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D´Artagnan - Herzblut

5 von 5 von Michael Krause · 2024-07-18 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Party? Rock? Schlager? - Einfach gute Musik!

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Party? Rock? Schlager? – Einfach gute Musik!

Wenige deutsche Bands sitzen so komfortabel zwischen allen Stühlen wie dArtagnan. Im Fernsehen laufen sie in Schlagersendungen, auf der Bühne stehen sie zwischen Mittelalter- und Metalbands, und in den Charts landen sie regelmäßig weit oben. Mit „Herzblut“ legen die Nürnberger nach, ohne an ihrer Formel zu rütteln.

Über die Band

Ben Metzner (Gesang, Dudelsack), Tim Bernard (Gitarre) und Felix Fischer (Gitarre, Gesang), der inzwischen nicht mehr dabei ist, gründeten 2015 in Nürnberg D´Artagnan. Recht schnell bekam die Gruppe einen Plattenvertrag bei Sony Music und brachte ein Jahr später ihr Debüt „Seit an Seit“ auf den Markt. 2018 stieß Gustavo Strauss zur Band, die durch Sebastian Baumann, Matthias Böhm und Haiko Heinz als Livemusiker unterstützt wird und die mittlerweile ebenfalls feste Bandmitglieder sind. Ihr letztes Album „Felsenfest“ kletterte bis auf Platz 5 der Charts. Wie Santiano sind D´Artagnan sowohl in Schlager- und Volksmusiksendungen im Fernsehen als auch auf Rock-, Mittelalter- und Metalfestivals zu Gast.

Der Name ist Programm: Musketier-Attitüde, Kapuzenmäntel, Degen und ein Repertoire, das historische Bilder als Vorwand für ausgesprochen gegenwärtige Hymnen benutzt. Der Dudelsack ist dabei kein Deko-Element, sondern führt oft die Melodie und gibt den Stücken ihren Wiedererkennungswert.

Das Album im Überblick

Will man den Sound von dArtagnan beschreiben, dann passt Mittelalterrock mit einer großen Portion Spaß sicher am besten. Wo Bands wie Feuerschwanz noch mehr dem Metal zugeneigt sind und Santiano etwas softer und gemäßigter auf Seemannskurs gehen, beackern Ben Metzner und seine Mannen eben das Mittelalter.

Kritiker rümpfen gerne die Nase, doch die bisherigen Alben, insbesondere das letzte Werk „Felsenfest“, haben richtig viel Spaß gemacht. Jetzt also der Nachfolger „Herzblut“, der mit „Ruf der Freiheit“ von einem mitreißenden Track im Vorfeld flankiert wurde. Erschienen ist das sechste Studioalbum im Juli 2024, unter anderem als Deluxe-Ausgabe mit zwei CDs und in mehreren Vinyl-Varianten.

Die Mischung aus epischem Stadionrock, Folklore und ein großes Maß an transportierter Lebenslust machen auch „Herzblut“ überaus hörenswert. Zumal viel Abwechslung geboten wird.

Die Gastauftritte

Im Titelsong unterstützt Melissa Bonny die Band. Beim spanisch angehauchten „Musqueteros“ (meinem Lieblingssong des Albums) sind die Metaller von Mägo de Oz mit dabei, während „Freudenhaus“ mit orientalischen Klängen zu überzeugen weiß. Die Gäste sind dabei nicht bloß Namen auf dem Cover: Bonny bringt eine zweite Gesangsfarbe in den Refrain, Mägo de Oz steuern Geige und Flöte bei und schieben den Song hörbar Richtung Iberien.

Die einzelnen Stücke

Mit „Coeur de La Mer“ gibt es einen satten Rocker, „Rollt Rein“ ist die Partynummer, während „Rosenrot“ eher sanfte Töne anschlägt. Dazwischen stehen mit „Dem Himmel entgegen“, „Königin“ und „Klingen kreuzen“ Stücke, die genau das tun, was man von der Band erwartet: großer Refrain, mitsingbare Zeile, kein überflüssiger Takt. Die flotte Coverversion von „Hey Brother“ beendet das reguläre Album.

Die Coverversionen auf der Bonus-CD

Die Bonus-CD kommt mit ein paar netten Covertracks daher. Der Nik-Kershaw-Song „The Riddle“ wird mit den Kollegen der Symphonic Metaller von Visions Of Atlantis aufgemischt, während Fiddlers Green bei „Cheers My Friend“ tatkräftig unterstützen. Dazu kommen „La Jument de Miacho“, „The Two Ravens“ und „Greensleeves“, also Stoff aus dem Folk-Fundus, der zur Band passt, ohne dass daraus eine zweite reguläre Platte würde.

Trackliste

01 - Ruf der Freiheit

02 - Herzblut (feat. Melissa Bonny)

03 - Dem Himmel entgegen

04 - Musqueteros (feat. Mägo de Oz)

05 - Coeur de la mer

06 - Rollt rein

07 - Königin

08 - Rosenrot

09 - Freudenhaus

10 - Klingen kreuzen

11 - König der Kosaren

12 - Hey Brother

13 - The Riddle (feat. Visions Of Atlantis)

14 - Cheers My Friend (feat. Fiddlers Green)

15 - La Jument de Miacho

16 - The Two Ravens

17 - Greensleeves

Herzblut im Vergleich zu Felsenfest

„Felsenfest“ hatte den Vorteil des Überraschungsmoments und schaffte es bis auf Platz 5 der Charts. „Herzblut“ setzt weniger auf einen einzelnen Übersong als auf Breite: Die Gastauftritte sorgen für unterschiedliche Farben, die spanischen und orientalischen Anleihen holen das Album aus der reinen Mittelalter-Ecke heraus. Wer die Vorgänger mochte, wird hier nichts vermissen. Wer sich von einem neuen Album eine Kursänderung erhofft, bekommt sie nicht, denn dArtagnan verfeinern ihr Rezept, statt es zu ersetzen.

Auffällig ist, wie konsequent die Band auf Livetauglichkeit hin arbeitet. Fast jedes Stück hat eine Stelle, an der ein Publikum einsteigen kann, sei es ein gerufener Refrain, ein Dudelsack-Thema oder ein Mitklatsch-Takt. Auf Platte wirkt das an einzelnen Stellen kalkuliert, auf einer Festivalbühne dürfte genau das der Grund sein, warum die Songs funktionieren. Wer Alben lieber am Stück und mit Kopfhörer hört, sollte sich auf diesen Zug einlassen, sonst nutzt sich die Rezeptur über 17 Titel ab.

Für wen lohnt sich Herzblut?

Für alle, die Folk- und Mittelalterrock als gute Laune verstehen und weniger auf Härte als auf Refrains aus sind. Für Livegänger, die die Stücke auf Festivals wiedererkennen wollen. Und für Sammler, denen die Deluxe-Ausgabe mit fünf zusätzlichen Coversongs den Aufpreis wert ist. Wer dagegen ernste Texte, düstere Stimmungen oder metallische Kante sucht, wird mit anderen Bands des Genres glücklicher.

Fazit: Lohnt sich Herzblut?

Wer auf mitreißenden Mittelalterrock steht, wird um D´Artagnan nicht herumkommen. Ob hier die Grenze zum Schlager berührt wird oder nicht, ist doch sch…egal. Wichtig ist doch, ob einem die Musik gefällt. Und hier räumen die Nürnberger mächtig ab. Ein Sound, der für die großen Bühnen gemacht ist und der durch viel Abwechslung überaus kurzweilig ist. Die fünf Coversongs als Zugabe („Hey Brother“ gehört noch zum regulären Album) sind ebenfalls sehr nett und runden das Album hervorragend ab.

Unsere Bewertung

Musik: 5

Instrumentalisierung: 5

Stimme: 5

Abwechslung: 5

Hörspaß: 5

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Herzblut von dArtagnan erschienen?

Das Album kam im Juli 2024 heraus und ist das sechste Studioalbum der Band. Neben der regulären Fassung gibt es eine Deluxe-Ausgabe als Doppel-CD mit Bonusmaterial sowie Vinyl-Editionen. Vorab wurde die Single Ruf der Freiheit veröffentlicht.

Wer sind die Gastmusiker auf Herzblut?

Melissa Bonny singt im Titelsong Herzblut mit, die spanischen Folk-Metaller Mägo de Oz sind bei Musqueteros dabei. Auf der Bonus-CD verstärken Visions Of Atlantis den Nik-Kershaw-Song The Riddle, Fiddlers Green sind bei Cheers My Friend zu hören.

Wie klingt dArtagnan?

Der Sound ist Mittelalterrock mit großem Refrain-Anteil, Dudelsack, Folk-Instrumenten und einer deutlichen Portion Stadionrock. Im Vergleich zu Feuerschwanz ist weniger Metal im Spiel, im Vergleich zu Santiano weniger Seemannsromantik. Die Texte sind deutsch und auf Mitsingen angelegt.

Welche Coverversionen sind auf dem Album?

Zum regulären Album gehört bereits eine flotte Fassung von Hey Brother. Auf der Bonus-CD folgen unter anderem The Riddle, Cheers My Friend, La Jument de Miacho, The Two Ravens und Greensleeves. Die Coverversionen sind als Zugabe gedacht und nicht als Kern des Albums.

Für wen lohnt sich Herzblut?

Für Hörer von Mittelalterrock und Folkrock, die Wert auf Melodie und Livetauglichkeit legen. Wer härteren Metal oder textlich anspruchsvolle Lieder erwartet, ist hier falsch. Als Sommer- und Festivalplatte funktioniert das Album dagegen sehr gut.

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