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Erasure - Abba-Esque

4 von 5 Alle Rezensionen zu Erasure Redaktion · 2011-07-18 · aktualisiert 2026-10-01

Antwort

Erasure - Abba-Esque ist eine EP mit vier ABBA-Coverversionen im Synthiepop, die laut Rezension vom 18. Juli 2011 als eigenständige Erasure-Songs funktionieren und mit 4 von 5 bewertet wird. Abba-Esque erschien am 1. Juni 1992 und wurde Erasures einziger Nummer-eins-Erfolg in den britischen Singlecharts, fünf Wochen lang an der Spitze.

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Coveralben gibt es wie Sand am Meer, schön ist es, wenn einem auch mal ein gelungenes in die Hände fällt. Abba-Esque ist so ein Fall. Vier Songs, gut zwanzig Minuten Spielzeit, und trotzdem die erfolgreichste Veröffentlichung, die Erasure je in den britischen Charts hatten.

Worum geht es auf Abba-Esque?

Schon in den 80ern hatten sich Vince Clarke und Andy Bell als ABBA-Fans geoutet und hin und wieder auch mal den einen oder anderen ABBA-Song live dargeboten, man denke nur an „Gimme Gimme“. 1992 entschloss man sich dann, eine EP mit vier alten ABBA-Klassikern zu veröffentlichen. Dabei ist Abba-Esque auch gleichzeitig eine Hommage an die wilde Discozeit der 70er Jahre, mit Schlaghosen, Plateauschuhen und Discokugel.

Die EP erschien am 1. Juni 1992 bei Mute Records und enthält vier Titel:

  1. Lay All Your Love On Me
  2. S.O.S.
  3. Take A Chance On Me
  4. Voulez Vous

Alle vier stammen aus der Feder von Benny Andersson und Björn Ulvaeus.

Wie klingen die Coverversionen?

Erasure haben bei der Produktion der Stücke einen gesunden Mittelweg gefunden: Die Klassiker bleiben als solche erkennbar, bekommen aber mit den Erasure-typischen Synthiesounds einen eigenen Stempel aufgedrückt. Gerade Andy Bells Gesang kommt den Originalen recht nah, erfüllt die Stücke aber insgesamt mit mehr Seele.

Als ich Abba-Esque damals als junger Bub das erste Mal hörte, kannte ich die Originale gar nicht, mir gefielen die Songs aber auf Anhieb. Vince Clarkes Synthies fiepen und brodeln an jeder Ecke, und er setzt hier und da eigene Ideen um, die man in den Originalstücken von ABBA vergeblich suchte.

Take A Chance On Me

Von all den Stücken auf der Platte überrascht das frech-frivole „Take A Chance On Me“ am meisten, kommt es doch im Laufe des Stückes zu einem drastischen Stilbruch, wie der Einsatz einer weiblichen Rap-Passage beweist. Beigesteuert hat sie MC Kinky. Das gibt dem Stück einen amerikanischen, urbanen Einschlag, der sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist. Ich war anfangs auch eher irritiert als begeistert, heute finde ich, dass diese Rap-Passage ganz gut zu dem Stück passt.

Voulez Vous

Mit „Voulez Vous“ haben wir dann einen superschnellen Dancefloorfeger vor uns, der mächtig viel Staub aufwirbelt. Hier zeigt sich am deutlichsten, wie nah die Discoproduktionen der späten 70er und der Synthiepop der frühen 90er beieinanderliegen, wenn man das Tempo nur hoch genug ansetzt.

Lay All Your Love On Me und S.O.S.

Die beiden übrigen Titel gehen den behutsameren Weg. „Lay All Your Love On Me“ war schon im Original ein halber Elektroniksong und braucht deshalb am wenigsten Übersetzung. „S.O.S.“ dagegen lebt von der Melodie und davon, wie Bell die dramatische Fallhöhe des Refrains bedient, ohne sie ins Komische zu ziehen.

Wie erfolgreich war die EP?

Sehr. Abba-Esque wurde Erasures erster und bis heute einziger Nummer-eins-Erfolg in den britischen Singlecharts und blieb dort fünf Wochen lang an der Spitze. Auch international lief die EP hervorragend: Platz 1 unter anderem in Schweden, Irland, Österreich, Dänemark, Finnland und Griechenland, in Schweden sogar sechs Wochen am Stück. In den USA reichte es auf der Billboard 200 für Platz 85, wobei EPs dort ohnehin anders gewertet wurden als in Europa.

Der Zeitpunkt war günstig: Die Veröffentlichung fiel mit dem Erscheinen der ABBA-Compilation Gold zusammen, und beide zusammen lösten eine ABBA-Renaissance aus, die bis weit ins folgende Jahrzehnt reichte.

Cover, Videos und eine Antwort aus Australien

Das Cover dieser EP ist recht schlicht, aber effektiv auf den Punkt gebracht: Der Titel leuchtet als eine Art Discoreklame mit übergroßen ABBA-Lettern, als würden Erasure hier ihrem großen Vorbild den Vortritt lassen. Nur der kleine Erasure-Schriftzug stellt klar, dass es sich um eine Erasure-Veröffentlichung handelt.

Noch eine Anekdote am Rande: Die beiden bewiesen beim Videodreh zu „Take A Chance On Me“ auch eine Menge Humor, verkleideten sich die zwei doch darin als Agnetha und Anni-Frid. Der Clip parodiert das ABBA-Original von 1977. Zu allen vier Titeln entstanden Videos, die zusätzlich als Video-EP auf VHS erschienen.

Die Geschichte hat noch eine Pointe. Im Oktober 1992 antwortete die ABBA-Tributeband Björn Again mit einer eigenen EP namens Erasure-ish, auf der sie die Erasure-Stücke „A Little Respect“ und „Stop!“ im ABBA-Stil spielte. Sie erreichte in Großbritannien Platz 25. Eine Hommage an die Hommage, sozusagen. Das Stück Stop! ist auf der Crackers International EP von 1988 enthalten.

Wie wurde Abba-Esque aufgenommen?

Die Kritik reagierte überwiegend wohlwollend. Bemerkenswert fand man vor allem, dass Erasure die Vorlagen ohne erkennbare Ironie behandelten, statt sie vorzuführen. Die Washington Post hob hervor, wie Andy Bell die Rolle der ABBA-Sängerinnen übernimmt, während Vince Clarke darunter dichte, blubbernde und zischende Synthieflächen legt.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen dieser EP und den vielen Coverprojekten, die schlecht altern: Erasure machen sich nicht über die Vorlagen lustig, sie nehmen sie ernst genug, um sie zu verändern.

Für wen lohnt sich Abba-Esque?

Für Erasure-Hörer ist die EP Pflichtprogramm, schon weil sie den kommerziellen Höhepunkt der Bandgeschichte markiert. Für ABBA-Fans ist sie ein Test: Wer die Originale für unantastbar hält, wird sich an den Synthieflächen und besonders am Rap in „Take A Chance On Me“ reiben. Wer dagegen wissen will, wie gut ABBA-Songs als reines Songmaterial funktionieren, bekommt hier den Beweis.

Nur eines sollte man wissen, bevor man kauft: Es sind vier Stücke. Wer ein volles Album erwartet, greift daneben.

Fazit: Lohnt sich Abba-Esque?

Mit Abba-Esque erfüllten sich Erasure und ihren Fans einen langgehegten Wunsch, einmal eine Platte nur mit ABBA-Songs aufzunehmen. Die Stücke wirken frisch und modern und können als gelungenes Cover-Experiment bezeichnet werden. Auch ABBA werden von diesem Unterfangen profitiert und viele neue Hörer dazugewonnen haben. Kurzum: So lasse ich mir Coversongs gefallen. Eine gute Scheibe.

Häufig gestellte Fragen

Welche Songs sind auf der Abba-Esque EP?

Erasure - Abba-Esque enthält vier Coverversionen von Titeln aus der Feder von Benny Andersson und Björn Ulvaeus: Lay All Your Love On Me, S.O.S., Take A Chance On Me und Voulez Vous. Abba-Esque ist eine EP und kein volles Album.

Wann erschien Abba-Esque und wie erfolgreich war die EP?

Abba-Esque von Erasure erschien am 1. Juni 1992 bei Mute Records und wurde Erasures erster und bis heute einziger Nummer-eins-Erfolg in den britischen Singlecharts. Die EP stand fünf Wochen an der Spitze und erreichte unter anderem in Schweden, Irland, Österreich, Dänemark, Finnland und Griechenland Platz 1.

Wer rappt in Take A Chance On Me?

In Take A Chance On Me von Erasure rappt MC Kinky. Die Rap-Passage ist der drastische Stilbruch auf Abba-Esque und gibt dem Stück einen amerikanischen, urbanen Einschlag; der Rezensent war anfangs irritiert und findet sie heute passend.

Verkleiden sich Erasure im Video als ABBA?

Ja, Erasure verkleiden sich im Video zu Take A Chance On Me von Abba-Esque als ABBA: Andy Bell und Vince Clarke traten als Agnetha und Anni-Frid auf. Der Clip parodiert das ABBA-Original von 1977, und zu allen vier Titeln entstanden Videos, die als Video-EP auf VHS erschienen.

Was hatte es mit der Erasure-ish EP von Björn Again auf sich?

Erasure-ish ist die Antwort der ABBA-Tributeband Björn Again auf Erasures Abba-Esque. Björn Again veröffentlichte die EP im Oktober 1992 und spielte darauf die Erasure-Stücke A Little Respect und Stop! im ABBA-Stil; in Großbritannien erreichte sie Platz 25.

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