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Dietlinde Karkutli: Das Bauchtanz-Buch

4 von 5 von Rezension.org · 2012-07-24 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Solide Einführung in den orientalischen Tanz, klar für Anfängerinnen.

Das Bauchtanz-Buch
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Das Bauchtanz-Buch

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Das Buch ist im Jahre 1983 im Rowohlt-Taschenbuch Verlag aus Reinbek erschienen. Es ist 272 Seiten lang.

Worum geht es in Das Bauchtanz-Buch?

Das Buch will zwei Dinge zugleich sein: eine Einführung in eine fremde Tanzkultur und ein praktisches Übungsbuch. Es erklärt, woher der orientalische Tanz kommt, wie er sich entwickelt hat und was Frauen in Deutschland an ihm finden. Und es zeigt Schritt für Schritt, wie die Bewegungen funktionieren. Dazu kommen Kapitel zu Musik, zur Kleidung und sogar zur Bewirtung der Zuschauer, sodass sich ein ganzer orientalischer Abend danach planen lässt.

Als es 1983 erschien, gab es im deutschsprachigen Raum praktisch keine vergleichbare Literatur. Das Buch gilt bis heute als eines der ersten deutschsprachigen Werke über den orientalischen Tanz überhaupt. Eine 2002 bei rororo erschienene, vollständig überarbeitete Neuausgabe hat den Text noch einmal fortgeschrieben.

Die inhaltliche Beschreibung

Bauchtanz ist nicht nur der Ausdruck eines neuen Körperbewußtseins von Frauen, wenn man der Inhaltsangabe auf dem hinteren, hellgelben Buchdeckel Glauben schenken darf. Bauchtanz kann auch die Neugierde an einer fremden Kultur und die schlichte Freude an der Bewegung sein. Der Bauchtanz, der orientalische Tanz bedeutet schließlich nicht nur anzügliche Hüftschwünge und glitzernde Kostüme.

Über die Autorin

Karkutli war in erster Ehe mit einem syrischen Künstler verheiratet. Sie kennt den Bauchtanz also aus eigener Anschauung. Sie gab zahlreiche Bauchtanz-Kurse in Frankfurt / Main. Der Werbung des Verlages zufolge gilt Karkutli „als Vorreiterin des Bauchtanzes in Deutschland”.

Diese Einschätzung ist mehr als Verlagsprosa. Dietlinde Karkutli, 1952 geboren und 1994 gestorben, trat als Tänzerin unter dem Namen „Bedauia” auf. Zusammen mit einem 1984 auf Deutsch erschienenen Werk von Wendy Buonaventura bildete ihr Buch für lange Zeit die einzige leicht zugängliche deutschsprachige Literatur zum Thema. Eine Befragung von Ulrike Askari aus dem Jahr 1993 unter 176 orientalisch tanzenden Frauen ergab einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Erscheinen dieser Bücher und dem Zeitpunkt, zu dem die Befragten mit dem Tanzen begannen. Wer heute in Deutschland einen Bauchtanzkurs besucht, steht damit indirekt in einer Traditionslinie, die auch über dieses Buch verläuft.

Die Rezension im Detail

Inhaltlich bewegt sich das Buch auf verschiedenen Ebenen. Im ersten Teil des Buches wird Hintergrundwissen vermittelt, etwa über die geschichtliche Entwicklung des Bauchtanzes und den persönlichen Zugang verschiedener Frauen zu dieser Tanzform.

Der weitaus größte Teil des Buches beschreibt aber den Bauchtanz als solchen. Es geht um Bewegungsabläufe und Trainingseinheiten, aber auch um Themen wie Musik, Bekleidung und Bewirtung der Zuschauer. Das Buch wendet sich ausdrücklich an Neulinge und Anfänger, die an den Bauchtanz herangeführt werden wollen. Die Leser (oder sollte man besser sagen: die Leserinnen?) erhalten hier eine anschauliche und brauchbare Einführung, die durch zahlreiche Bilder (Fotos wie Zeichnungen) illustriert werden.

Der praktische Teil

Die Übungen sind so aufgebaut, dass sie sich ohne Vorkenntnisse zu Hause nachvollziehen lassen. Das ist die Stärke des Buches und zugleich seine Grenze: Isolationsbewegungen, also das getrennte Bewegen von Hüfte, Brustkorb und Schultern, sind über Standfotos nur bedingt zu vermitteln. Wer die Bewegungen zum ersten Mal versucht, wird sich fragen, ob das, was der eigene Körper tut, dem entspricht, was das Foto zeigt. Als Begleitbuch zu einem Kurs ist der Band deshalb wertvoller denn als alleinige Anleitung.

Das Drumherum

Bemerkenswert ist, wie viel Raum das Buch dem gibt, was um den Tanz herum passiert. Musikauswahl, Kostüme und die Frage, wie man einen Abend für Gäste gestaltet, nehmen einen erheblichen Teil ein. Das wirkt zunächst wie Beiwerk, ergibt aber Sinn: Der orientalische Tanz ist in seiner Herkunft eine Form der Geselligkeit und nicht eine Sportart, die man für sich allein betreibt.

Ist Bauchtanz Sport?

Es wird schnell deutlich, daß der Bauchtanz nichts mit Sexualität und Erotik zu tun hat. Er kann durchaus der Unterhaltung der Zuschauer dienen. Ob man den Bauchtanz dem Sport zuordnen kann, sei einmal dahingestellt. Bei der Körperbewegung geht es schließlich weniger um die sportlich-körperbewegende Seite. Der Bauchtanz hat eher unterhaltenden Charakter.

Für wen lohnt sich das Buch?

Für die meisten von uns gehört der Bauchtanz immer noch zur arabischen Kultur. Richtig heimisch ist er bei uns nicht geworden. Ob ein Buch wie dieses daran viel ändern kann? Wohl nicht. Es vermittelt Basiswissen für Damen, die einen Zugang dazu haben. Die beigefügten Schwarz-Weiß-Fotos lassen schnell den Eindruck entstehen, daß der Bauchtanz auch weiterhin nur Teil der orientalischen Kultur ist.

Vordergründig könnte man sagen, daß Frauen jeglicher Herkunft zur Zielgruppe des Buches gehören. Wer aber keinen Bezug dazu, weder zum Tanzen allgemein noch zur arabischen Kultur hat, wird das Buch zwar interessant geschrieben finden, ansonsten aber nur schwer einen Bezug zum Bauchtanz finden.

Wer dagegen bereits einen Kurs besucht oder ernsthaft mit dem Gedanken spielt, findet hier genau die Grundlagen, die in Kursen oft zu kurz kommen: Woher kommt dieser Tanz, warum sieht er so aus, wie er aussieht, und was hat es mit der Musik auf sich. Auch als zeitgeschichtliches Dokument ist der Band interessant, weil er zeigt, wie der orientalische Tanz in den frühen 80er Jahren in Deutschland ankam.

Fazit: Lohnt sich Dietlinde Karkutli: Das Bauchtanz-Buch?

Das Buch ist eine lesenswerte Heranführung an den Bauchtanz. Es eignet sich insbesondere für Frauen, die diese Tanzform kennenlernen möchte. Halb im Scherz, halb im Ernst: Es fehlt noch ein Pendant für Männer.

Abzüge gibt es dort, wo das Medium an seine Grenzen stößt: Bewegung lässt sich in Fotos nur andeuten. Für den historischen und kulturellen Teil gilt das nicht, hier ist der Band nach wie vor eine sehr gute Quelle und erklärt zugleich, warum dieses Buch für den Bauchtanz in Deutschland so wichtig geworden ist.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Das Bauchtanz-Buch von Dietlinde Karkutli erschienen?

Die Erstausgabe kam 1983 im Rowohlt Taschenbuch Verlag in Reinbek bei Hamburg heraus. 2002 folgte bei rororo eine vollständig überarbeitete Neuausgabe. Der hier besprochene Band umfasst 272 Seiten.

Eignet sich das Buch für Anfängerinnen?

Ja, es wendet sich ausdrücklich an Neulinge. Der größte Teil des Buches erklärt Bewegungsabläufe und Trainingseinheiten und wird durch zahlreiche Fotos und Zeichnungen illustriert. Vorkenntnisse im Tanz sind nicht nötig.

Wer war Dietlinde Karkutli?

Dietlinde Karkutli, 1952 geboren und 1994 gestorben, war eine deutsche Bauchtänzerin und Autorin, die unter dem Namen Bedauia auftrat. Sie gab zahlreiche Kurse in Frankfurt am Main und gilt als eine der Wegbereiterinnen des orientalischen Tanzes in Deutschland.

Kann man Bauchtanz allein aus einem Buch lernen?

Die Grundlagen und den kulturellen Hintergrund vermittelt das Buch gut, und die Übungen lassen sich zu Hause nachvollziehen. Die Feinheiten der Isolationsbewegungen sind über Standfotos aber nur begrenzt zu erfassen. Als Ergänzung zu einem Kurs funktioniert das Buch deutlich besser denn als alleinige Anleitung.

Geht es in dem Buch nur ums Tanzen?

Nein. Der erste Teil widmet sich der Kulturgeschichte des Bauchtanzes und dem persönlichen Zugang verschiedener Frauen zu dieser Tanzform. Dazu kommen Kapitel zu Musik, Bekleidung und zur Bewirtung der Zuschauer, sodass sich ein kompletter orientalischer Abend planen lässt.

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