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Erasure - I Love Saturday EP

4,5 von 5 Alle Rezensionen zu Erasure von Rezension.org · 2011-07-28 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Starke B-Seiten machen aus der Single ein kleines, eigenes Mini-Album.

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Als Erasure im November 1994 „I Love Saturday“ als dritte Single aus dem Album I Say I Say I Say auskoppelten, hätte eine Handvoll Remixe genügt. Stattdessen packten Andy Bell und Vince Clarke drei bis dahin unveröffentlichte Songs dazu und machten aus der Auskopplung ein kleines Mini-Album. Genau diese drei Stücke sind der Grund, warum sich die EP bis heute lohnt.

Die Titelliste

  1. I Love Saturday
  2. Ghost
  3. Truly, Madly, Deeply
  4. Tragic (Live Vocals)

I Love Saturday, die EP

Die EP I Love Saturday stammt aus dem Jahre 1994 und ist als Derivat des großartigen Albums I Say I Say I Say anzusehen, das mit seinen verspielten Synthpopmelodien und Andy Bells souligem Gesang zu den besten in der Karriere des Duos gehört. Veröffentlicht wurde sie am 18. November 1994, nach den beiden vorangegangenen Auskopplungen „Always“ und „Run to the Sun“.

Im Zuge der damaligen Singleveröffentlichung entschloss man sich, dem Stück „I Love Saturday“ gleich eine ganze EP zu spendieren. Das heißt: Anstatt nur einer Single mit diversen Remixen hat man es bei einer EP mit einer Art Mini-Album zu tun. Neben dem schon bekannten „I Love Saturday“ findet man darauf dann auch gleich drei unveröffentlichte Songs, die alle aus der Zeit der I-Say-Sessions stammen.

Im Gegensatz zu früheren EPs wie Crackers International oder Abba-Esque zeigt sich I Love Saturday um einiges experimenteller. Damals müssen Erasure wirklich auf der Höhe ihrer kreativen Schaffensperiode gestanden haben, anders ist die hohe Qualität der Stücke nicht zu erklären. Das Album I Say I Say I Say war in Großbritannien auf Platz 1 der Charts gegangen, produziert von Martyn Ware, einem Gründungsmitglied von The Human League und Heaven 17. Wer in einer solchen Phase drei Stücke dieser Güte übrig hat, hat gut gewirtschaftet.

Die Songs im Einzelnen

I Love Saturday

Das Lied „I Love Saturday“ ist ein typischer Lovesong mit recht schnulzigem Text und einer süßlichen Melodie. Da hätte man vielleicht auch einen anderen Song aus dem I-Say-Album nehmen können. Aber gut eingängig ist das Stück ja, wenn es lyrisch auch etwas flach bleibt. Als Single war es die naheliegende Wahl, weil es sofort funktioniert und niemanden überfordert.

Ghost

Weitaus interessanter wird es mit „Ghost“, das aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Ich muss bei dem Song an ein altes viktorianisches Schloss denken, das von Gespenstern heimgesucht wird und von dessen Geschichte Andy mit einer ehrfürchtigen Stimme erzählt. Neben dem tollen Gesang, der einfach ungewöhnlich ist, weil Andy so vorher nie gesungen hat, überraschen auch die Synthiepassagen von Vince Clarke. Auch die Melodie erinnert an so ein Gespensterschloss. Es ist der Titel, bei dem am deutlichsten wird, warum diese drei Stücke nicht auf dem Album gelandet sind: Sie hätten dessen märchenhaft freundliche Grundstimmung gestört.

Truly, Madly, Deeply

Mit „Truly, Madly, Deeply“ haben wir hier einen echten Trancehammer auf der EP. Wieder sind Gesang und Musik sehr ungewöhnlich, besitzen aber trotzdem den typischen Erasureklang. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieser Song in den Clubs sehr gut funktioniert hat. Der treibende Beat und die immer wiederkehrenden Synth-Spielereien halten einen bei der Stange. Man sollte den Titel nicht mit dem gleichnamigen Stück anderer Interpreten verwechseln, hier handelt es sich um eine eigene Erasure-Komposition.

Tragic

„Tragic“ ist ein würdiger Abschluss dieser äußerst gelungenen EP. Vom Gesang her scheint mir dieser Song einem alten Volkslied entlehnt zu sein, jedenfalls klingt die Melodie sehr stark nach Mittelalter. Auf der EP ist die Fassung mit Livegesang zu hören, was dem Stück eine gewisse Rohheit gibt, die man von einer Erasure-Produktion sonst nicht kennt.

Wo die EP im Werk von Erasure steht

Um einzuordnen, was diese vier Titel wert sind, hilft ein Blick auf das Jahr 1994. Erasure hatten im Mai mit I Say I Say I Say ihr sechstes Studioalbum veröffentlicht und damit zum vierten Mal in Folge die Spitze der britischen Albumcharts erreicht. Drei Singles wurden ausgekoppelt, alle schafften es in die Top 20: „Always“ im April, „Run to the Sun“ im Juli und schließlich „I Love Saturday“ im November. Diese EP steht also am Ende eines außerordentlich erfolgreichen Jahres, und man merkt ihr an, dass hier niemand unter Druck stand.

Umso deutlicher tritt hervor, wie weit sich Andy Bell und Vince Clarke hier vom Erfolgsrezept entfernen durften. Das Album war hell, freundlich und märchenhaft, die EP ist es an drei von vier Stellen ausdrücklich nicht. Man kann sie deshalb als Gegenstück lesen, als die dunklere Kehrseite derselben Aufnahmesessions. Ein Jahr später sollte das selbstbetitelte Album genau diesen Weg konsequent zu Ende gehen, mit langen, sperrigen Stücken und Gästen wie Diamanda Galás. Wer die EP kennt, hört dort weniger einen Bruch als eine Fortsetzung.

Warum sich B-Seiten bei Erasure lohnen

Bei vielen Bands sind die Zusatzstücke einer Single Ausschussware. Bei Erasure ist das Gegenteil der Fall, was auch daran liegt, dass Vince Clarke ein extrem produktiver Studioarbeiter ist und in jeder Albumphase mehr Material entsteht, als auf eine Platte passt. Die Auswahl fürs Album folgt dann nicht der Qualität, sondern der Stimmigkeit. Genau deshalb landen die Stücke, die aus dem Rahmen fallen, auf EPs wie dieser. Wer sich für die Randbereiche des Duos interessiert, findet hier mehr als auf manchem Studioalbum.

Für wen lohnt sich die EP?

Für alle, die I Say I Say I Say kennen und mehr aus dieser Phase wollen. Für Sammler ist sie ohnehin Pflicht, weil die drei Zugaben auf keinem regulären Album zu finden sind. Wer Erasure dagegen erst kennenlernt, sollte mit dem Album beginnen, denn der Titelsong allein trägt keine Kaufentscheidung. Und wer nur auf Remixe aus ist, greift besser zu einer der Maxi-Ausgaben, die deutlich mehr davon enthalten.

Fazit: Lohnt sich I Love Saturday EP?

Auf der I Love Saturday EP haben Erasure Platz für ihre interessanten Klangexperimente gefunden, die zwar nicht auf das reguläre Album I Say I Say I Say gepasst hätten, aber gerade durch ihre exzellente Qualität bestechen. Dass die drei Zugaben den Titelsong am Ende überstrahlen, ist kein Makel der EP, sondern ihr eigentlicher Reiz.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist die I Love Saturday EP erschienen?

Die EP kam am 18. November 1994 heraus und war die dritte Auskopplung aus dem Album I Say I Say I Say. Vor ihr erschienen bereits Always im April und Run to the Sun im Juli desselben Jahres. Damit schloss sie den Veröffentlichungszyklus des Albums ab.

Welche Songs sind auf der I Love Saturday EP?

Neben dem Titelstück enthält die EP die zuvor unveröffentlichten Titel Ghost, Truly, Madly, Deeply und Tragic. Alle drei stammen aus der Zeit der Aufnahmen zu I Say I Say I Say, haben es aber nicht auf das reguläre Album geschafft. Auf verschiedenen Ausgaben kommen zusätzlich Remixe des Titelsongs hinzu.

Was ist der Unterschied zwischen einer EP und einer Single?

Eine Single stellt einen Titel in den Mittelpunkt und füllt den Rest üblicherweise mit Remixen desselben Songs. Eine EP bringt dagegen mehrere eigenständige Stücke und wirkt eher wie ein kurzes Album. Genau diesen Weg gingen Erasure hier, indem sie dem Titelsong drei komplett neue Songs zur Seite stellten.

Lohnt sich die EP, wenn man das Album schon hat?

Ja, gerade dann. Der Titelsong ist auf dem Album ohnehin enthalten, der Reiz liegt in den drei Zugaben. Ghost und Truly, Madly, Deeply gehören zu den ungewöhnlichsten Aufnahmen dieser Schaffensphase und sind auf keinem regulären Studioalbum zu finden.

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