band trotzdem akzeptiert, weil Shantys und Seemannsstoffe im Metal seit jeher ihren Platz haben. Möglich wird das durch die Instrumentierung und durch die Chöre, die in beiden Kontexten funktionieren.
„Doggerland“ verschiebt dieses Gleichgewicht spürbar in Richtung des größeren Publikums. Das ist wirtschaftlich nachvollziehbar und musikalisch der schwächere Teil der Gleichung, denn die Platte klingt in den ruhigen Momenten überzeugender als in den Nummern, die auf den großen Chor zulaufen.
Für wen lohnt sich Doggerland?
Für die bestehende Fangemeinde ist die Sache unstrittig: Das Album liefert genau das, was man von Santiano erwartet, und dazu mit dem Titelmotiv einen Aufhänger, der über die üblichen Seemannsbilder hinausgeht. Wer die Band über die Fernsehauftritte kennengelernt hat, findet reichlich Anschlussfähiges. Wer dagegen über die härteren Livesets oder über „Wenn die Kälte kommt“ eingestiegen ist, sollte vorher hineinhören, weil dieses Album deutlich freundlicher ausfällt. Als Einstieg in die Diskografie taugt es trotzdem, weil alle Spielarten der Band vertreten sind.
Fazit: Lohnt sich Doggerland?
Santiano setzen auf „Doggerland“ auf die bewährte Mischung aus Rock, Folk, Shanty und leichten Schlageranleihen. Somit bleibt die Band ein genreübergreifendes Phänomen, das auf vielen Bühnen ein Zuhause hat. Insgesamt ist „Doggerland“ wieder etwas geschmeidiger als das letzte Werk, was ich persönlich schade finde. Für Fans bleibt es ein sicherer Kauf, für alle anderen ein Album mit einigen sehr starken und einigen sehr gefälligen Momenten.
Unsere Bewertung
Musik: 3,5
Instrumentalisierung: 4,5
Stimmen: 4,5
Texte: 3,5
Hörspaß: 3,5
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet der Albumtitel Doggerland?
Doggerland bezeichnet eine Region im südlichen Teil des Nordseebeckens, die während der letzten Kaltzeit trocken lag und eine Landbrücke zwischen Großbritannien und Jütland bildete. Heute ist dieses Gebiet vom Meer bedeckt. Santiano nutzen das versunkene Land als Bild für die Reise, die das Album beschreibt.
Wann ist Doggerland erschienen und wie lief es in den Charts?
Das Album kam im Oktober 2023 heraus und stieg wie alle Vorgänger direkt auf Platz 1 der deutschen Albumcharts ein. Es ist das sechste Studioalbum der Band.
Wie klingt Doggerland im Vergleich zu Wenn die Kälte kommt?
Der Vorgänger war als Konzeptalbum kantiger und düsterer angelegt. Doggerland ist deutlich geschmeidiger und setzt stärker auf mitsingbare Refrains. Wer die härtere Gangart geschätzt hat, wird das bedauern.
Welche Songs auf Doggerland lohnen sich am meisten?
Am stärksten ist das Album dort, wo die Texte Substanz haben. Das gilt für „Es klingt nach Freiheit“, das umweltkritische „Blauer Planet“ und „Seine Geschichte“, eine Ode an die Erfahrung der Alten. Dazu kommen die traditionellen Stücke „Bully In The Alley“ und „Diggy Liggy Lo“.
Wer gehört zu Santiano?
Die Band besteht aus Hans-Timm Hinrichsen, Axel Stosberg, Björn Both, Andreas Fahnert und Pete Sage. Zusammengebracht hat sie der Flensburger Musikproduzent Hartmut Krech, dessen Idee es war, Shantys mit Volksliedern und Irish Folk zu verbinden.
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