rezension.org

Gary Numan - White Noise

4 von 5 Alle Rezensionen zu Gary Numan Redaktion · 2011-08-09 · aktualisiert 2026-10-01

Antwort

White Noise von Gary Numan ist ein Doppel-Livealbum zur Berserker-Tour, aufgenommen am 11. Dezember 1984 im Hammersmith Odeon, und erhält in der Rezension vom 9. August 2011 4 von 5 Punkten. White Noise klingt kraftvoll und transparent und eignet sich für Hörer der Berserker-Phase, als Einstieg in Numans Werk taugt es weniger.

White Noise
Anzeige · Musik bei Amazon

White Noise

159,00 € Stand: 11.10.2026

Preise können sich jederzeit ändern. Es gilt der Preis auf der Amazon-Produktseite.

Zum Angebot bei Amazon →
Auch bei Thalia ansehen →

Livealben sind bei Gary Numan nie bloße Zweitverwertung gewesen, sondern Momentaufnahmen einer Figur, die sich alle zwei Jahre neu erfand. White Noise dokumentiert die vielleicht auffälligste dieser Häutungen: den futuristischen Berserker mit blau gefärbten Haaren und weißem Leder. Aufgenommen wurde die Doppel-LP am 11. Dezember 1984 im Hammersmith Odeon in London, beim vorletzten Konzert der Berserker-Tour. Im März 1985 kam sie in den Handel.

Worum geht es auf White Noise?

White Noise ist das zugehörige Live-Album zum Studiowerk Berserker, mit dem Numan 1984 einen unübersehbaren Stilwechsel vollzog. So überrascht es auch nicht, dass viele Songs eben aus diesem Album stammen. Wie bei jedem Live-Album üblich gibt es daneben eine Menge alter Hits zu hören. Neben den obligatorischen Klassikern finden sich auch ein paar interessante Versionen vom Vorgänger Warriors, so zum Beispiel „Sister Surprise“, das mit einer zusätzlichen Textzeile überrascht.

Das Album erreichte in Großbritannien Platz 29 der Charts und übertraf damit die Platzierung des Studioalbums Berserker. In Belgien lief es noch deutlich besser und kam bis auf Platz 2.

Der Berserker-Sound als Ausgangspunkt

1984 vollzog Gary Numan mit Berserker einen Wandel, den man ihm sofort ansah und anhörte. Als futuristischer Berserker mit blau gefärbten Haaren und ganz in weißem Leder gekleidet, inszenierte sich Numan ein ums andere Mal mit einem neuen Stil. Auch der Sound machte eine merkliche Veränderung durch. Für die damalige Zeit war Berserker dermaßen fett produziert, dass selbst ein gewisser Trevor Horn hätte neidisch werden können. Vor allem kraftvolle Synthiebassklänge prägten den neuen Sound, der einen immensen Druck aufbaute.

Was Fans daran störte

Mit diesen sehr positiven Veränderungen gab es aber auch Entwicklungen, die von Gary-Numan-Fans eher kritisch beäugt wurden. Zum einen hielt das typische 80er-Instrument Saxophon mehr und mehr Einzug in die neue Klangwelt des Herrn Numan. Was aber als noch schlimmer empfunden wurde, ist, dass fortan sein unterkühlt wirkender Gesang von Backgroundsängerinnen begleitet wurde, die die einstmals düstere Atmosphäre nun etwas abschwächten und den ganzen Sound poppiger wirken ließen. Nichtsdestotrotz bleibt Berserker eines von Gary Numans besten Alben, da es aufgrund seiner tollen Produktion und der futuristischen Stimmung durchaus eine intensive Atmosphäre schafft, die zu der Wandlungsfähigkeit Numans sehr gut passt.

Genau dieser Zustand ist es, den White Noise konserviert. Man hört ein Livealbum aus dem Moment der Neuerfindung, nicht die Werkschau eines Künstlers, der zurückblickt.

Die Setlist im Überblick

Die Aufteilung auf zwei Tonträger folgt dem Konzertablauf. Die erste Hälfte konzentriert sich auf das aktuelle Material und frühe Klassiker, die zweite arbeitet auf die großen Hits zu.

CD 1

  1. Intro
  2. Berserker
  3. Metal
  4. Me, I Disconnect From You
  5. Remind Me To Smile
  6. Sister Surprise
  7. Music For Chameleons
  8. The Iceman Comes
  9. Cold Warning
  10. Down In The Park

CD 2

  1. This Prison Moon
  2. I Die; You Die
  3. My Dying Machine
  4. Cars
  5. We Take Mystery (To Bed)
  6. We Are Glass
  7. This Is New Love
  8. My Shadow In Vain
  9. Are ‘Friends’ Electric?

Auffällig ist die Spannweite: Von „Me, I Disconnect From You“ und „Down In The Park“ aus der Tubeway-Army-Zeit über „Cars“ und „We Are Glass“ bis zu „This Prison Moon“ und „The Iceman Comes“ vom sperrigen Warriors reicht der Bogen. Wer nur die Hits erwartet, bekommt hier deutlich mehr Album- und Randmaterial serviert, als das Format vermuten lässt.

Die Höhepunkte des Mitschnitts

Besonders lustig ist die Version von „Are ‘Friends’ Electric?“, da sich Gary Numan hier doch tatsächlich versingt, eine Zeile zweimal singen muss und dann in einem Lachanfall stecken bleibt. Solche Momente sind der eigentliche Wert eines Livealbums, weil sie den Abstand zwischen der Kunstfigur auf dem Cover und dem Menschen auf der Bühne für ein paar Sekunden aufheben.

„Sister Surprise“ ist der zweite Grund, sich diese Aufnahme anzuhören. Die zusätzliche Textzeile gegenüber der Studiofassung macht aus dem Longtrack eine eigenständige Version, kein bloßes Nachspielen. Ähnliches gilt für „The Iceman Comes“ und „This Prison Moon“, die live weniger verschattet klingen als auf Warriors.

Wie gut ist die Aufnahmequalität?

Das Wichtigste bei Live-Alben ist ja vor allem die Aufnahmequalität, und die ist hier richtig gut. Außerdem kann die Scheibe die damalige Atmosphäre sehr gut herüberbringen. Der Sound dringt kraftvoll und transparent aus den Boxen, ohne dass der Mitschnitt steril wirkt. Das Publikum ist präsent, drängt sich aber nicht in den Vordergrund.

Wer das Konzert auch sehen möchte: 1985 erschien eine gekürzte Fassung als Video unter dem Titel The Berserker Tour, die lange Zeit auch die DVD-Veröffentlichungen bestimmte. Erst Anfang 2008 kam das vollständige Konzert unter dem Titel Cold Warning auf DVD heraus. Das Album selbst wurde 1998 als Doppel-CD wiederveröffentlicht und 2003 in einer remasterten Fassung neu aufgelegt. Ein weiterer Mitschnitt aus dem Hammersmith Odeon, aufgenommen 1987, wird bei Gary Numans Ghost besprochen.

Für wen lohnt sich White Noise?

Für Numan-Hörer, die die Berserker-Phase mögen oder verstehen wollen, ist dieses Album die naheliegende Ergänzung zum Studiowerk. Es zeigt, wie tragfähig die neuen, härteren Arrangements auf der Bühne waren, und es liefert nebenbei Livefassungen von Stücken, die es sonst kaum in Setlists geschafft haben. Den Abschied von der Bühne im Jahr 1981 beschreibt die Rezension zu Living Ornaments ’81 aus der Wembley Arena.

Als erste Begegnung mit Gary Numan eignet sich White Noise dagegen weniger. Die Klassiker erscheinen hier im Gewand von 1984, mit Saxophon, Backgroundchören und viel Druck im Bass. Wer „Cars“ oder „Are ‘Friends’ Electric?“ in ihrer bekannten Form sucht, sollte zuerst zu The Pleasure Principle oder Replicas greifen und danach hierher zurückkommen.

Fazit

White Noise ist ein gutes Live-Album zum Berserker-Werk. Der Sound dringt recht kraftvoll und transparent aus den Boxen, sodass die Stimmung authentisch vermittelt wird. Die Trackliste weist neben dem ein oder anderen Klassiker auch ungewohnte Stücke aus dem Warriors-Album auf. Für Numan-Fans sehr zu empfehlen.

Häufig gestellte Fragen

Wann und wo wurde White Noise aufgenommen?

White Noise wurde am 11. Dezember 1984 im Hammersmith Odeon in London aufgenommen, beim vorletzten Konzert der Berserker-Tour. Das Doppelalbum von Gary Numan erschien im März 1985.

Zu welchem Album gehört White Noise?

White Noise ist das Live-Album zur Tour für das Studioalbum Berserker von Gary Numan aus dem Jahr 1984. Ein großer Teil der Setlist stammt von Berserker, ergänzt um Klassiker und einige Stücke vom Vorgänger Warriors.

Wie erfolgreich war White Noise?

White Noise erreichte in Großbritannien Platz 29 der Charts und übertraf damit die Platzierung des Studioalbums Berserker. In Belgien kam das Album bis auf Platz 2.

Gibt es das Konzert auch als Video?

Ja, vom Konzert auf White Noise gibt es Videos. 1985 erschien eine gekürzte Fassung unter dem Titel The Berserker Tour, die lange die DVD-Veröffentlichungen bestimmte. Das vollständige Konzert kam Anfang 2008 unter dem Titel Cold Warning auf DVD.

Lohnt sich White Noise auch für Einsteiger?

Bedingt: White Noise eignet sich als erste Begegnung mit Gary Numan weniger. Die Klassiker erscheinen im Gewand von 1984 mit Saxophon, Backgroundchören und viel Druck im Bass, die Aufnahmequalität ist laut Rezension gut. Wer Numan erst kennenlernen will, greift besser zuerst zu The Pleasure Principle oder Replicas.

Deine Bewertung

Teile deine Erfahrung zu „Gary Numan - White Noise". Bewertungen werden vor Veröffentlichung geprüft.