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Gerlinde der Jockei

5 von 5 von Rezension.org · 2011-03-12 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Warmherziger Pferderoman mit realem Vorbild und einer Heldin zum Mitfiebern

Gerlinde der Jockei
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Worum geht es in Gerlinde der Jockei?

Wie soll man nur an seinem großen Traum festhalten, wenn alle dagegen sind? Genau das ist die Frage, um die dieses Buch kreist. Gerlinde schafft es und mausert sich von der Auszubildenden im Gestüt Ranitz zum ersten weiblichen Jockeilehrling. Der Roman erzählt den Weg dorthin nicht als Märchen, sondern als eine Kette aus Absagen, Zweifeln und kleinen Erfolgen, die am Ende doch ein Ziel ergeben.

Die Handlung im Überblick

Die 17-jährige Gerlinde Fröhlich ist fröhlich. Ihre Lieblingsstute Viola bekommt ihr erstes Fohlen, und beim Gestütsleiter wie beim Futtermeister genießt sie großes Ansehen. Außerdem scheint sich Frank, ein guter Freund, sehr für sie zu interessieren. Es könnte nicht besser laufen.

Bis Gerlinde durch einen netten, bestimmenden Professor wieder auf ihren größten Traum gestoßen wird. Sie wollte schon von klein auf Jockei werden. Also fährt sie kurzerhand auf die Rennbahn und schickt bald darauf zehnmal Hoffnung in Form einer Bewerbung nach Hoppegarten. Doch keiner der neun angeschriebenen Trainer möchte sein Glück mit einem weiblichen Jockeilehrling versuchen.

Nur einer lehnt nicht sofort ab, sondern hört sich erst einmal im Gestüt um und denkt dabei auch an das Wohl seiner Rennpferde. Denn schließlich kommt Vivian bald in seinen Rennstall und ist bis dahin mit Menschen noch nicht so ganz vertraut. Nur eine hat das Herz der Kleinen erobert, und diese eine ist Gerlinde. Ob sie nun zusammen mit ihrem Lieblingspferd ihre Ausbildung beginnen und auf ihr das erste Rennen reiten wird? Gerlinde wird für ihren großen Traum kämpfen. Das alles kann man in diesem Buch nachlesen.

Die wichtigsten Figuren

Gerlinde Fröhlich

Gerlinde ist keine Heldin, die von Anfang an alles richtig macht. Sie ist impulsiv, manchmal ungeduldig und stolpert genau dort in Probleme, wo sie es besonders gut meint. Genau das macht sie glaubwürdig. Ihr Ehrgeiz speist sich nicht aus Ruhmsucht, sondern aus einer schlichten, sehr früh gefassten Überzeugung: Sie gehört auf ein Rennpferd.

Viola und Vivian

Die beiden Pferde sind mehr als Kulisse. Viola steht für das vertraute Leben im Gestüt, für Geborgenheit, Fohlengeburt und Alltag. Vivian dagegen ist der Sprung ins Ungewisse: eine Stute, die Menschen noch misstraut und ausgerechnet zu Gerlinde Vertrauen fasst. Über dieses Vertrauensverhältnis läuft die entscheidende Wendung des Buches, und das ist erzählerisch klug gebaut.

Der Trainer aus Hoppegarten

Er ist keine Märchenfigur, die alle Türen öffnet. Er zögert, erkundigt sich, wägt ab und trifft seine Entscheidung erst, als er das Wohl seiner Pferde damit vereinbaren kann. Dass Gerlindes Chance nicht aus Großherzigkeit, sondern aus einem nüchternen fachlichen Kalkül entsteht, gibt der Geschichte ihre Bodenhaftung.

Wer war Sieglinde Dick?

Die Autorin Sieglinde Dick wurde 1943 in Potsdam geboren. Sie schrieb nicht über eine Welt, die sie sich ausgedacht hatte, sondern über ihre eigene.

Vom Gestüt nach Hoppegarten

1960 wurde Sieglinde Dick die erste Berufsjockette der DDR. Ihre Rennreiterausbildung absolvierte sie von 1960 bis 1963 in Berlin-Hoppegarten, jenem Ort, an den Gerlinde im Roman ihre Bewerbungen schickt. Bis 1972 bestritt sie selbst Rennen. Der Widerstand, den Gerlinde im Buch erlebt, ist deshalb keine dramaturgische Erfindung, sondern die Erfahrung der Autorin in literarischer Form.

Distanzreiterin und Autorin

Nach dem Ende ihrer Rennkarriere blieb Sieglinde Dick dem Pferdesport treu und wechselte in den Distanzsport. Bei deutschen Meisterschaften belegte sie 1998 und 1999 dritte Plätze, 2001 wurde sie Zweite. Mit 55 Jahren startete sie bei der Weltmeisterschaft im Distanzreiten in Dubai. Nach der Wende betrieb sie einen Reiterhof in Brandenburg. 2003 starb sie an Krebs.

Verfilmung und Hörspiel

„Gerlinde der Jockei” ist Sieglinde Dicks autobiografisch gefärbter Roman und wurde in der DDR mehrfach adaptiert. Motive daraus verfilmte das DDR-Fernsehen unter dem Titel „Jockei Monika”. 1974 entstand außerdem ein Hörspiel nach derselben Vorlage. Ein zweites Buch der Autorin, „Sattel im Gepäck”, diente als Grundlage für den DEFA-Film „Platz oder Sieg?” unter der Regie von Claus Dobberke. Insgesamt wurden zwei ihrer Bücher verfilmt, was für eine Autorin, die erst nach der Sportkarriere zum Schreiben kam, bemerkenswert ist.

Wie viel Autobiografie steckt im Roman?

Die Frage stellt sich beim Lesen fast von selbst, und die Antwort lautet: eine Menge. „Gerlinde der Jockei” gilt als autobiografisch gefärbter Roman. Die Stationen decken sich auffällig mit Sieglinde Dicks eigenem Weg, von der Arbeit mit Pferden über die Bewerbungen bis nach Hoppegarten, wo sie tatsächlich ihre Ausbildung absolvierte.

Zugleich ist das Buch kein Tatsachenbericht. Namen, Nebenfiguren und viele Szenen sind literarisch ausgestaltet, die Handlung folgt einer Romanlogik und nicht einem Lebenslauf. Wer eine reine Sportbiografie erwartet, bekommt etwas anderes: eine Geschichte, die auf einer echten Erfahrung aufsetzt und daraus einen Jugendroman formt. Genau diese Mischung erklärt, warum die Rennbahnszenen so überzeugend wirken. Sie stammen von jemandem, der dort gearbeitet hat.

Für wen lohnt sich das Buch?

Die naheliegende Zielgruppe sind pferdebegeisterte Jugendliche, und die werden hier reichlich bedient: Gestütsalltag, Fohlengeburt, Rennstall, Trainingsmorgen. Der Roman ist aber auch für Erwachsene interessant, die sich für den Rennsport in der DDR und für Hoppegarten als Institution interessieren. Und er funktioniert für alle, die Geschichten über Menschen mögen, denen man erst einmal erklärt, warum etwas nicht geht.

Wer dagegen einen modernen, temporeichen Jugendroman mit Cliffhanger-Struktur erwartet, wird sich umgewöhnen müssen. Das Buch erzählt ruhig, in der Sprache seiner Entstehungszeit, und nimmt sich Raum für Details aus dem Stallalltag.

Fazit: Lohnt sich Gerlinde der Jockei?

Ich liebe dieses Buch. Definitiv. Einfach Klasse. Super Spitze. Fantastisch und absolut lesenswert. Ohh, mit der Zeit gehen mir die Superlative aus, da hängen wir doch lieber eine kleine Geschichte dran: Ich hatte das Buch durch Zufall bei meiner Mum im Schrank gefunden und immer gehofft, dass ich es irgendwann bekommen würde. Als ich es endlich zum Geburtstag geschenkt bekam, war ich überglücklich.

Schließlich ist dieses Buch die schönste Biografie für jeden weiblichen Jockei überhaupt. Was es über den reinen Pferderoman hinaushebt, ist der reale Kern: Hinter Gerlinde steht eine Frau, die diesen Weg tatsächlich gegangen ist und ihn danach aufgeschrieben hat. Ein hervorragender Roman für alle Pferdebegeisterten. Viel Spaß beim Lesen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Gerlinde der Jockei?

Die 17-jährige Gerlinde Fröhlich arbeitet im Gestüt Ranitz und träumt seit ihrer Kindheit davon, Jockei zu werden. Sie bewirbt sich bei den Rennställen in Hoppegarten und stößt fast überall auf Ablehnung, weil niemand einen weiblichen Jockeilehrling ausbilden will. Der Roman erzählt, wie sie sich trotzdem durchsetzt und ihre Ausbildung antritt.

Ist Gerlinde der Jockei eine wahre Geschichte?

Der Roman ist autobiografisch gefärbt. Die Autorin Sieglinde Dick wurde 1960 selbst die erste Berufsjockette der DDR und absolvierte ihre Rennreiterausbildung von 1960 bis 1963 in Berlin-Hoppegarten. Namen und Handlungsdetails im Buch sind literarisch ausgestaltet, der Kern der Geschichte entspricht aber ihrem eigenen Weg.

Wer war Sieglinde Dick?

Sieglinde Dick wurde 1943 in Potsdam geboren und war die erste Berufsjockette der DDR. Sie ritt bis 1972 Rennen, betrieb nach der Wende einen Reiterhof in Brandenburg und war als Distanzreiterin erfolgreich, unter anderem mit Podestplätzen bei deutschen Meisterschaften zwischen 1998 und 2001. Sie starb 2003 an Krebs.

Gibt es eine Verfilmung von Gerlinde der Jockei?

Ja. Motive aus dem Roman wurden vom DDR-Fernsehen unter dem Titel Jockei Monika verfilmt, außerdem entstand 1974 ein Hörspiel nach der Vorlage. Ein weiteres Buch von Sieglinde Dick, Sattel im Gepäck, diente als Grundlage für den DEFA-Film Platz oder Sieg? unter der Regie von Claus Dobberke.

Für wen lohnt sich das Buch?

Vor allem für pferdebegeisterte Leserinnen und Leser, die Rennsportluft schnuppern wollen. Das Buch verbindet einen klassischen Pferderoman mit dem Blick hinter die Kulissen eines Gestüts und einer Rennbahn. Wer Geschichten über Menschen mag, die sich gegen Widerstände durchsetzen, ist hier ebenfalls richtig.

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