Tegtmeiers Reisen
Kurzfazit: Ruhrpott-Humor als Zeitdokument, nur die Bildqualität enttäuscht.
Tegtmeiers Reisen - Box [4 DVDs]
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Preis bei Amazon ansehen →„Tegtmeiers Reisen„ gehört zu den Fernsehreihen, die eine ganze Epoche des deutschen Humors konservieren. Was in den 1970er Jahren als Reisesatire begann, liest sich heute wie ein Familienalbum der Bundesrepublik – inklusive Frisuren, Kofferradios und der ersten Fernflüge nach Bangkok.
Worum geht es in Tegtmeiers Reisen?
„Tegtmeiers Reisen„ ist eine TV-Serie, die von 1972 bis 1980 vom ZDF ausgestrahlt wurde. Hauptfigur der Serie ist - wie auch schon bei „Tegtmeier klärt auf„ - Jürgen von Manger, einer der bedeutendsten deutschen Komiker und quasi der Vorläufer der heutigen Comedians. In jeder Folge wird ein touristisches Ziel der Deutschen aus jener Zeit von von Manger genauer unter die Lupe genommen. „Partner„ dabei ist stets ein „Professor Tegtmeier„ (ebenfalls gespielt von von Manger), der auf humoristische Weise eine historisch-kulturelle Einführung über die zu sehenden Ziele liefert.
Besonderes Markenzeichen Jürgen von Mangers ist dabei immer sein Wortwitz und der Bezug auf literarische Zitate, die er meist verunstaltet. In den Reisezielen spiegelt sich der Zeitgeist wider: so geht es nach Athen, Teneriffa, Sylt, Venedig, aber auch schon nach Bangkok. Eingeleitet werden die Folgen manchmal mit einer Art Diashow, die Jürgen von Manger als Touristen in dem jeweiligen Ort oder Land zeigen, danach erklärt „Professor Tegtmeier„ ein wenig und dann kommt die eigentliche Handlung, wobei andere Schauspieler nur eine untergeordnete Rolle spielen. Nicht umsonst ist von Manger auch sehr erfolgreich im Bereich Hörspiel gewesen.
Zwei Tegtmeiers, ein Darsteller
Das dramaturgische Herz der Reihe ist die Doppelrolle. Auf der einen Seite steht Adolf Tegtmeier, der Mann aus dem Ruhrgebiet, der die Welt mit der Selbstverständlichkeit eines Menschen betrachtet, für den die Fremde vor allem eine Verlängerung des heimischen Alltags ist. Auf der anderen Seite steht der akademisch auftretende „Professor Tegtmeier“, der die Fakten liefert – und dabei ebenso liebevoll karikiert wird wie sein Gegenüber. Weil beide Figuren von demselben Schauspieler verkörpert werden, entsteht kein Spott von oben herab, sondern ein Selbstgespräch der Bundesrepublik mit sich selbst.
Die Reiseziele als Zeitdokument
Die Serie startete am 14. Juli 1972 mit einer Folge über Griechenland und endete am 3. Juli 1980 mit einer Episode über Paris. Dazwischen liegen 20 Folgen, die den Reisehunger der Wirtschaftswunderjahre abbilden: die klassischen Mittelmeerziele, die deutschen Inseln, dann zunehmend die Fernziele. Wer die Folgen heute sieht, bekommt nebenbei eine Chronik dessen, was in den 1970er Jahren als Fernweh galt – und wie wenig die Reisenden damals über die Orte wussten, an die sie fuhren.
Wer war Jürgen von Manger?
Jürgen von Manger wurde am 6. März 1923 in Ehrenbreitstein bei Koblenz geboren und starb am 15. März 1994 in Herne. Bürgerlich hieß er Hans Jürgen Koenig; „von Manger“ stammt aus der Familie seiner Mutter. Nach dem Krieg arbeitete er als Schauspieler und stand unter anderem in Hagen, Bochum und Gelsenkirchen auf der Bühne. Der Durchbruch kam nicht über das Theater, sondern über das Radio: Ein Auftritt zu Silvester 1961 im NDR, gesprochen im Ruhrdeutsch, wurde überraschend zum Erfolg und begründete die Figur Adolf Tegtmeier.
Von da an war von Manger als Kabarettist bundesweit präsent, auf Schallplatte ebenso wie im Fernsehen. „Tegtmeiers Reisen„ wurde sein größter TV-Erfolg. Bemerkenswert ist dabei, dass die Kunstfigur nie zur Verhöhnung des Ruhrgebiets verkam: Tegtmeier ist naiv, aber nicht dumm, und seine schiefen Zitate treffen erstaunlich oft ins Schwarze.
Die DVD-Box
Die Box enthält insgesamt 4 DVDs mit allen Folgen der Serie (jeweils rund 30 Minuten lang) sowie etwas Bonusmaterial, nämlich ein Interview mit Jürgen von Manger. Die erste DVD enthält die drei Episoden „Gelsenkirchener Odyssee„, „Mit Burnus und Backfisch„ und „London„. Weiter geht es dann auf der zweiten DVD mit den Episoden „Alles im Eimer„, „Eia Safari„, „Der Duft von Teneriffa„ und „Sylt nach Gebrauchsanweisung„. Desweiteren enthält die zweite DVD noch die Episoden „Bangkok in allen Einzelheiten„ „Ein Fürst und 3 Zitronen„ und „Venedig, wie es sinkt und klingt„. In weiteren Episoden, die auf den DVDs 3 und 4 enthalten sind, verschlägt es Jürgen von Manger dann unter anderem auch noch nach Schottland, in die Alpen und nach Wien.
Bild, Ton und Ausstattung
Die Aufnahmen stammen aus den 1970er Jahren und wurden für die DVD-Veröffentlichung nicht aufwendig restauriert. Wer Studiofernsehen dieser Zeit kennt, weiß, was ihn erwartet: weiche Konturen, gedämpfte Farben, gelegentlich sichtbare Bandfehler. Für ein Archivprogramm ist das hinnehmbar, ärgerlich bleibt es trotzdem, weil andere Klassikerboxen inzwischen deutlich mehr Mühe in die Aufarbeitung stecken. Das Interview mit von Manger ist ein netter Zusatz, ersetzt aber keine echte Einordnung.
Für wen lohnt sich die Box?
Die klarste Zielgruppe sind Zuschauer, die von Manger noch aus dem laufenden Fernsehprogramm kennen und die Folgen seit Jahren vermissen. Ebenso interessant ist die Box für alle, die sich mit Fernsehgeschichte oder mit der Alltagskultur der Bundesrepublik beschäftigen: Kameraschwenks über das Studiopublikum, Reiseprospekt-Ästhetik und die damalige Vorstellung von Ferne sind hier ungefiltert dokumentiert.
Wer dagegen mit Ruhrgebietsdialekt und dem gemächlichen Erzähltempo des Siebziger-Jahre-Fernsehens nichts anfangen kann, wird kaum warm damit. Die Serie funktioniert über Sprache, nicht über Tempo. Und jüngeren Zuschauern fehlt ohne Begleitmaterial der Kontext, um viele Anspielungen einzuordnen.
Fazit: Lohnt sich Tegtmeiers Reisen?
Der Humor von Mangers ist unvergessen und unvergleichlich. Alle Fans dieses herausragenden Komikers mit der schnoddrigen Sprache des Ruhrgebiets werden sich sicherlich freuen, diese zu selten im Fernsehen gezeigten Folgen auf DVD kaufen zu können. Gleichzeitig sind die Folgen ein wunderschönes Stück Zeitgeschichte - angefangen von den Kameraschwenks über die Zuschauer im Studio, die die Mode und den Frisurengeschmack dieser Zeit wieder vor Augen führen, über die Reiseziele und deren Optik, die sich natürlich in den letzten 30 bis 40 Jahren stark verändert hat und nicht zuletzt die Art und Weise, wie von Manger mit seinem Humor und Wortwitz die Besonderheiten der einzelnen Ziele näherbringt.
Schade ist, daß die vor allem die Bildqualität nicht besser aufgearbeitet wurde. Auch wäre es schön gewesen, wenn man zusätzliches Material (z.B. ein Booklet) der DVD-Box hinzugefügt hätte, mit Hintergrundinformationen über von Manger und die damalige Zeit. Dies würde auch jüngeren Zuschauern einen besseren Einstieg und Verständnis vermitteln.
Unterm Strich bleibt eine Sammlung, die inhaltlich mehr bietet, als ihre technische Aufmachung vermuten lässt. Als Zugang zu einem Komiker, der den deutschen Humor nachhaltig geprägt hat, ist die Box konkurrenzlos – man wünscht ihr nur eine sorgfältigere Neuauflage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Tegtmeiers Reisen?
Jürgen von Manger bereist in der Rolle des Adolf Tegtmeier bekannte Urlaubsziele der Bundesbürger und kommentiert sie aus der Perspektive eines Ruhrgebietsarbeiters. Ergänzt wird jede Folge durch den ebenfalls von ihm gespielten „Professor Tegtmeier“, der eine historisch-kulturelle Einführung zum jeweiligen Ziel gibt. Die Komik entsteht aus dem Abstand zwischen bildungsbürgerlicher Erklärung und schnoddriger Alltagssicht.
Wann lief Tegtmeiers Reisen im Fernsehen?
Das ZDF strahlte die Reihe zwischen 1972 und 1980 aus, die erste Folge lief am 14. Juli 1972, die letzte am 3. Juli 1980. Insgesamt entstanden 20 Episoden von jeweils rund einer halben Stunde. Die Serie gilt als der größte Fernseherfolg von Jürgen von Manger.
Wie viele DVDs enthält die Box?
Die Box umfasst vier DVDs mit den Folgen der Serie. Als Bonusmaterial liegt ein Interview mit Jürgen von Manger bei. Ein Booklet mit Hintergrundinformationen fehlt leider.
Wer war Jürgen von Manger?
Jürgen von Manger wurde 1923 in Ehrenbreitstein bei Koblenz geboren und starb 1994 in Herne. Nach Theaterengagements unter anderem in Hagen, Bochum und Gelsenkirchen wurde er ab den 1960er Jahren als Kabarettist mit der Kunstfigur Adolf Tegtmeier bundesweit bekannt.
Für wen lohnt sich die DVD-Box?
Vor allem für Zuschauer, die den Humor von Mangers kennen und die Folgen im Fernsehen kaum noch zu sehen bekommen. Interessant ist die Box außerdem für alle, die sich für die Alltags- und Reisekultur der 1970er Jahre interessieren. Wer moderne Bildqualität erwartet, wird dagegen enttäuscht.
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