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Heinz Rudolf Kunze - Lauschangriff

5 von 5 Alle Rezensionen zu Heinz Rudolf Kunze von michaelkrause2 · 2024-11-23 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Kein verkapptes Best-of, sondern ein rundum gelungenes Swing-Album

Lauschangriff
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Über den Sänger

Seit seinem Hit „Dein ist mein ganzes Herz“ zählt Heinz Rudolf Kunze zu den beständigsten deutschsprachigen Musikern. Zwar hat er es nie geschafft, Stadien zu füllen wie die Kollegen Grönemeyer oder Westernhagen, jedoch kann er sich auf eine treue Fangemeinde verlassen. In seiner Karriere hat sich Heinz Rudolf Kunze einen beachtlichen Output von Studio- und Livealben erarbeitet und sich auch als Musicalübersetzer („Miss Saigon“) und Literat („Vor Gebrauch schütteln“) einen Namen gemacht.

Der 1956 in Espelkamp-Mittwald geborene Kunze ist damit einer der wenigen deutschen Rockmusiker, deren Werk sich nicht auf die Bühne beschränkt. Die deutschen Fassungen großer Musicals stammen von ihm, dazu kommen Gedichtbände und Essays. Wer seine Texte kennt, weiß: Kunze schreibt dicht, gern doppelbödig und mit einer Lust am Wortspiel, die man im deutschen Rock selten findet. Genau diese Textlastigkeit ist der Grund, warum ein Big-Band-Album zunächst nach einem Wagnis klingt.

Was steckt hinter Lauschangriff?

Seit vierzig Jahren ist Heinz Rudolf Kunze als Musiker aktiv und hat in dieser Zeit viel ausprobiert. Jetzt geht er mit einem Album an den Start, das mich sofort interessiert hat, nämlich eine Zusammenarbeit mit der Big Band der Bundeswehr. Bereits 1998 gab es beim Hessentag in Korbach einen solchen einmaligen Auftritt. In diesem Jahr gab es zahlreiche Konzerte in dieser Zusammensetzung, und die Idee entstand, ein Album aufzunehmen. Und nein, kein Livealbum, sondern wirklich ein sattes Studioalbum.

Veröffentlicht wurde „Lauschangriff“ am 15. November 2024. Es versammelt zwölf Titel, für die Arrangements zeichnet Jochen Neuffer verantwortlich, die Big Band der Bundeswehr steht unter der Leitung von Timor Oliver Chadik. Aufgenommen wurde im Hansahaus Studio in Bonn. Damit ist die Ausgangslage klar: kein Nebenprojekt, sondern eine Produktion, in die spürbar Arbeit geflossen ist.

Wie klingt das Album?

Und so hat mich „Lauschangriff“ schon nach den ersten Tönen des Openers „Dies ist Klaus“ (zudem eh einer meiner Lieblingstracks von HRK) komplett abgeholt. Blickt man auf die Titelliste der insgesamt zwölf Titel, findet man Songs wie „Mit Leib und Seele“, „Lola“, „Finden Sie Mabel“ oder „Dein ist mein ganzes Herz“. Toll, werden jetzt viele denken. Also ist „Lauschangriff“ nichts weiter als ein verkapptes Best-of-Album, dem man schnell ein paar Bläser untergejubelt hat.

Mitnichten, denn Heinz Rudolf Kunze und sein Team haben sich wirklich Mühe gegeben und die Titel so arrangiert, dass sie klingen, als wären sie schon immer im jazzigen Swing-Bläser-Stil veröffentlicht worden. Wie gesagt, allein der Opener holt einen ab und weckt Erwartungen, die jeder Song erfüllen kann.

Ohne Übertreibung reiht sich hier eine Perle an die andere. Die genannten alten Lieder klingen so frisch, dass man an jedem etwas Neues entdecken kann. Jüngere Songs wie „Die ganz normalen Menschen“ oder „Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort“ überraschen total. Gerade der letztgenannte Titel, der im Original über weite Strecken eine Klavierballade ist, wird hier von einem Bläsersatz getragen, der einfach nur genial ist.

Bemerkenswert ist dabei, wie wenig die Arrangements den Texten in die Quere kommen. Eine Big Band kann einen Sänger zudecken, hier passiert das nie. Die Bläser setzen Akzente, ziehen sich in den Strophen zurück und kommen in den Refrains mit voller Wucht. Kunzes Stimme, die nie die geschmeidigste war, gewinnt in diesem Umfeld sogar: Das Kantige passt zum Swing besser, als man vermuten würde.

Die Höhepunkte

Zwei weitere Highlights sind „Leg nicht auf“ und „Aller Herren Länder“. Für mich ist „Leg nicht auf“ das schönste deutsche Liebeslied überhaupt. Und egal, ob es in der damaligen Originalfassung, im Rahmen seiner Solotour nur auf Gitarre oder jetzt als Swingnummer daherkommt, der Titel macht in jeder Rolle eine ausgezeichnete Figur.

Das absolute Highlight ist dann sicherlich „Aller Herren Länder“, dessen Jazz-Intro so genial ist, dass man den Song anfangs kaum erkennt, bevor er in das bekannte Thema gleitet, aber den jazzigen Stil konsequent beibehält.

Wo Reibung entsteht

Wer die Originale sehr genau kennt, wird bei ein, zwei Titeln kurz zögern, weil die Rockhärte fehlt, die manche Stücke ausgemacht hat. Wer „Dein ist mein ganzes Herz“ ausschließlich als Radiohit von 1985 im Ohr hat, muss sich auf eine deutlich elegantere Lesart einlassen. Das ist kein Mangel, sondern der Preis des Konzepts, sollte aber ehrlicherweise dazugesagt werden.

Trackliste

01 - Dies ist Klaus

02 - Meine eigenen Wege

03 - Leg nicht auf

04 - Die ganz normalen Menschen

05 - Mit Leib und Seele

06 - Aller Herren Länder

07 - Lola

08 - Finden Sie Mabel

09 - Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort

10 - Dein ist mein ganzes Herz

11 - Wenn du nicht wiederkommst

12 - Die Zeit ist reif

Für wen lohnt sich Lauschangriff?

Für Kunze-Hörer ist die Sache klar: Hier gibt es vertraute Songs in einer Fassung, die man so noch nicht gehört hat, und das über die volle Albumlänge. Spannend ist die Platte aber auch für alle, die mit deutschem Rock wenig anfangen können, Big Band und Swing dagegen schätzen. Die Arrangements sind handwerklich auf einem Niveau, das sich nicht hinter internationalen Vorbildern verstecken muss. Wer ein Einstiegsalbum sucht, um Kunze überhaupt erst kennenzulernen, ist hier ebenfalls gut bedient, weil die zwölf Titel einen Querschnitt durch das Repertoire bilden.

Fazit: Lohnt sich Lauschangriff?

Es ist in diesem Jahr erst einmal vorgekommen, dass ich ein Album nach dem ersten Hördurchgang gleich noch einmal hören wollte. Das war bei „Winter Storm“ von Ensiferum der Fall. „Lauschangriff“ hat das getoppt und ist seit seiner Veröffentlichung im Dauereinsatz. Damit schickt sich Heinz Rudolf Kunze auf jeden Fall an, nach 2021 und 2023 wieder einen Platz unter meinen drei besten Alben des Jahres zu erreichen. Und wer weiß, vielleicht tragen ihn ja die Bläser der Big Band bis an die Spitze.

Unsere Bewertung

Musik: 5

Instrumentalisierung: 5

Stimme: 5

Texte: 5

Abwechslung: 5

Häufig gestellte Fragen

Was ist Lauschangriff für ein Album?

Es ist ein Studioalbum von Heinz Rudolf Kunze zusammen mit der Big Band der Bundeswehr, erschienen am 15. November 2024. Zwölf Titel aus vier Jahrzehnten wurden dafür komplett neu für Big Band arrangiert und im Studio eingespielt. Ein Livemitschnitt ist es ausdrücklich nicht.

Welche Songs sind auf Lauschangriff enthalten?

Das Album eröffnet mit „Dies ist Klaus“ und enthält unter anderem „Leg nicht auf“, „Die ganz normalen Menschen“, „Mit Leib und Seele“, „Aller Herren Länder“, „Lola“, „Finden Sie Mabel“ und „Dein ist mein ganzes Herz“. Den Abschluss bilden „Wenn du nicht wiederkommst“ und „Die Zeit ist reif“.

Ist Lauschangriff einfach ein Best-of-Album?

Nein. Zwar stammen die Titel aus dem bekannten Repertoire, doch die Arrangements sind neu geschrieben und die Aufnahmen frisch eingespielt. Mehrere Stücke, etwa „Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort“ oder „Aller Herren Länder“, klingen dadurch deutlich anders als die Originale.

Lohnt sich das Album auch für Hörer ohne Kunze-Vorgeschichte?

Ja, denn die Big-Band-Fassungen funktionieren als Swing- und Jazzpop-Album für sich. Wer die Originale kennt, hat den zusätzlichen Reiz des Vergleichs, notwendig ist er aber nicht.

Gab es die Zusammenarbeit mit der Big Band schon früher?

Ja, bereits 1998 gab es beim Hessentag in Korbach einen gemeinsamen Auftritt. 2024 folgten zahlreiche Konzerte in dieser Besetzung, aus denen die Idee zum Studioalbum entstand.

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