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Knastkinder

4 von 5 von Rezension.org · 2011-11-21 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Harter, kurzer Jugendroman über Straßenkinder in einem Gefängnis in Manila.

Knastkinder: Das besondere Buch
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Knastkinder: Das besondere Buch

10,00 € Stand: 10.08.2026

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Worum geht es in Knastkinder?

Der zwölfjährige Jonathan ist genervt von seinen Eltern. Statt mit seinen Freunden in Spanien einen tollen Urlaub zu verbringen, muss er mit seinen Eltern nach Manila, die Heimat seines Vaters. Genervt täuscht er Kopfschmerzen vor und gewinnt so einen freien Nachmittag. Während seine Eltern Verwandte besuchen, verlässt er das Hotel und macht sich auf den Weg, Manila alleine zu erkunden.

Schnell kommt er auf den falschen Weg und befindet sich in einem üblen Viertel. Er begegnet ein paar fiesen Typen, die ihn ausrauben und schlagen. Bewusstlos lassen sie ihn auf den gefährlichen Straßen zurück und nehmen ihm alle seine Sachen ab. So begegnet er der Polizei, die alle Straßenkinder in ein Kindergefängnis bringt, und durch einen Irrtum wird er mit eingebuchtet. Schnell findet er Jugendliche, die sich mit ihm anfreunden und ihm helfen.

Der Witz der Konstruktion liegt darin, dass Jonathan alles verliert, was ihn von den anderen Kindern unterscheidet: Pass, Geld, Handy, saubere Kleidung. Ohne diese Dinge ist er für die Polizei einfach ein weiterer Junge von der Straße. Genau an dieser Stelle beginnt das Buch, unbequem zu werden.

Wie das Buch entstanden ist

Das Buch „Knastkinder” basiert auf einem gleichnamigen Jugend-Theaterstück, das 2008 an 70 Schulen über 180 Mal aufgeführt wurde. Der Jugendroman ist zwar frei erfunden, könnte sich aber genauso in der Realität abgespielt haben. Die Geschichte eignet sich ideal, um sie auch in einem Buch zu erzählen, und so begann der Autor Rüdiger Bertram daraus einen Jugendroman zu entwickeln. Der Roman erschien 2009 bei Rowohlt und umfasst rund 128 Seiten.

Man merkt dem Text seine Herkunft vom Theater an, und zwar im positiven Sinn: Die Szenen sind knapp, die Dialoge tragen die Handlung, es gibt wenig Beschreibung und viel unmittelbare Situation. Deshalb liest sich das Buch so schnell.

Die Figuren

Jonathan

Jonathan ist zu Beginn kein besonders sympathischer Held. Er ist quengelig, hält den Besuch bei den Verwandten seines Vaters für Zeitverschwendung und trifft mit dem Alleingang durch Manila eine sehr dumme Entscheidung. Dass der Roman ihn genau dafür bezahlen lässt, ist konsequent. Seine Entwicklung im Gefängnis ist der eigentliche Bogen des Buches.

Die Kinder im Gefängnis

Interessanter als der Protagonist sind die Kinder, die er dort trifft. Sie haben eigene Regeln, eigene Hierarchien und eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Lage, die Jonathan zunächst nicht versteht. Sie helfen ihm, ohne dass daraus eine kitschige Freundschaftsgeschichte wird. Eine der stärksten Wendungen des Buches hängt genau an einer dieser Figuren.

Straßenkinder in Manila: der reale Hintergrund

Die Handlung ist erfunden, die Verhältnisse sind es nicht. Rüdiger Bertram hat vor Ort recherchiert, und die Kinder, die in Manila in Gefängnissen sitzen, existieren tatsächlich. Das Buch nutzt Jonathan als Türöffner für Leserinnen und Leser, die mit dieser Realität sonst nichts zu tun haben: Über einen deutschen Jungen, der versehentlich hineingerät, lässt sich erzählen, was einem Straßenkind ohne Pass und Fürsprecher passiert.

Man erfährt viel über die Betroffenen und die Bedingungen, in denen die Jugendlichen leben müssen. Hinzu lernt man aber auch sehr viel über die Straßenkinder und die Verhältnisse in einem Land kennen. Über die Rechte, die ein Straßenkind hat beziehungsweise nicht hat, und noch viel mehr.

Wer ist Rüdiger Bertram?

Rüdiger Bertram wurde 1967 in Ratingen geboren und arbeitet seit seinem Studium als freier Journalist, Kolumnist und Autor. Er übersetzte zahlreiche BBC-Tierfilme ins Deutsche und schreibt heute neben Kinderbüchern vor allem Drehbücher für Sitcoms und Komödien. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt er in Köln. Die Erfahrung als Drehbuchautor erklärt einiges am Tempo dieses Buches.

Schreibstil und Lesbarkeit

Der Schreibstil des Autors ist ziemlich flüssig und so auch ziemlich leicht zu lesen. Die Sätze sind kurz, es gibt keine ausufernden Beschreibungen, und die Kapitel enden regelmäßig an Punkten, an denen man weiterlesen will. Ich hatte das Buch nach zwei Stunden fertig gelesen, und das lag nicht nur am geringen Umfang.

Das Thema finde ich ziemlich originell. Es gibt viele Jugendbücher über soziale Missstände, aber wenige, die einen privilegierten Erzähler so schnell und so vollständig aus seiner Position herauskippen lassen.

Kritikpunkte

Ehrlich gesagt hatte ich am Anfang eigentlich schon gedacht, was passieren würde: Ein Junge kommt ins Gefängnis, und es gibt am Ende ein Happy End für alle. Doch das Buch hatte viele Überraschungen zu bieten. Ob es das war, dass der gute Freund sich plötzlich als Mädchen entpuppte, oder dass plötzlich jemand starb, es wurde nie langweilig.

Die Handlungen des Jungen konnte ich manchmal nicht wirklich nachvollziehen, weshalb mir manche Stellen etwas komisch vorkamen. Jonathan trifft im Gefängnis mehrfach Entscheidungen, die sich weniger aus seiner Figur als aus dem Bedarf der Handlung ergeben. Wer sehr genau liest, stolpert darüber. Auch die Kürze fordert ihren Preis: Manches, was mehr Raum verdient hätte, wird in wenigen Sätzen abgehandelt.

Für wen lohnt sich Knastkinder?

Knastkinder ist ein Roman, der sich hauptsächlich an Jugendliche richtet, aber meiner Meinung nach auch für Erwachsene lesenswert wäre. Für den Schulunterricht ist er gut geeignet, weil er kurz ist, ein klares Thema hat und über die Theaterfassung ohnehin eine Vorgeschichte an Schulen mitbringt. Wer Bücher mag, die man an einem Abend durchliest und die trotzdem hängenbleiben, liegt hier richtig.

Fazit: Lohnt sich Knastkinder?

Insgesamt finde ich, dass es ein gutes Buch für Jung und Alt ist. Ich fand es sehr interessant zu lesen und empfehle das Buch allen, die mal etwas anderes lesen wollen. Der reale Hintergrund und die kompakte, theaterhafte Erzählweise machen aus einem eigentlich einfachen Plot ein Buch, das mehr auslöst als erwartet. Kleine Schwächen in der Figurenführung fallen daneben nicht stark ins Gewicht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Knastkinder?

Der zwölfjährige Jonathan reist mit seinen Eltern nach Manila, die Heimat seines Vaters. Auf einem heimlichen Ausflug wird er in einem Armenviertel ausgeraubt und zusammengeschlagen. Weil ihn die Polizei anschließend für ein Straßenkind hält, landet er in einem Kindergefängnis, in dem hunderte Kinder festgehalten werden.

Ist Knastkinder eine wahre Geschichte?

Die Handlung um Jonathan ist erfunden, der Hintergrund nicht. Die Kinder in den Gefängnissen von Manila gibt es tatsächlich, und Rüdiger Bertram hat vor Ort recherchiert, bevor er den Roman geschrieben hat. Das Buch verarbeitet also reale Verhältnisse in einer fiktiven Rahmenhandlung.

Wer ist Rüdiger Bertram?

Rüdiger Bertram wurde 1967 in Ratingen geboren und arbeitet seit seinem Studium als freier Journalist, Kolumnist und Autor. Er übersetzte zahlreiche BBC-Tierfilme ins Deutsche und schreibt neben Kinderbüchern vor allem Drehbücher für Sitcoms und Komödien. Er lebt mit seiner Familie in Köln.

Ab welchem Alter eignet sich Knastkinder?

Der Roman ist als Jugendbuch angelegt und mit rund 128 Seiten sehr kompakt. Der Schreibstil ist flüssig und leicht zugänglich, das Thema jedoch hart: Gewalt, Willkür und der Tod eines Kindes kommen vor. Erwachsene können das Buch ebenfalls mit Gewinn lesen.

Gibt es ein Theaterstück zu Knastkinder?

Ja, und es war sogar zuerst da. Der Roman basiert auf einem gleichnamigen Jugend-Theaterstück, das 2008 an 70 Schulen über 180 Mal aufgeführt wurde. Erst danach entwickelte Rüdiger Bertram daraus den Jugendroman, der 2009 bei Rowohlt erschien.

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