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Erasure - Wild!

4,5 von 5 Alle Rezensionen zu Erasure von Rezension.org · 2011-07-18 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Erasures vielseitigstes Album, ein Hit nach dem anderen.

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Wild! ist das vierte Studioalbum von Erasure und erschien im Oktober 1989 bei Mute Records. Es folgte nur gut ein Jahr auf The Innocents und wurde nach diesem das zweite Nummer-eins-Album des Duos in Großbritannien in Folge. Vier Singles wurden ausgekoppelt, alle vier erreichten die britischen Top 20. Wer wissen will, wie Synthpop am Ende der Achtziger klang, wenn Songwriting, Produktion und Popinstinkt gleichzeitig stimmen, ist hier richtig.

Worum geht es auf Wild!?

Erasure bestanden seit 1985 aus Vince Clarke und Andy Bell. Clarke hatte zuvor Depeche Mode mitgegründet und mit Yazoo gearbeitet, Bell kam über eine Anzeige im Melody Maker zur Band. 1989 war das Duo auf dem Höhepunkt seiner kommerziellen Kraft, und Wild! klingt genau so: selbstbewusst, breit aufgestellt, ohne Angst vor großen Melodien.

Textlich reicht die Spanne vom Sonnenschein-Optimismus in Blue Savannah über die geschwisterliche Auseinandersetzung in Brother And Sister bis zu religiös aufgeladenen Bildern in Crown Of Thorns. Musikalisch geht es vom reinen Klavierstück bis zur harten Sequencer-Nummer.

Die Tracklist von Wild!

  1. Piano Song (Instrumental)
  2. Blue Savannah
  3. Drama!
  4. How Many Times?
  5. Star
  6. La Gloria
  7. You Surround Me
  8. Brother And Sister
  9. 2,ooo Miles
  10. Crown Of Thorns
  11. Piano Song

Wild, das Album

Schon ein Jahr nachdem von Presse wie Fans vielgelobten The Innocents, veröffentlichten Erasure 1989 ihr viertes Album. Technisch auf dem neuesten Stand überzeugt das Album mit einer glasklaren Produktion. Wild! bietet 11 sehr vielseitige Songs, anders als noch auf The Innocents besitzen hier alle Songs ein Eigenleben. Das instrumentale „Piano Songs” ist quasi eine von Klavier und weichen Synthieklängen begleitete Einleitung, bevor wir dann zu einem der schönsten Songs Erasures kommen, „Blue Savannah”, welches wie ein Traum mit Sonnenschein ist, in dem alle Sorgen sich auf einmal in Luft auflösen und wir das Leben umarmen. Der nächste Hit wartet dann auch nicht lang, denn mit „Drama!” kommt gleich der nächste Kracher auf’s Ohr. Der Song baut von Anfang an eine sehr dichte Atmosphäre, Andys Gesang wird bei der Textzeile „We Are Guilty” von einem Männerchor begleitet, was den Track unglaublich intensiv klingen lässt. Mit „Star” erleben wir eine kleine Weltreise und schmunzeln über Andys Aussage „The City Looks Pretty In Pink”, „You Surround Me” kann mit den anderen Tracks in punkto Qualität mühelos mithalten, der Song nimmt einen sofort gefangen. Auf „2000 Miles” gibt Erasure noch einmal Vollgas: Vince Clarke hat hier eine sehr schöne Sequencermelodie integriert, die den Track sehr robotorermäßig klingen lassen. Der außergewöhnlichste Song ist mit Abstand „Crown Of Thorn”, das wie ein mittelalterliches, britisches Volkslied klingt. Das Album endet wie es begonnen hat, mit dem „Piano Song”, doch diesmal ist Andys Stimme wieder dabei, eine gute Idee, wie ich finde.

Die Singles im Einzelnen

Drama!

Drama! erschien im September 1989 als erste Auskopplung und noch vor dem Album. Der Song ist bis heute einer der druckvollsten Titel im gesamten Erasure-Katalog und lebt vom Wechselspiel aus Bells Leadstimme und dem Chor.

You Surround Me

Im November 1989 folgte You Surround Me, die zweite Single. Sie zeigt die ruhigere, sehnsüchtige Seite des Albums und beweist, dass Erasure eine Hookline nicht immer laut ausspielen mussten.

Blue Savannah

Blue Savannah kam im Januar 1990 und ist für viele der schönste Song, den das Duo je aufgenommen hat. Die weit ausschwingende Melodie und der offene, fast filmische Refrain machen ihn zum Herzstück der Platte.

Star

Star schloss im Mai 1990 die Singleserie ab. Der Song ist der theatralischste der vier und passte perfekt in die immer größer werdenden Bühnenshows der Band.

Produktion, Bühnenshow und Artwork

Aufgenommen wurde Wild! arbeitsteilig: Andy Bell sang mit Produzent Gareth Jones in den Church Studios, während Vince Clarke Synthesizer und Programmierung mit Mark Saunders in seinem eigenen Studio erledigte, beides in London. Genau diese Trennung hört man dem Album an, denn Stimme und Elektronik stehen nebeneinander, ohne sich gegenseitig zu verdecken.

Im Zeitalter von Wild! wurden auch die berühmten Bühnenshows der Band immer exzentrischer, neben den ausgefallennen Kostümen und diversen Tänzern, bot man auch aufwendige Bühnenaufbauten mit vielen Requisiten. Das Cover mag äußerlich etwas schlicht wirken, doch im Inlay befindet sich ein kunstvoll gestaltetes Portrait der beiden, dass von den bekannten französischen Künstlern Pieree Et Gilles gestaltet wurde.

Wie ordnet sich Wild! in die Diskografie ein?

Wild! steht am Ende einer außergewöhnlich dichten Phase. Zwischen 1986 und 1989 veröffentlichten Erasure vier Studioalben, dazu das Begleitwerk The Two Ring Circus. Nach Wonderland, The Circus und The Innocents war Wild! das Album, mit dem die Band ihren Rang endgültig absicherte, statt ihn nur zu bestätigen.

Interessant ist der Vergleich mit dem direkten Vorgänger. The Innocents verkaufte sich besser und gilt bis heute als das erfolgreichste Album des Duos, hat aber eine deutlich schwächere zweite Hälfte. Wild! dagegen streut breiter: Klavierstück, Sequencer-Pop, Chorballade und ein Song, der an ein mittelalterliches Volkslied erinnert, stehen hier nebeneinander, ohne dass die Platte auseinanderfällt. Auch später griff die Band immer wieder auf dieses Material zurück, etwa mit der akustischen Neufassung von How Many Times auf Union Street aus dem Jahr 2006.

Für wen lohnt sich Wild!?

Wer Erasure kennenlernen möchte und nicht mit einer Hitsammlung einsteigen will, findet hier das Album mit der höchsten Trefferquote. Auch für Hörer, die Synthpop sonst zu monoton finden, ist Wild! ein gutes Gegenargument, weil die elf Stücke stilistisch weit auseinanderliegen. Wer dagegen ausschließlich die Clubseite der Band sucht, ist mit späteren Remixalben besser bedient.

Fazit: Lohnt sich Wild!?

Wild! gehört ohne Zweifel zu den besten Alben Erasures, hier jagt ein Hit den nächsten: „Drama”, „Blue Savannah”, „Star”, „You Sourround Me”, um nur ein paar zu nennen. Einzig „La Gloria” kann bei mir keinen Blumentopf gewinnen, dafür klingt es mir zu hektisch und exhaltiert, auch Textzeilen wie „Suzy is shaking her red dress” brauche ich nun nicht unbedingt. Mit diesem Werk haben Erasure ihren Siegeszug fortgesetzt und sollten noch einige Jahre weiterhin erfolgreich bleiben. Wild! ist wild und abwechslungsreich, einfach eine rundum gelungene Sache und nur zu empfehlen.

Häufig gestellte Fragen

Wann erschien Wild! von Erasure?

Wild! kam im Oktober 1989 bei Mute Records heraus und war das vierte Studioalbum des Duos. Produziert wurde es von Erasure gemeinsam mit Gareth Jones und Mark Saunders. Es erschien nur gut ein Jahr nach dem Vorgänger The Innocents.

Welche Singles stammen von Wild!?

Vier Singles wurden ausgekoppelt: Drama! im September 1989, You Surround Me im November 1989, Blue Savannah im Januar 1990 und Star im Mai 1990. Alle vier landeten in Großbritannien in den Top 20. Das erklärt, warum das Album über weite Strecken wie eine Hitsammlung wirkt.

Wie erfolgreich war Wild! in den Charts?

Wild! war nach The Innocents das zweite Nummer-eins-Album von Erasure in Großbritannien in Folge. Damit bestätigte die Band ihren Status als eine der erfolgreichsten britischen Synthpop-Formationen ihrer Zeit. Der kommerzielle Lauf hielt noch mehrere Alben an.

Wie wurde Wild! aufgenommen?

Andy Bell nahm seine Gesangsspuren mit Produzent Gareth Jones in den Church Studios auf, während Vince Clarke Synthesizer und Programmierung mit Mark Saunders in seinem eigenen Studio bearbeitete. Beide Studios lagen in London. Diese Arbeitsteilung erklärt die sehr klare Trennung von Stimme und Elektronik im Klangbild.

Ist Wild! besser als The Innocents?

Aus Sicht dieser Rezension ja. Auf The Innocents fällt die zweite Albumhälfte deutlich ab, auf Wild! hat dagegen fast jeder Song ein Eigenleben. Nur La Gloria fällt aus dem Rahmen. Wer nur ein Erasure-Album aus den späten Achtzigern hören will, nimmt Wild!.

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