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David Bowie - Diamond Dogs (30th Anniversary Edition)

4 von 5 Alle Rezensionen zu David Bowie Redaktion · 2011-08-22 · aktualisiert 2026-10-01

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Diamond Dogs (30th Anniversary Edition) ist die 2004 bei EMI erschienene Doppel-CD-Ausgabe von David Bowies achtem Studioalbum aus dem Jahr 1974 und laut Rezension vom 22. August 2011 mit 4 von 5 Punkten der krönende Abschluss seiner Glam-Rock-Phase. Das Konzeptalbum greift Motive aus George Orwells 1984 auf, hat mit „Rebel Rebel“ eine Bowiehymne und erreichte Platz 1 der britischen Albumcharts.

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Worum geht es auf Diamond Dogs?

Diamond Dogs ist ein Konzeptalbum über eine zerfallene Großstadt, in der verwilderte Jugendbanden über Dächer und Ruinen ziehen. Das gesprochene Intro Future Legend entwirft dieses Szenario in wenigen Zeilen, danach übernimmt die Musik. Thematisch gründet die Platte auf George Orwells 1984, deutlich hörbar in den Stücken We Are The Dead, 1984 und Big Brother. Bowie erzählt diese Dystopie nicht als kühle Zukunftsprognose, sondern als glitzernden, verkommenen Karneval: Glam Rock trifft auf Art Rock, dazwischen blitzen bereits Soul- und Discofarben auf.

Nach dem leider viel zu unterschätzten Coveralbum Pin Ups kehrte David Bowie 1974 wieder zu seinen Glam-Rock-Wurzeln zurück und veröffentlichte mit Diamond Dogs ein Album, das ganz in der Tradition der Meisterwerke Ziggy Stardust und Aladdin Sane steht. Wie diese Alben ist auch Diamond Dogs wieder ein Konzeptalbum geworden, das von einer Glam-Rock-gefärbten postapokalyptischen Welt handelt. Bowies sechstes Studioalbum von 1973 gibt es als remasterte Jubiläumsausgabe von Aladdin Sane mit Bonus-CD.

Das gescheiterte 1984-Musical als Ursprung

Diamond Dogs begann nicht als Album, sondern als Bühnenprojekt. Bowie wollte Orwells Roman 1984 als Musical umsetzen, gedacht war eine Kombination aus Bühnenproduktion, Fernsehfassung und Platte. Sonia Orwell, Witwe und Nachlassverwalterin des Schriftstellers, hielt das Vorhaben für geschmacklos und verweigerte die Rechte am Roman. Bowie hat sich darüber noch Jahre später öffentlich geärgert.

Übrig blieben die bereits fertigen Stücke. Die Dreiergruppe We Are The Dead, 1984 und Big Brother stammt direkt aus diesem aufgegebenen Projekt und wurde in das neue Albumkonzept übernommen. Das erklärt auch, warum die zweite Hälfte der Platte thematisch geschlossener wirkt als die erste: Sie war ursprünglich Teil einer durchkomponierten Erzählung.

Aufnahme und Hintergrund

Aufgenommen wurde Diamond Dogs im Januar und Februar 1974 in den Trident und Olympic Studios in London sowie in einem Studio in den Niederlanden. Die Platte erschien am 24. Mai 1974 bei RCA Records. Sie markiert einen Einschnitt: Die Spiders from Mars als feste Begleitband existierten nicht mehr, und Produzent Ken Scott, der die vorangegangenen Alben mitverantwortet hatte, war nicht mehr beteiligt. Bowie produzierte selbst.

Kommerziell ging die Rechnung auf. Diamond Dogs erreichte Platz 1 der britischen Albumcharts und Platz 5 in den USA. Rebel Rebel war bereits im Februar 1974 als Vorabsingle erschienen, der Titeltrack folgte im Juni, 1984 wurde in den USA und Japan ausgekoppelt.

Die Titelliste der 30th Anniversary Edition

CD 1: das Album

  1. Futur Legend
  2. Diamond Dogs
  3. Sweet Thing
  4. Candidate
  5. Sweet Thing (Reprise)
  6. Rebel Rebel
  7. Rock ‚N‘ Roll With Me
  8. We Are The Dead
  9. 1984
  10. Big Brother
  11. Chant Of The Ever Circling Skeletal Family

CD 2: Bonusmaterial

  1. 1984/Dodo
  2. Rebel Rebel (US Single Version)
  3. Dodo
  4. Growin‘ Up
  5. Diamond Dogs (K-Tel Best Of Edit)
  6. Candidate (Intimacy Mix)
  7. Rebel Rebel (2003 Version)

Die Songs im Einzelnen

Schon das Cover des Albums ist genial, David Bowie als androgynes Fabelwesen aus Mensch und Hund. Seine Frisur erinnert sehr stark an den Stil, den er als Ziggy Stardust pflegte, sodass nicht wenige Stimmen meinten, dass hier Bowie für einen Moment wieder in die Rolle des Ziggy Stardust geschlüpft ist. Doch stilistisch gibt es einige Neuerungen auszumachen.

Rebel Rebel und der Titeltrack

Neben waschechten Rocksongs wie dem von den Stones inspirierten Titeltrack „Diamond Dogs” steht das genial-einfache „Rebel Rebel”, das schon fast zur Bowiehymne avancierte. Sein Riff ist das bekannteste der ganzen Platte und funktioniert bis heute auf jeder Bühne. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet dieser knappe, direkte Rocksong das letzte große Glam-Statement Bowies wurde.

Sweet Thing, Candidate und Sweet Thing (Reprise)

Zu den stärksten Songs gehören die drei miteinander verwandten Stücke „Sweet Thing”, „Candidate” und „Sweet Thing (Reprise)”, die einen großen Spannungsbogen aufbauen. Sie sind das eigentliche Herz des Albums, ein zusammenhängender Block, in dem Bowie stimmlich von tiefer Lage bis in schneidende Höhen wandert. Danach präsentiert uns Bowie mit „We Are The Dead” einen seiner mitreißendsten Songs überhaupt, der wie ein Prototyp des Death Rocks der 80er wirkt und eine immense Wirkung auf mich hat.

1984 und der Schlussteil

„1984” klingt mit seinen pompösen Streicherarrangements wie ein Vorbote der schon bald aufkommenden Discowelle. Die letzten drei Songs dieses Albums gefallen mir persönlich nicht mehr so gut, weil Bowie hier den einmal eingeschlagenen Weg verlässt und einen Umweg in doch sehr tanzorientierte Gefilde nimmt. Das wirkt auf mich dann doch etwas zu sehr auf Unterhaltung getrimmt, sodass ich etwas den Tiefgang der anderen Titel vermisse. Wer Bowies weitere Entwicklung kennt, hört darin allerdings weniger einen Bruch als eine Ankündigung dessen, was ein Jahr später auf Young Americans folgen sollte.

Was bringt die 30th Anniversary Edition?

Wie die anderen Jubiläumseditionen auch kommt Diamond Dogs mit einer zweiten CD im Schlepptau, die eine Auswahl an Remixen und alternativen Versionen der Stücke bietet. Die Doppel-CD erschien 2004 bei EMI. Ein Teil des Bonusmaterials war schon vorher erhältlich, etwa auf der Box Sound + Vision oder auf den Rykodisc-Ausgaben der frühen Neunziger. Für Neueinsteiger ist die Zusammenstellung aber die bequemste Möglichkeit, alles an einem Ort zu haben.

Darunter findet sich übrigens auch die neue, im Jahr 2003 eingespielte Version von „Rebel Rebel”, auf der Bowie beweist, dass er das Rocken nicht verlernt hat. Der Intimacy Mix von „Candidate” und die Kombination 1984/Dodo zeigen zudem, wie das Material klang, bevor das Albumkonzept endgültig stand.

Einordnung im Werk von David Bowie

Diamond Dogs steht an einer Nahtstelle. Nach hinten schließt es die Reihe Ziggy Stardust, Aladdin Sane und Pin Ups ab, nach vorne öffnet es die Tür zum Plastic Soul von Young Americans und zur Kälte von Station To Station. Es ist die letzte Platte, auf der Bowie den Glam Rock ohne Ironie ausspielt, und zugleich die erste, auf der er die Verantwortung im Studio komplett selbst trägt. Das Coveralbum Pin Ups von 1973 verneigt sich vor den britischen Sixties-Bands.

Für wen lohnt sich Diamond Dogs?

Wer über Rebel Rebel zu Bowie gefunden hat und wissen will, aus welchem Zusammenhang dieser Song stammt, ist hier genau richtig. Ebenso alle, die Konzeptalben mit erzählerischem Bogen mögen. Wer dagegen den elektronischen Bowie der Berlin-Trilogie sucht, sollte eher zu Low oder Heroes greifen, denn davon ist auf Diamond Dogs noch nichts zu hören.

Fazit: Lohnt sich Diamond Dogs?

Diamond Dogs bietet sehr starke Songs wie „Rebel Rebel”, „Sweet Thing” und das unwiderstehliche „We Are The Dead”. Zwar gibt es diesmal auch einige schwächere Songs wie „1984”, das schon nach Disco klingt, aber im Großen und Ganzen ist dieses Album der krönende Abschluss seiner Glam-Rock-Phase, ist Diamond Dogs doch das letzte dieser Art. Die 30th Anniversary Edition ist dafür die passende Ausgabe, weil sie neben dem Album auch die Umwege dorthin dokumentiert.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es auf Diamond Dogs?

Diamond Dogs ist ein Konzeptalbum über eine zerfallene Großstadt, in der verwilderte Jugendbanden über Dächer und Ruinen ziehen. Die thematische Grundlage bildet George Orwells Roman 1984, dessen Motive vor allem in den Stücken We Are The Dead, 1984 und Big Brother auftauchen. Bowie verpackt diese Dystopie in Glam Rock und Art Rock, dazwischen blitzen bereits Soul- und Discofarben auf.

Wann ist Diamond Dogs erschienen?

Diamond Dogs, das achte Studioalbum von David Bowie, erschien am 24. Mai 1974 bei RCA Records. Aufgenommen wurde es im Januar und Februar 1974 in den Trident und Olympic Studios in London sowie in den Niederlanden. Bowie produzierte das Album selbst, nachdem die Spiders from Mars nicht mehr existierten und Produzent Ken Scott nicht mehr beteiligt war.

Warum wurde aus Bowies 1984-Musical nichts?

Aus Bowies 1984-Musical wurde nichts, weil Sonia Orwell, Witwe und Nachlassverwalterin von George Orwell, das Vorhaben für geschmacklos hielt und die Rechte am Roman verweigerte. Übrig blieben die bereits fertigen Stücke, die in Diamond Dogs aufgingen.

Was enthält die 30th Anniversary Edition?

Die 30th Anniversary Edition von Diamond Dogs erschien 2004 bei EMI als Doppel-CD und kombiniert das Originalalbum auf CD 1 mit einer Bonus-CD aus Remixen und alternativen Versionen. Darauf finden sich unter anderem die US-Single-Version von „Rebel Rebel“ und eine 2003 neu eingespielte Fassung desselben Songs. Ein Teil des Bonusmaterials war zuvor schon auf der Box Sound + Vision oder auf den Rykodisc-Ausgaben der frühen Neunziger erhältlich.

War Diamond Dogs kommerziell erfolgreich?

Ja, Diamond Dogs erreichte Platz 1 der britischen Albumcharts und Platz 5 in den USA. Die Vorabsingle „Rebel Rebel“ war bereits im Februar 1974 erschienen und avancierte fast zur Bowiehymne.

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