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Depeche Mode - Memento Mori

5 von 5 von michaelkrause2 · 2023-04-16 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Jetzt erst recht: stärkstes Depeche-Mode-Album seit der Jahrtausendwende.

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Über die Band

Aus mehreren Bands, in denen die Musiker Andrew Fletcher, Vince Clarke und Martin Gore aktiv waren, gründeten sie die Gruppe Composition Of Sound. Als Dave Gahan als Sänger einstieg, änderte man den Namen auf seinem Vorschlag hin in Depeche Mode. Im Zuge der aufkommenden New-Romantic-Welle debütierten sie mit ihrem Album „Speak & Spell„. Die Single „Just Can’t Get Enough„ war dabei ein erster Achtungserfolg. Nach dem Debütalbum stieg Vince Clarke aus. Das in Berlin aufgenommene „Some Great Reward„ machte die Gruppe mit Hits wie „People Are People„ zu Superstars der 1980er. In den 1990ern wandelte sich der Stil, doch der Erfolg blieb. Lustigerweise erreichten erst seit 1993 all ihre Alben Platz 1 der deutschen Charts. Aufgrund seines Drogenkonsums war Dave Gahan im Mai 1996 für zwei Minuten klinisch tot, bevor der Rettungsdienst ihn wieder zurückholen konnte. Nach einem Entzug ist er bis heute clean. Im Mai 2022 starb Andrew Fletcher im Alter von 60 Jahren an einer Aortendissektion.

Wie ist Memento Mori entstanden?

Bereits vor dem Tod von Andrew Fletcher hatten die ersten Arbeiten an einem neuen Album begonnen, allerdings hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nichts eingespielt. Die große Frage war: Würde die Band ohne den stillen Mann im Hintergrund, der die beiden Charaktere Dave Gahan und Martin Gore zusammenhielt, überhaupt weitermachen? Letztlich entschieden sie sich dafür. Zusammen mit Produzent James Ford setzten sie das Songmaterial um, welches Martin Gore diesmal überwiegend mit Richard Butler geschrieben hat, der mit Martin Gore einen Großteil der Songs eigentlich für ein eigenes Projekt verwenden wollte.

Ford ist für diese Platte eine kluge Wahl. Er lässt die Songs atmen, statt sie zuzukleistern, und hält die Synthesizer nah an dem trockenen, leicht kalten Klang, den die Band in ihren besten Phasen hatte. Ergänzt wurde die Arbeit durch zusätzliche Produktion von Marta Salogni. Herausgekommen ist ein Album, das nach Depeche Mode klingt, ohne die eigene Vergangenheit zu kopieren.

Inzwischen haben Depeche Mode einen Status erreicht, in dem sich die Stadien dieses Planeten allein dadurch füllen, dass sie eine Tour ankündigen. Trotzdem stand die Frage im Raum, ob die Band nach dem eher durchwachsenen letzten Album „Spirit„ noch die Lust und die Motivation hat, sich neu zu erfinden oder zumindest an frühere Glanzwerke heranzukommen. Zwischen „Spirit„ von 2017 und „Memento Mori„ lagen sechs Jahre, der längste Abstand zwischen zwei Alben in der Geschichte der Band.

Der Titel und sein Gewicht

Sei dir der Sterblichkeit bewusst, lautet der Albumtitel, der angesichts des Todes von Andrew Fletcher eine bittere Note bekommt und doch passt. Denn es scheint, als wollten sich Martin Gore und Dave Gahan zum einen mit aller Macht gegen diese Sterblichkeit stellen und zum anderen ihrem ehemaligen Kollegen zeigen, dass sie ihn vermissen, es aber immer noch können.

Bemerkenswert ist, dass das Album trotzdem kein Trauerwerk geworden ist. Es gibt keine Widmungsballade, keinen offensichtlichen Abschiedssong. Der Verlust liegt eher als Grundton unter den zwölf Stücken, als dass er ausbuchstabiert würde. Genau das macht die Platte haltbarer, als es ein Denkmal geworden wäre.

Die Songs

Bereits die erste Single „Ghosts Again„ deutete an, dass Depeche Mode tolle Musik machen. Und genau das liefert „Memento Mori„ hier ab. Seit den Alben „Ultra„ und „Exciter„ hat man Depeche Mode nicht mehr so gut gehört.

My Cosmos Is Mine

Das eher introhafte „My Cosmos Is Mine„ weckt Interesse, statt gleich zuzuschlagen. Es ist ein ungewöhnlicher Einstieg, der das Album erst einmal auf Distanz hält und dadurch neugierig macht.

Wagging Tongue

Danach folgt mit „Wagging Tongue„ eine Gahan-Gore-Nummer, wie man sie seit über zwanzig Jahren nicht mehr gehört hat. Der zweistimmige Refrain ist einer der Momente, in denen die Platte am hellsten klingt.

Ghosts Again

Die Vorabsingle stammt aus der Feder von Martin Gore und Richard Butler und war die richtige Wahl als Türöffner. Sie verbindet eine eingängige Melodie mit einem Text, der sich um Vergänglichkeit dreht, ohne schwer zu werden.

Soul With Me und Never Let Me Go

„Soul With Me„ ist eine soulhafte Ballade, in der Dave Gahan stimmlich zu begeistern weiß, „Never Let Me Go„ geht sogar ein wenig in die Richtung des Synthie-Pops der 1980er Jahre. Beide zeigen, wie weit die Spannbreite des Albums reicht.

Trackliste

01 - My Cosmos Is Mine

02 - Wagging Tongue

03 - Ghosts Again

04 - Dont Say You Love Me

05 - My Favorite Stranger

06 - Soul With Me

07 - Carolines Monkey

08 - Before We Drown

09 - People Are Good

10 - Always You

11 - Never Let Me Go

12 - Speak To Me

Charts und Kritiken

Kommerziell war „Memento Mori„ ein klarer Erfolg. In Deutschland stieg das Album auf Platz 1 ein, es war das zwölfte Nummer-eins-Album der Band hierzulande. Der Verkaufsstart war der stärkste eines internationalen Acts seit „Voyage„ von ABBA. Auch die internationale Kritik reagierte überwiegend positiv und ordnete die Platte als das beste Werk der Band seit der Jahrtausendwende ein. Das deckt sich mit dem Eindruck beim Hören: Hier hat eine Band, der niemand mehr etwas beweisen müsste, trotzdem noch einmal alles gegeben.

Für wen lohnt sich Memento Mori?

Für langjährige Fans ist die Platte ohnehin Pflicht, allein wegen der Frage, wie die Band den Verlust von Andrew Fletcher verarbeitet. Interessanter ist der Fall der Hörer, die nach „Playing The Angel„ oder „Spirit„ abgesprungen sind: Sie finden hier ein Album, das die alte Mischung aus dunklem Synthie-Pop und Soul-Anleihen wieder überzeugend hinbekommt. Wer Depeche Mode dagegen nur über die Hits der 1980er kennt, sollte wissen, dass „Memento Mori„ eher grüblerisch als tanzbar ist.

Fazit: Lohnt sich Memento Mori?

No Filler, all Killers – getreu diesem Leitspruch, der durchaus ein Qualitätsmerkmal für ein Album ist, legen Depeche Mode mit „Memento Mori„ ein unerwartet starkes Album vor, das ich persönlich zu den besten der Band zählen würde. Ich denke, dass Andrew Fletcher sehr zufrieden auf seine Mitstreiter schauen wird.

Zwölf Songs, keine Länge zu viel, eine Band, die aus einer existenziellen Krise heraus ihr überzeugendstes Werk seit Jahrzehnten macht: Das ist selten und verdient die volle Wertung.

Unsere Bewertung

Musik: 5

Instrumentalisierung: 5

Stimme: 5

Abwechslung: 5

Hörspaß: 5

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Memento Mori erschienen?

Das Album kam am 24. März 2023 über Columbia Records heraus. Es ist das fünfzehnte Studioalbum von Depeche Mode und folgte auf Spirit von 2017. Sechs Jahre sind der längste Abstand zwischen zwei Alben in der Bandgeschichte.

Was bedeutet der Titel Memento Mori?

Memento mori heißt sinngemäß: Sei dir deiner Sterblichkeit bewusst. Der Titel stand schon fest, bevor Andy Fletcher im Mai 2022 starb, bekam durch seinen Tod aber eine Bedeutung, die niemand geplant hatte.

Ist Memento Mori das erste Album ohne Andy Fletcher?

Ja. Es ist das erste Studioalbum, das Depeche Mode als Duo aus Dave Gahan und Martin Gore aufgenommen und veröffentlicht haben. Fletcher war an den ersten Vorarbeiten noch beteiligt, hatte zu diesem Zeitpunkt aber noch nichts eingespielt.

Wer hat Memento Mori produziert?

Produzent war James Ford, zusätzliche Produktionsarbeit steuerte Marta Salogni bei. Einen Großteil der Songs schrieb Martin Gore gemeinsam mit Richard Butler, darunter die Vorabsingle Ghosts Again.

Wie erfolgreich war das Album?

Memento Mori stieg in Deutschland auf Platz 1 ein, das zwölfte Nummer-eins-Album der Band hierzulande. Es war der stärkste Verkaufsstart eines internationalen Acts seit Voyage von ABBA. Auch die Kritiken fielen überwiegend sehr positiv aus.

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