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Gary Numan - Live At Sheperds Bush Empire

4,5 von 5 Alle Rezensionen zu Gary Numan von Rezension.org · 2011-08-12 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Starker Live-Mitschnitt von 1997 mit klarem Sound und kluger Setlist.

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Worum geht es auf Live At Shepherds Bush Empire?

Auch wenn dieses Livealbum erst im Jahr 2004 veröffentlicht wurde, stammen die Aufnahmen aus dem Jahr 1997, in dem Gary Numan gerade sein zweites Album im neuen Stil, Exile, auf den Markt geworfen hatte. Der Mitschnitt entstand am 9. November 1997 im Shepherds Bush Empire in London, dem letzten Abend der Exile-Tour. Das Album dokumentiert damit nicht irgendein Konzert, sondern den Abschluss einer Tournee, auf der Numan sein neues Selbstverständnis öffentlich durchgesetzt hat.

Die Krise in der Zeit 1986 bis 1992 schien zumindest künstlerisch überwunden, sodass sich Gary Numan ab 1994 auf seine alten Stärken berief und wieder wunderbar düster und eindringlich klang. Die Backgroundsängerinnen aus frühen Tagen verbannte er glücklicherweise, sodass den neuen Tracks auch nicht mehr dieser Popfaktor anhängt, der für viele Fans damals mit ein Auslöser war, warum Gary Numan nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen konnte.

Der neue Numan-Sound auf der Bühne

Der neue Numan weiß genau, was er will, und es scheint ganz so, als hätte er endlich seinen persönlichen musikalischen Stil gefunden. Statt der Popexperimente aus früheren Tagen ist sein Sound nun mehr den harten Industrialklängen entlehnt, wobei gerade programmierten Drumloops eine wichtige Bedeutung beigemessen wird.

Es ist gerade dieser bestimmte Bassklang, der zum neuen Markenzeichen seiner Musik wurde und rein stilistisch auch mit typischen Trip-Hop-Strukturen vergleichbar ist. Live bekommt dieses Konzept eine zusätzliche Härte, weil die Gitarren im Raum stehen und der Loop darunter nicht nachgibt. Thematisch geht es auch um einiges düsterer zur Sache, vor allem spart Numan nicht mit Kritik an Gott und Religion an sich, was natürlich sehr gut zum neuen Gothic-Image passt.

Die Setlist

Die Tracklist dieses Livealbums besteht dann auch hauptsächlich aus Stücken der Alben Exile und Sacrifice, die aber durch viele Greatest Hits und sogar selten gespielte Titel sehr abwechslungsreich gestaltet ist und auch für denjenigen interessant sein dürfte, der schon eine Menge Gary-Numan-Livealben sein eigen nennt.

Das neue Material

„A Question Of Faith“, „Dark“, „Absolution“, „An Alien Cure“ und „Dead Heaven“ bilden das Rückgrat des Abends. Diese Stücke sind für die Bühne geschrieben und funktionieren dort besser als auf Platte, weil ihnen die Lautstärke die letzte Schwere gibt.

Die alten Hits

Gerade die alten Hits können überraschen, hat man ihnen doch den typischen neuen Sound verpasst, sodass sie gleich viel moderner und düsterer klingen, ohne aber ihren ursprünglichen Geist zu verlieren. „Down In The Park“, „Cars“, „Metal“ und „Are Friends Electric?“ stehen hier nicht als Pflichtübung im Programm, sondern als vollwertige Bestandteile eines Konzepts.

Die Raritäten

Mit „Films“, „We Are So Fragile“, „Jo The Waiter“ und „Noise Noise“ finden sich Titel im Set, die man auf einem Numan-Livealbum nicht selbstverständlich erwartet. Genau diese Stücke machen den Mitschnitt für Sammler wertvoll, denn sie belegen, dass er sein eigenes Frühwerk nicht auf drei Singles reduziert.

Einordnung: das Konzert im Kontext der Exile-Tour

1997 war für Gary Numan ein Wendejahr. Mit Sacrifice hatte er drei Jahre zuvor bewiesen, dass er einen eigenen Weg aus der langen Durststrecke finden konnte, und Exile bestätigte, dass es sich dabei nicht um einen Zufallstreffer handelte. Der Abend im Shepherds Bush Empire markierte das Ende der zugehörigen Tournee und damit auch den Abschluss dieser Selbstvergewisserung.

Das hört man dem Mitschnitt an. Numan tritt nicht als Nostalgiker auf, der sein Frühwerk verwaltet, sondern als Musiker, der ein aktuelles Album verteidigt und die alten Stücke dorthin holt, wo er inzwischen steht. Dass die Veröffentlichung erst 2004 erfolgte, also nach Pure und kurz vor der Remixplatte Hybrid, verschiebt die Wahrnehmung ein wenig: Bis dahin hatte sich der beschriebene Stil längst durchgesetzt, und der Mitschnitt las sich rückblickend wie dessen Gründungsdokument.

Interessant ist der Vergleich mit den späteren Umarbeitungen auf Hybrid. Was dort im Studio geschieht, nämlich das Übersetzen alter Songs in eine neue Klangsprache, passiert hier bereits sieben Jahre früher auf der Bühne, nur eben mit Band statt mit Rechner.

Klang und Aufmachung

Der Sound kommt sehr transparent und kraftvoll aus den Boxen gedröhnt und vermittelt einen guten Eindruck über die Atmosphäre des Konzertes. Die Balance zwischen Elektronik, Gitarre und Stimme stimmt, und auch die leiseren Passagen verlieren nicht an Substanz.

Das Coverartwork ist zwar sehr spartanisch und auch nicht besonders ansprechend, erfüllt aber die Mindestanforderungen. Wer Wert auf Ausstattung legt, findet in den späteren Vinylauflagen die attraktivere Ausgabe, klanglich ändert das am Inhalt jedoch nichts.

Für wen lohnt sich das Album?

Für Hörer, die Numans Industrial-Phase mögen, ist dieser Mitschnitt ein sehr guter Einstieg in sein Livewerk dieser Jahre. Er verlangt keine Vorkenntnisse, belohnt sie aber, denn wer Exile und Sacrifice kennt, erkennt an vielen Stellen, wie stark die Band die Studiofassungen zuspitzt. Wer den Künstler dagegen ausschließlich über „Cars“ und „Are Friends Electric?“ kennt, sollte wissen, dass diese Songs hier deutlich härter und düsterer klingen als in ihren Originalfassungen von 1979.

Tracklist

CD 1

  1. Introduction
  2. Down In The Park
  3. Dominion Day
  4. Friends (Pure Version)
  5. Films
  6. A Question Of Faith
  7. Voix
  8. Everyday I Die
  9. Dark
  10. You Walk In My Soul

CD 2

  1. Noise Noise
  2. An Alien Cure
  3. Cars
  4. Absolution
  5. Dead Heaven
  6. Metal
  7. Bleed
  8. Are Friends Electric?
  9. Band Introduction
  10. We Are So Fragile
  11. Jo The Waiter

Fazit: Lohnt sich Live At Sheperds Bush Empire?

Dieses Livealbum präsentiert den neuen Gary Numan mit gutem, klarem Sound und einer sehr gelungenen Tracklist, die sehr viel Abwechslung bietet. Daher kann ich dieses Album jedem Gary-Numan-Fan wärmstens empfehlen.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Live At Shepherds Bush Empire aufgenommen?

Der Mitschnitt entstand am 9. November 1997 im Shepherds Bush Empire in London, am letzten Abend der Exile-Tour. Veröffentlicht wurde das Doppelalbum allerdings erst 2004. Später erschienen zusätzlich Vinylausgaben.

Welche Songs spielt Numan auf dem Album?

Die Setlist besteht hauptsächlich aus Stücken der Alben Exile und Sacrifice, also aus Numans Industrial-Phase. Ergänzt wird sie durch Klassiker wie „Down In The Park“, „Cars“, „Metal“ und „Are Friends Electric?“ sowie durch selten gespielte Titel wie „Jo The Waiter“ und „We Are So Fragile“.

Wie ist die Klangqualität?

Der Sound kommt sehr transparent und kraftvoll aus den Boxen und vermittelt einen guten Eindruck von der Atmosphäre des Konzerts. Das Album gehört damit klanglich zu den besseren Live-Veröffentlichungen aus Numans Katalog.

Lohnt sich das Album, wenn man schon andere Numan-Livealben hat?

Ja. Die Tracklist ist ungewöhnlich abwechslungsreich und enthält Titel, die auf anderen Mitschnitten fehlen. Außerdem hört man hier alte Hits in der harten Industrial-Bearbeitung der späten Neunziger, was sie deutlich verändert, ohne ihren Kern zu zerstören.

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