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David Bowie - Young Americans

2,5 von 5 Alle Rezensionen zu David Bowie Redaktion · 2011-08-22 · aktualisiert 2026-10-01

Antwort

David Bowie - Young Americans ist Bowies neuntes Studioalbum und erschien am 7. März 1975 bei RCA Records. Die Rezension vom 22. August 2011 vergibt 2,5 von 5 Punkten: Das Soul-Album mit dem Funkstück Fame ist ein Stilwechsel weg vom Glam Rock, als Einstieg in Bowies Werk taugt es nicht.

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Die Titelliste

  1. Young Americans
  2. Win
  3. Fascination
  4. Right
  5. Somebody Up There Likes Me
  6. Across The Universe
  7. Can You Hear Me
  8. Fame

Worum geht es auf Young Americans?

Auf Young Americans machte David Bowie einen sehr überraschenden und ruckartigen Schritt in eine völlig neue Richtung. Dem Glam Rock vergangener Tage kehrte Bowie von nun an den Rücken zu, vergessen war die Zeit, als er als androgyner Rockstar in die Rolle des Ziggy Stardust schlüpfte und mit viel Make-up und exzentrischen Bühnenoutfits für großes Aufsehen sorgte.

Dieses Album zeigt einen ganz anderen Bowie, diesmal ließ er sich ganz stark von der amerikanischen Soul- und Discomusik beeinflussen, die Mitte der 70er Jahre gerade ihren Durchbruch hatte und als das next big thing beschrieben wurde. So verwundert es nicht, dass sich auch Bowie vom allgemeinen Enthusiasmus anstecken ließ, der von der schwarzen Musik ausging.

Die Fakten zum Album

Young Americans erschien am 7. März 1975 bei RCA Records und ist Bowies neuntes Studioalbum. Aufgenommen wurde es zwischen August 1974 und Januar 1975 an drei Orten: in den Sigma Sound Studios in Philadelphia, im Record Plant und in den Electric Lady Studios in New York. Produziert hat Tony Visconti, der Bowie schon seit den späten Sechzigern begleitete.

Die Wahl des Studios war Programm. Sigma Sound war das Haus, in dem der sogenannte Philly Sound entstand, jene weiche, streicherreiche Variante des Soul, die damals die Charts beherrschte. Bowie ging also nicht nur stilistisch, sondern geografisch dorthin, wo die Musik herkam, die er sich aneignen wollte.

Die Band hinter der Platte

Der wichtigste Neuzugang heißt Carlos Alomar. Der Gitarrist stieß bei diesen Sessions zu Bowie und blieb einer seiner engsten Mitarbeiter über viele Jahre. Im Hintergrund singen unter anderem Ava Cherry, Robin Clark und ein damals noch unbekannter Luther Vandross, der zusätzlich am Songwriting beteiligt war.

Plastic Soul: was der Stilwechsel bedeutet

Im Grunde ist Young Americans ein pures White-Soul-Album, welches als einziges seiner Art im musikalischen Katalog von Bowie schon eine kleine Sonderstellung innehat. Kritiker ordnen die Platte dem Blue Eyed Soul zu, Bowie selbst prägte für seinen Klang die deutlich selbstironischere Bezeichnung Plastic Soul. Der Begriff trifft es gut: Hier imitiert ein englischer Rockstar eine amerikanische Musikform, und er verbirgt nicht, dass es eine Imitation ist.

Bis auf das herausragende Funkstück „Fame”, das übrigens in Zusammenarbeit mit John Lennon entstand, sind alle anderen sieben Stücke sehr homogen und verbreiten eine sehr soulige Stimmung, wie man sie von David Bowie zuvor noch nicht kannte. Für meine Begriffe wirkt dieser neue Stil etwas befremdlich, da er hier die harten Gitarrenriffs fast völlig herausgenommen hat und sich weitaus tanzbareren Rhythmen hingibt.

Die Songs im Einzelnen

Fascination

Am gelungensten dieser Soulfunkstücke ist meiner Meinung nach immer noch „Fascination”, das mit einem recht dreckigen Funkriff aufwartet und dessen lyrischer Text von einem gewissen Luther Vandross, der damals noch recht unbekannt war, mitgeschrieben wurde. Wer wissen will, wie gut dieses Album hätte werden können, wenn Bowie konsequent auf Funk statt auf Schmelz gesetzt hätte, hört sich dieses Stück an.

Fame

Der Ausreißer der Platte und ihr klarer Höhepunkt. „Fame” entstand im Januar 1975 in den Electric Lady Studios bei einer Session, an der John Lennon beteiligt war. Den Ausgangspunkt lieferte ein Riff von Carlos Alomar, aus dem die Band im Studio den fertigen Song entwickelte. Das Ergebnis ist trocken, hart und rhythmisch, es hat mit dem Soulschmelz der übrigen Titel wenig gemein und ist bis heute das bekannteste Stück der Platte.

Across The Universe

Die Coverversion des Beatles-Stücks entstand ebenfalls im Umfeld der Zusammenarbeit mit Lennon. Sie zeigt Bowie in einer für ihn ungewöhnlichen Rolle, nämlich als Interpret fremden Materials, und gehört zu den Titeln, an denen sich die Meinungen am stärksten reiben.

Warum dieses Album so umstritten ist

Young Americans ist das einzige Album David Bowies, bei dem ich noch heute keinen rechten Zugang gefunden habe. Ich denke, es liegt an dem Soulfaktor, der eigentlich überhaupt nicht gut zu Bowie passt. Auch haben die Vocals der Backgroundsängerinnen etwas von Gospelchor, was sicherlich für einige Gemüter sehr gewöhnungsbedürftig sein dürfte.

Man muss dem Album allerdings zugutehalten, dass Bowie hier eine Fähigkeit unter Beweis stellt, die sein ganzes Werk prägt: sich vollständig in eine fremde Musikform zu werfen, statt sie nur zu zitieren. Ohne die Erfahrung dieser Sessions und ohne Carlos Alomar wäre auch das folgende Album kaum so ausgefallen, wie es ausgefallen ist.

Glücklicherweise hielt diese Phase nicht lange an und schon mit dem nächsten Album „Station To Station” bewies Bowie wieder, was für ein genialer Musiker er doch ist.

Für wen lohnt sich Young Americans?

Diese Platte ist etwas für Hörer, die Bowies Katalog vollständig kennenlernen wollen, und für alle, die auch mit Soul und Funk der Siebziger etwas anfangen können. Wer über die Rockalben zu Bowie gekommen ist und harte Gitarren erwartet, wird hier kaum glücklich. Als Einstieg taugt das Album nicht, dafür sind Hunky Dory, Ziggy Stardust oder Station To Station die deutlich besseren Adressen. Wer nur ein Stück mitnehmen will, nimmt „Fame”. Wer es mit dem vierten Album von 1971 versuchen will, findet es in der Rezension zu Hunky Dory von David Bowie mit Life On Mars.

Fazit: Lohnt sich Young Americans?

Weg vom Glam Rock der vergangenen Tage versucht sich Bowie am amerikanischen Kulturgut, so ist Young Americans ganz dem amerikanischen Soul der 70er verpflichtet, was meiner Meinung nach gründlich in die Hose ging. Bis auf den wirklich gelungenen Funkknaller „Fame” sind mir persönlich die anderen Songs einfach zu soulig und oftmals von penetranten Backgroundstimmen begleitet, die dem Ganzen so einen Gospelcharakter verleihen, was ich nun gar nicht ab kann. Sicherlich wird auch dieses Album seine Fans finden, ich für meinen Teil höre lieber die rockigeren Platten des Meisters. Einen bequemen Einstieg in Bowies Werk bietet die Best-Of-Zusammenstellung auf zwei CDs von Space Oddity bis Heathen.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Young Americans erschienen?

Das Album Young Americans von David Bowie erschien am 7. März 1975 bei RCA Records und ist sein neuntes Studioalbum. Aufgenommen wurde es zwischen August 1974 und Januar 1975 in den Sigma Sound Studios in Philadelphia sowie im Record Plant und in den Electric Lady Studios in New York; produziert hat Tony Visconti.

Warum klingt Young Americans so anders als Ziggy Stardust?

Young Americans klingt anders als Ziggy Stardust, weil David Bowie sich vom Glam Rock abwandte und sich vom amerikanischen Soul und der Discomusik der Mitte der 70er Jahre beeinflussen ließ. Kritiker sprechen von Blue Eyed Soul, Bowie selbst nannte den Klang Plastic Soul, und harte Gitarrenriffs treten fast vollständig zurück.

Wie ist der Song Fame entstanden?

Fame auf David Bowies Young Americans entstand im Januar 1975 in den Electric Lady Studios bei einer Session mit John Lennon. Ausgangspunkt war ein Riff von Carlos Alomar, aus dem die Band den Song entwickelte; Fame ist das bekannteste Stück des Albums und fällt aus dem souligen Gesamtbild heraus.

Wer singt auf Young Americans im Hintergrund mit?

Auf David Bowies Young Americans singen im Hintergrund unter anderem Ava Cherry, Robin Clark und der damals noch unbekannte Luther Vandross, der auch am Songwriting beteiligt war. Der Gesang der Backgroundsängerinnen erinnert laut Rezension an einen Gospelchor und ist gewöhnungsbedürftig.

Lohnt sich Young Americans für Bowie-Einsteiger?

Nein, David Bowies Young Americans eignet sich laut Rezension nicht als Einstieg. Als bessere Adressen nennt sie Hunky Dory, Ziggy Stardust oder Station To Station; das Album ist etwas für Hörer, die Bowies Katalog vollständig kennenlernen wollen oder Soul und Funk der Siebziger mögen.

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