David Bowie - Young Americans
Kurzfazit: Mutiger Soul-Ausflug mit einem Volltreffer und viel Gewöhnungsbedarf.
Young Americans(50th Anniversary) [Vinyl LP]
29,99 € Stand: 10.08.2026
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- Young Americans
- Win
- Fascination
- Right
- Somebody Up There Likes Me
- Across The Universe
- Can You Hear Me
- Fame
Worum geht es auf Young Americans?
Auf Young Americans machte David Bowie einen sehr überraschenden und ruckartigen Schritt in eine völlig neue Richtung. Dem Glam Rock vergangener Tage kehrte Bowie von nun an den Rücken zu, vergessen war die Zeit, als er als androgyner Rockstar in die Rolle des Ziggy Stardust schlüpfte und mit viel Make-up und exzentrischen Bühnenoutfits für großes Aufsehen sorgte.
Dieses Album zeigt einen ganz anderen Bowie, diesmal ließ er sich ganz stark von der amerikanischen Soul- und Discomusik beeinflussen, die Mitte der 70er Jahre gerade ihren Durchbruch hatte und als das next big thing beschrieben wurde. So verwundert es nicht, dass sich auch Bowie vom allgemeinen Enthusiasmus anstecken ließ, der von der schwarzen Musik ausging.
Die Fakten zum Album
Young Americans erschien am 7. März 1975 bei RCA Records und ist Bowies neuntes Studioalbum. Aufgenommen wurde es zwischen August 1974 und Januar 1975 an drei Orten: in den Sigma Sound Studios in Philadelphia, im Record Plant und in den Electric Lady Studios in New York. Produziert hat Tony Visconti, der Bowie schon seit den späten Sechzigern begleitete.
Die Wahl des Studios war Programm. Sigma Sound war das Haus, in dem der sogenannte Philly Sound entstand, jene weiche, streicherreiche Variante des Soul, die damals die Charts beherrschte. Bowie ging also nicht nur stilistisch, sondern geografisch dorthin, wo die Musik herkam, die er sich aneignen wollte.
Die Band hinter der Platte
Der wichtigste Neuzugang heißt Carlos Alomar. Der Gitarrist stieß bei diesen Sessions zu Bowie und blieb einer seiner engsten Mitarbeiter über viele Jahre. Im Hintergrund singen unter anderem Ava Cherry, Robin Clark und ein damals noch unbekannter Luther Vandross, der zusätzlich am Songwriting beteiligt war.
Plastic Soul: was der Stilwechsel bedeutet
Im Grunde ist Young Americans ein pures White-Soul-Album, welches als einziges seiner Art im musikalischen Katalog von Bowie schon eine kleine Sonderstellung innehat. Kritiker ordnen die Platte dem Blue Eyed Soul zu, Bowie selbst prägte für seinen Klang die deutlich selbstironischere Bezeichnung Plastic Soul. Der Begriff trifft es gut: Hier imitiert ein englischer Rockstar eine amerikanische Musikform, und er verbirgt nicht, dass es eine Imitation ist.
Bis auf das herausragende Funkstück „Fame”, das übrigens in Zusammenarbeit mit John Lennon entstand, sind alle anderen sieben Stücke sehr homogen und verbreiten eine sehr soulige Stimmung, wie man sie von David Bowie zuvor noch nicht kannte. Für meine Begriffe wirkt dieser neue Stil etwas befremdlich, da er hier die harten Gitarrenriffs fast völlig herausgenommen hat und sich weitaus tanzbareren Rhythmen hingibt.
Die Songs im Einzelnen
Fascination
Am gelungensten dieser Soulfunkstücke ist meiner Meinung nach immer noch „Fascination”, das mit einem recht dreckigen Funkriff aufwartet und dessen lyrischer Text von einem gewissen Luther Vandross, der damals noch recht unbekannt war, mitgeschrieben wurde. Wer wissen will, wie gut dieses Album hätte werden können, wenn Bowie konsequent auf Funk statt auf Schmelz gesetzt hätte, hört sich dieses Stück an.
Fame
Der Ausreißer der Platte und ihr klarer Höhepunkt. „Fame” entstand im Januar 1975 in den Electric Lady Studios bei einer Session, an der John Lennon beteiligt war. Den Ausgangspunkt lieferte ein Riff von Carlos Alomar, aus dem die Band im Studio den fertigen Song entwickelte. Das Ergebnis ist trocken, hart und rhythmisch, es hat mit dem Soulschmelz der übrigen Titel wenig gemein und ist bis heute das bekannteste Stück der Platte.
Across The Universe
Die Coverversion des Beatles-Stücks entstand ebenfalls im Umfeld der Zusammenarbeit mit Lennon. Sie zeigt Bowie in einer für ihn ungewöhnlichen Rolle, nämlich als Interpret fremden Materials, und gehört zu den Titeln, an denen sich die Meinungen am stärksten reiben.
Warum dieses Album so umstritten ist
Young Americans ist das einzige Album David Bowies, bei dem ich noch heute keinen rechten Zugang gefunden habe. Ich denke, es liegt an dem Soulfaktor, der eigentlich überhaupt nicht gut zu Bowie passt. Auch haben die Vocals der Backgroundsängerinnen etwas von Gospelchor, was sicherlich für einige Gemüter sehr gewöhnungsbedürftig sein dürfte.
Man muss dem Album allerdings zugutehalten, dass Bowie hier eine Fähigkeit unter Beweis stellt, die sein ganzes Werk prägt: sich vollständig in eine fremde Musikform zu werfen, statt sie nur zu zitieren. Ohne die Erfahrung dieser Sessions und ohne Carlos Alomar wäre auch das folgende Album kaum so ausgefallen, wie es ausgefallen ist.
Glücklicherweise hielt diese Phase nicht lange an und schon mit dem nächsten Album „Station To Station” bewies Bowie wieder, was für ein genialer Musiker er doch ist.
Für wen lohnt sich Young Americans?
Diese Platte ist etwas für Hörer, die Bowies Katalog vollständig kennenlernen wollen, und für alle, die auch mit Soul und Funk der Siebziger etwas anfangen können. Wer über die Rockalben zu Bowie gekommen ist und harte Gitarren erwartet, wird hier kaum glücklich. Als Einstieg taugt das Album nicht, dafür sind Hunky Dory, Ziggy Stardust oder Station To Station die deutlich besseren Adressen. Wer nur ein Stück mitnehmen will, nimmt „Fame”.
Fazit: Lohnt sich Young Americans?
Weg vom Glam Rock der vergangenen Tage versucht sich Bowie am amerikanischen Kulturgut, so ist Young Americans ganz dem amerikanischen Soul der 70er verpflichtet, was meiner Meinung nach gründlich in die Hose ging. Bis auf den wirklich gelungenen Funkknaller „Fame” sind mir persönlich die anderen Songs einfach zu soulig und oftmals von penetranten Backgroundstimmen begleitet, die dem Ganzen so einen Gospelcharakter verleihen, was ich nun gar nicht ab kann. Sicherlich wird auch dieses Album seine Fans finden, ich für meinen Teil höre lieber die rockigeren Platten des Meisters.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist Young Americans erschienen?
Das Album kam am 7. März 1975 bei RCA Records heraus und ist Bowies neuntes Studioalbum. Aufgenommen wurde es zwischen August 1974 und Januar 1975, unter anderem in den Sigma Sound Studios in Philadelphia sowie im Record Plant und in den Electric Lady Studios in New York. Produziert hat Tony Visconti.
Warum klingt Young Americans so anders als Ziggy Stardust?
Bowie hatte sich vom Glam Rock verabschiedet und orientierte sich am amerikanischen Soul und Rhythm and Blues, wie er Mitte der Siebziger vor allem in Philadelphia gemacht wurde. Kritiker sprechen von Blue Eyed Soul, Bowie selbst nannte den Klang Plastic Soul. Harte Gitarrenriffs treten fast vollständig zurück, dafür bestimmen Saxofon, Rhythmusgitarre und Backgroundgesang das Bild.
Wie ist der Song Fame entstanden?
Fame geht auf eine Session im Januar 1975 in den Electric Lady Studios zurück, an der John Lennon beteiligt war. Gitarrist Carlos Alomar spielte ein Riff an, aus dem die Band das Stück entwickelte. Fame ist der funkigste und bekannteste Titel des Albums und der einzige, der klar aus dem souligen Gesamtbild ausschert.
Wer singt auf Young Americans im Hintergrund mit?
Zu den Backgroundsängern gehören Ava Cherry, Robin Clark und ein damals noch unbekannter Luther Vandross, der später selbst zum Soulstar wurde. Vandross wirkte außerdem am Songwriting mit. Der chorartige Gesang ist eines der auffälligsten Merkmale der Platte und zugleich der Punkt, an dem sich die Geister scheiden.
Lohnt sich Young Americans für Bowie-Einsteiger?
Eher nicht. Wer Bowie über Ziggy Stardust oder die Berlin-Trilogie kennt, findet hier ein Album, das mit dem übrigen Katalog wenig zu tun hat. Als Einstieg eignen sich Hunky Dory, Ziggy Stardust oder Station To Station besser, Young Americans ist etwas für Hörer, die auch mit Soul und Funk der Siebziger etwas anfangen können.
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