rezension.org

Home

4,5 von 5 von michaelkrause2 · 2012-11-30 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Leise Neuaufnahmen abseits der Hits, stark gesungen und gut gealtert.

Home
Anzeige · Musik bei Amazon

Home

8,98 € Stand: 10.08.2026

Preise können sich jederzeit ändern. Es gilt der Preis auf der Amazon-Produktseite.

Zum Angebot bei Amazon →
Auch bei Thalia ansehen →

Leise Töne ganz groß: Mit „Home“ hat Chris de Burgh 2012 ein Album vorgelegt, das seinen eigenen Katalog noch einmal durchsucht und dabei vor allem jene Stücke ans Licht holt, die zwischen den großen Hits kaum Platz hatten.

Über den Musiker

Seit den 80ern zählt der in Argentinien geborene Chris de Burgh zu den erfolgreichsten Solokünstlern in Deutschland. Der Durchbruch gelang ihm 1982 mit dem Song „Don’t Pay The Ferryman“. Weitere Hits wie „Where Peaceful Waters Flow“, „High On Emotion“ oder „Lady In Red“ folgten. Letzterer Song ist vor allem dafür verantwortlich, dass viele in Chris de Burgh einen Balladensänger sehen. Doch der Ire ist mehr. Er sieht sich selbst als Geschichtenerzähler. Ein Anspruch, den er auf diesem Album zumindest im ersten Teil gekonnt umsetzt. Mitte der 90er Jahre ließ der kommerzielle Erfolg nach. Trotzdem veröffentlichte Chris de Burgh weiter Alben und ging auf Tournee. Vor allem live kann der sympathische Ire bis heute sein Publikum begeistern.

Was ist „Home“ für ein Album?

Alle Hörer, die auf diesem Album neues Songmaterial erwarten, werden im ersten Augenblick sicher enttäuscht sein. Wie der Ire im Vorfeld angekündigt hat, handelt es sich bei „Home“ um ein Akustikalbum mit älteren Songs. Jedoch ist es kein Greatest-Hits-Album im herkömmlichen Sinne. Vielmehr hat Chris de Burgh Songs ausgewählt, die ihn zum Teil schon Jahrzehnte begleiten und die eher in der zweiten oder dritten Reihe stehen.

Und das ist gut so: Die vierzehn Songs zeigen ausnahmslos, welch guter Songwriter Chris de Burgh ist. Titel wie „Waiting For The Hurricane“, „Where We Will Be Going“ oder „Fire On The Water“ haben noch nichts von ihrem Reiz verloren. Im Gegenteil. Durch die sparsame Instrumentierung und Chris de Burghs warme Stimme entdecken auch langjährige Fans wieder Titel, die vielleicht ein wenig in Vergessenheit geraten sind.

Aufgenommen im eigenen Haus

Der Albumtitel ist wörtlich zu nehmen. Die Aufnahmen entstanden im Sommer 2012 im Heimstudio des Musikers in Enniskerry in der irischen Grafschaft Wicklow. Man hört diesem Entstehungsweg an, dass hier niemand unter Zeitdruck stand: Die Arrangements atmen, Gitarre und Klavier bleiben im Vordergrund, und es gibt keine Produktionsschicht, die über die Stimme gelegt wird.

Die Auswahl der Songs

Interessant ist weniger, was auf dem Album steht, als das, was fehlt. „Lady In Red“ sucht man vergeblich, ebenso die anderen Radiohits. Stattdessen tauchen Stücke wie „Fatal Hesitation“, „Sailor“ oder „Living On The Island“ auf, die im Konzert manchmal, auf Kompilationen aber selten vorkommen. Diese Auswahl macht das Album zu einer persönlichen Setlist statt zu einer Verkaufsschau.

Trackliste

01 - Waiting For The Hurricane

02 - Tender Hands

03 - Fatal Hesitation

04 - Love & Time

05 - Sailor

06 - Living On The Island

07 - It´s Such A Long Way Home

08 - Where We Will Be Going

09 - Forevermore

10 - Fire On The Water

11 - Suddenly Love

12 - I Will

13 - I´m Not Scared Anymore

14 - Goodnight

In Deutschland erschien zusätzlich eine limitierte Ausgabe, die um die beiden Bonustitel „Last Night“ und „Carry On“ ergänzt ist.

Wie klingen die Neuaufnahmen im Vergleich?

Wer die Originale kennt, hört den Unterschied sofort. Die Studioversionen der 80er und 90er Jahre waren oft breit produziert, mit Streichern, Chören und dem typischen Hall jener Jahre. Hier bleibt davon fast nichts übrig. Das nützt vor allem den Texten, die nun deutlich klarer im Vordergrund stehen, und es legt offen, wie tragfähig die Melodien sind. An ein, zwei Stellen fehlt allerdings der Schub, den die alten Arrangements hatten. Wer die volle Dramatik gewohnt ist, wird die Fassungen zunächst als etwas blass empfinden.

Die Stimme selbst hat sich verändert, ohne zu verlieren. Sie klingt gereifter, an manchen Stellen rauer, und gerade in den ruhigen Passagen entsteht daraus eine Nähe, die dem Material guttut.

Wo steht „Home“ in der Diskografie?

Eingeordnet werden muss das Album im Umfeld der beiden Footsteps-Platten, auf denen Chris de Burgh Songs anderer Künstler interpretiert hatte. Genau daran lässt sich der entscheidende Unterschied festmachen: Diesmal greift er auf eigenes Material zurück. Was auf den ersten Blick nach derselben Idee aussieht, nämlich nach einem Album ohne neue Kompositionen, ist musikalisch etwas völlig anderes. Statt fremde Klassiker nachzuspielen, korrigiert der Ire hier die Gewichtung im eigenen Werk und schiebt Songs nach vorn, die es nie auf die Setlists der großen Tourneen geschafft haben.

Für die Bewertung heißt das: Wer die Footsteps-Alben als Lückenfüller empfunden hat, sollte „Home“ trotzdem eine Chance geben. Die Ausgangslage ist zwar ähnlich, das Ergebnis aber deutlich persönlicher und musikalisch belastbarer.

Für wen lohnt sich das Album?

„Home“ richtet sich zuerst an langjährige Hörer, die die Originale im Ohr haben und den Vergleich genießen. Für sie ist die Platte ein Wiedersehen mit Songs, die im eigenen Katalog untergegangen waren. Auch als ruhiges Album für den Abend funktioniert die Zusammenstellung ausgesprochen gut.

Wer Chris de Burgh dagegen erst kennenlernen will, sollte nicht hier einsteigen. Ohne die Originale im Hintergrund fehlt der Reiz des Vergleichs, und die bekanntesten Songs finden sich schlicht nicht auf der Platte. Für diesen Fall ist eine Werkschau der Singles der bessere Startpunkt.

Fazit: Lohnt sich Home?

Viele Fans hatten nach den beiden Footsteps-Alben auf neues Material des irischen Sängers gehofft. Doch die Enttäuschung sollte sich angesichts dieses Albums in Grenzen halten. „Home“ ist ein ausgezeichnetes Songwriteralbum eines Künstlers, der sich nie um Trends gekümmert hat. Von daher ist diese CD kein Album für den schnellen Musikgenuss zwischendurch. Wer sich aber etwas Zeit nimmt, wird mit einem tollen Album belohnt, bei dem man für ein paar Minuten die Seele baumeln lassen kann. Durch die neuen Arrangements ist das Album auch für langjährige Fans interessant. Wo die Footsteps-Alben eher nichtssagend und austauschbar waren, kann „Home“ wegen des eigenen Songmaterials deutlich punkten. Titel wie „Tender Hands“, „Living On The Island“ oder „Goodnight“ sind zeitlos und machen deutlich, dass Chris de Burgh seinen Platz im Musikolymp sicher hat.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Chris de Burghs Album Home?

Home ist ein Akustikalbum aus dem Jahr 2012, auf dem Chris de Burgh vierzehn ältere Songs aus seinem Katalog neu einspielt. Es enthält bewusst keine neuen Kompositionen und auch nicht die bekanntesten Hits, sondern Titel aus der zweiten Reihe.

Sind auf Home neue Songs enthalten?

Nein. Das Album besteht aus Neuaufnahmen bereits veröffentlichter Stücke in reduzierten, akustischen Arrangements. Wer neues Songmaterial erwartet, wird zunächst enttäuscht sein, bekommt dafür aber ungewohnt intime Fassungen bekannter Lieder.

Ist Lady in Red auf dem Album?

Nein, der größte Hit fehlt bewusst. Chris de Burgh hat für Home Songs ausgewählt, die neben den bekannten Singles oft übersehen wurden, darunter Waiting for the Hurricane, Fire on the Water und Where We Will Be Going.

Wo wurde das Album aufgenommen?

Die Aufnahmen entstanden im Sommer 2012 im Heimstudio des Musikers in Enniskerry in der irischen Grafschaft Wicklow. Diese Entstehung im eigenen Haus passt zum Titel und erklärt den zurückgenommenen, wohnzimmernahen Klang der Platte.

Für wen lohnt sich Home?

Vor allem für langjährige Fans, die die Originale kennen und die Unterschiede hören wollen. Auch als ruhige Abendplatte funktioniert das Album gut. Wer Chris de Burgh neu entdecken will, startet besser mit einer Werkschau der bekannten Singles.

Deine Bewertung

Teile deine Erfahrung zu „Home". Bewertungen werden vor Veröffentlichung geprüft.