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Berte Bratt: Umwege zum Glück

4 von 5 Alle Rezensionen zu Berte Bratt Redaktion · 2012-03-15 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Ungewöhnlich vielschichtiger Berte-Bratt-Roman mit sicherem Happy End.

Umwege zum Glück
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Umwege zum Glück

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„Umwege zum Glück“ von Berte Bratt

Worum geht es in Berte Bratt: Umwege zum Glück?

Die junge Irene Thams hat gerade ihr Abitur beendet und nun ihr Medizinstudium begonnen. Endlich hat sie auch ihre eigenen vier Wände. Ihre Vermieterin ist allerdings ziemlich unausstehlich und neugierig.

Irene, kurz Reni, hat eine beste Freundin und Kommilitonin namens Jessica, deren Tante in der Nähe wohnt. Einmal die Woche geht Jessica mit ihrer Freundin Anke zu ihrer Tante und deren Freundin und hat einen schönen Nachmittag mit leckerem Essen.

Bald darf auch Reni dabei sein. Mit den beiden „Tanten“ können die Mädchen über Probleme und Sorgen reden. Das hat gerade Reni nötig, denn ihr Freund Uwe, der oft mehr als nur ein Freund war, hat sich gerade verlobt, was Reni sehr unglücklich macht.

Allerdings lernt sie schon bald einen jungen attraktiven Mann namens Manfred kennen. Reni und Manfred kommen sich schnell näher und Reni freut sich, dass dieser wohlhabende und erfahrene Mann Interesse an ihr hat.

Allerdings weiß Manfred ja auch, dass Renis Vater der bekannte Besitzer der Hi-Bü-Werke ist und Reni damit seine Erbin. Die Beziehung bekommt schnell Risse, als Reni feststellt, dass Manfred in mancherlei Hinsicht gar nicht so liebenswert ist wie gedacht. Darüber hinaus fliegt sie aus ihrer Wohnung und verliert auch noch ein wertvolles Schmuckstück, das der Familie lieb und teuer war. Es folgt eine unschöne Zeit für Reni.

Die Figuren

Reni ist als Hauptfigur ungewöhnlich unentschlossen angelegt. Sie schwankt zwischen dem alten Freund Uwe, dem beeindruckenden Manfred und dem eigenen Anspruch, ein Studium ernsthaft durchzuziehen. Jessica ist ihr Gegengewicht: die Freundin, die den Kopf klarer behält. Die beiden „Tanten“ übernehmen die Rolle, die in vielen Mädchenbüchern dieser Zeit die Eltern spielen. Sie hören zu, ordnen ein und geben Ratschläge, ohne Autorität auszuspielen.

Manfred ist die eigentliche Überraschung des Buches, weil er als Sympathieträger eingeführt wird und diese Rolle erst spät verliert.

Wer war Berte Bratt?

Berte Bratt ist ein Pseudonym der norwegischen Autorin Annik Saxegaard. Sie wurde 1905 in Stavanger geboren und starb 1990 in Kiel. Ihre Bücher erschienen im deutschsprachigen Raum vor allem im Schneider Verlag und erreichten über Jahrzehnte hinweg ein großes, überwiegend junges weibliches Publikum. Neben Berte Bratt verwendete sie weitere Pseudonyme, unter anderem Nina Nord.

Wer heute nach Berte Bratt sucht, stößt fast immer auf dieselben Beobachtungen: klar erkennbares Erzählschema, junge Heldinnen zwischen Ausbildung und Liebe, verlässliches Happy End. Genau das erklärt auch die anhaltende Sammlerszene rund um ihre Titel, in der antiquarische Ausgaben weitergereicht und diskutiert werden.

Berte Bratt Bücher und ihre Reihenfolge

Eine durchgehende Lesereihenfolge gibt es bei Berte Bratt nicht. Der weit überwiegende Teil ihrer Romane ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig gelesen werden. Nur einzelne Titel gehören zusammen, etwa die Anne-Trilogie mit „Das Leben wird schöner, Anne“, „Anne und Jess“ und „Anne, der beste Lebenskamerad“. „Umwege zum Glück“ gehört zu den eigenständigen Romanen und setzt keine Kenntnis anderer Bücher voraus.

Unsere Meinung

Obwohl die meisten Berte Bratt Bücher einem Schema folgen, passiert in „Umwege zum Glück“ überraschend viel. Dass es ein Happy End geben wird, weiß man zwar vorher, da dies in allen Berte Bratt Büchern der Fall ist, dennoch verläuft die Erzählung der Geschichte ziemlich spannend.

Normalerweise kann man auch vorher schon erraten, wer der Auserwählte der Hauptfigur wird, doch hier vertraut man als Leser Manfred zu Beginn tatsächlich.

Befremdlich fand ich, dass Reni in diesem Buch gleich drei Männer hat. Natürlich geht keine davon weiter als Küssen und Umarmungen, doch etwas überraschend ist dies schon, wenn man die Autorin kennt.

Moral und Wertvorstellungen

In den Diskussionen, die die Mädchen und die Tanten haben, versucht Berte Bratt einiges an Moral und Wertvorstellungen einfließen zu lassen, und auch wenn einiges davon veraltet scheint, so stimmt man als Leser auch heute noch mit dem meisten überein.

Diese Gesprächsrunden sind der Kern des Buches. Sie sind der Ort, an dem die Autorin ihre Haltung unterbringt, ohne die Handlung anzuhalten. Wer solche Passagen als Belehrung empfindet, wird sie überblättern. Wer sie als Zeitdokument liest, findet hier den interessantesten Teil des Romans.

Ein Kritikpunkt

Als Manfred beginnt, sein wahres Wesen zu zeigen, regt man sich gerne mit Reni zusammen auf. Tatsächlich fallen hier von Manfreds Seite auch rassistische Schimpfwörter. Das ist unangenehm zu lesen und lässt sich nicht wegdiskutieren, auch wenn es im Buch eindeutig als Charakterisierung einer negativen Figur eingesetzt wird. Wer das Buch an Jugendliche weitergibt, sollte darauf vorbereitet sein und die Stelle einordnen können.

Einordnung: Warum dieser Roman aus der Reihe fällt

Der typische Berte-Bratt-Roman folgt einer klaren Kurve: junge Frau, Ausbildung oder erster Beruf, ein Mann, kleinere Hindernisse, Happy End. „Umwege zum Glück“ hält sich an dieses Grundgerüst, füllt es aber mit deutlich mehr Ereignissen. Reni verliert nicht nur eine Beziehung, sondern auch ihre Wohnung und ein Familienstück von hohem Wert. Damit gibt es einen zweiten Handlungsstrang, der nichts mit Verliebtsein zu tun hat, und genau der macht den Unterschied zu vielen Schwesterromanen aus.

Zweitens funktioniert die Figur Manfred als echte Fehlleitung. In den meisten Büchern der Autorin ist von der ersten Begegnung an klar, wer am Ende der Richtige ist. Hier setzt der Roman bewusst auf ein falsches Signal und nimmt es erst später zurück. Für ein Buch dieser Gattung ist das ein spürbarer Kunstgriff.

Drittens ist der soziale Rahmen konkreter als üblich. Renis Herkunft als Erbin der Hi-Bü-Werke ist nicht nur Ausstattung, sondern Motiv: Sie erklärt, warum Manfred sich für sie interessiert, und stellt die Frage, wem man trauen kann, wenn Geld im Spiel ist. Das ist für ein Mädchenbuch dieser Zeit ein erstaunlich unromantischer Gedanke.

Für wen lohnt sich das Buch heute?

Für Leserinnen und Leser, die Berte Bratt bereits kennen, ist dieser Titel eine der lohnenderen Stationen, gerade weil er das gewohnte Muster an mehreren Stellen verlässt. Als Einstieg in das Werk der Autorin eignet er sich ebenfalls, weil er ohne Vorwissen funktioniert und mehr Handlung bietet als viele ihrer anderen Romane.

Wer dagegen zeitgemäße Jugendliteratur mit heutigen Rollenbildern sucht, wird hier fremdeln. Das Buch ist ein Kind seiner Entstehungszeit, und es tut nicht so, als wäre es das nicht.

Fazit: Lohnt sich Berte Bratt: Umwege zum Glück?

„Umwege zum Glück“ ist eines der interessantesten Berte Bratt Bücher und in mancherlei Hinsicht überraschend, da hier Dinge passieren, die man aus anderen Romanen nicht gewohnt ist. Die Geschichte kam mir dadurch auch um einiges länger vor.

Empfehlenswert!

Häufig gestellte Fragen

Wer war Berte Bratt?

Berte Bratt war ein Pseudonym der norwegischen Schriftstellerin Annik Saxegaard, geboren 1905 in Stavanger und gestorben 1990 in Kiel. Unter diesem Namen schrieb sie über Jahrzehnte hinweg Mädchenbücher, die im deutschsprachigen Raum vor allem beim Schneider Verlag erschienen. Sie veröffentlichte auch unter weiteren Pseudonymen, darunter Nina Nord.

Worum geht es in Umwege zum Glück?

Die junge Irene Thams, genannt Reni, beginnt nach dem Abitur ein Medizinstudium und bezieht ihre erste eigene Wohnung. Nachdem ihr langjähriger Freund Uwe sich verlobt, lernt sie den wohlhabenden Manfred kennen, der jedoch nicht der ist, für den sie ihn hält. Reni verliert ihre Wohnung und ein wertvolles Familienschmuckstück und muss sich neu sortieren.

Gibt es bei Berte Bratt eine feste Lesereihenfolge?

Die meisten Bücher von Berte Bratt sind in sich abgeschlossen und lassen sich in beliebiger Reihenfolge lesen. Nur einzelne Titel bilden Reihen, etwa die Anne-Trilogie mit Das Leben wird schöner, Anne, Anne und Jess sowie Anne, der beste Lebenskamerad. Umwege zum Glück gehört zu den eigenständigen Romanen.

Wie zeitgemäß sind die Wertvorstellungen im Buch?

Ein Teil der Moralvorstellungen, die in den Gesprächen zwischen den Mädchen und den beiden Tanten vermittelt werden, wirkt heute veraltet. Beim meisten stimmt man als Leser aber nach wie vor zu. Ein Punkt fällt negativ auf: Manfred verwendet an einer Stelle rassistische Schimpfwörter.

Wo ist Umwege zum Glück erschienen?

Der Roman erschien im Schneider Verlag, unter anderem in einer Ausgabe von 1971 für München und Wien. Später wurde der Titel auch in Sammelbänden zusammen mit anderen Berte-Bratt-Romanen neu aufgelegt, etwa gemeinsam mit Nur ein Jahr, Jessica.

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