Erasure - Chorus
Kurzfazit: Erasure auf dem Höhepunkt: zehn analog produzierte Songs ohne Ausfall
Chorus [Vinyl LP]
25,86 € Stand: 10.08.2026
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Zum Angebot bei Amazon →Es gibt Alben, bei denen man den Moment hört, in dem eine Band genau weiß, was sie tut. Chorus ist so ein Album. Erschienen am 14. Oktober 1991 bei Mute, produziert von Martyn Phillips, in Großbritannien der dritte Nummer-eins-Erfolg in Folge. Und bis heute für viele Hörer der Punkt, an dem Erasure alles richtig machten.
Worum geht es auf Chorus?
Chorus gehört zusammen mit I Say I Say I Say zu den absolut besten Erasure-Alben überhaupt und gesellt sich gleichzeitig zu den Meisterwerken synthetischer Popkultur. Allein schon das Bohrmaschinenintro des Titelsongs jagt einem einen ungeheuren Schauer den Rücken herunter. Außerdem ist dieser Song sehr poetisch:
„The sunlight rising over the horizon Just a distant memory the dawn chorus Birds singing bells ringing In our hearts in our minds…“
Einfach wunderbar.
Thematisch ist die Platte für Erasure-Verhältnisse recht nachdenklich geraten, was Songs wie „Joan“, „Am I Right?“ und „Home“ beweisen. Es geht um Zweifel, um Rückzug, um das Ankommen, und trotzdem bleibt die Platte insgesamt sehr verspielt.
Die Songs
- Chorus
- Waiting For The Day
- Joan
- Breath Of Life
- Am I Right?
- Love To Hate You
- Turns Love To Anger
- Siren Song
- Perfect Stranger
- Home
Man merkt Erasure wirklich an, dass sie bei diesem Album sehr viel Seele und Liebe zum Detail investiert haben. Auch die anderen Lieder auf Chorus können mit der Qualität des Titeltracks mithalten, es gibt nicht einen schwachen Song auf der Platte.
Love To Hate You
Der tanzbarste Moment des Albums und die zweite Single. Ein Discostück mit dem Zwinkern, das Erasure immer gut stand, und ein Refrain, der auf Anhieb sitzt.
Am I Right?
Für mich die schönste Ballade, die Erasure jemals geschrieben haben. Melancholisch, zurückgenommen, ohne den Kitsch, in den solche Stücke leicht kippen. Auch dieser Titel wurde als Single ausgekoppelt.
Joan
Hier lässt das Album amerikanische Einflüsse zu, hörbar am sehr urbanen Synthbass. „Joan“ ist einer der Songs, die zeigen, wie modern die Platte für damalige Verhältnisse klang.
Siren Song
Der märchenhafte Gegenpol. Zusammen mit „Love To Hate You“ und „Am I Right?“ macht dieser Titel deutlich, wie breit die Palette hier gefächert ist: Für jeden Geschmack ist etwas dabei.
Breath Of Life
Einzig „Breath Of Life“ lässt mit seiner Produktion noch so erahnen, dass wir uns gerade frisch von den 80ern verabschiedet haben. Als vierte Single hat das Stück dem Album trotzdem gutgetan.
Home
„Home“ bildet das perfekte Bindeglied zum darauffolgenden Album I Say I Say I Say, welches das einzige Album ist, das mit Chorus mithalten kann. Ein Schlusspunkt, der zugleich eine Tür aufmacht.
Warum klingt Chorus so geschlossen?
Ein großer Teil der Antwort liegt in der Produktionsentscheidung. Vince Clarke verzichtete bewusst auf MIDI, um Timing-Probleme zu umgehen, und arbeitete stattdessen überwiegend mit analogen Synthesizern und dem Roland MC-4, einem CV/Gate-Sequenzer. Digitale Synthesizer blieben außen vor. Diese Selbstbeschränkung schränkte die möglichen Akkordlagen ein, gab dem Album aber genau jene warme, dichte Klangfarbe, die es von den Vorgängern und von vielem anderen aus dem Jahr 1991 unterscheidet.
Man hört diese Entscheidung in jedem Ton. Nichts klingt hier nach Preset, alles nach Instrument.
Charts und Kritiken
Chorus erreichte in Großbritannien Platz 1 und war damit Erasures drittes Nummer-eins-Album in Folge. In den USA stieg es bis auf Platz 29 der Billboard 200, in Deutschland auf Platz 13, außerdem lief es unter anderem in Argentinien, Österreich und Irland sehr gut. Der Titelsong bescherte der Band den ersten Eintrag in den US-amerikanischen Hot 100 seit „Stop!“.
Die Kritik reagierte überwiegend zustimmend. Das NME vergab acht von zehn Punkten und beschrieb die Platte als hyperemotionalen, vielschichtigen Disco-Pop, der Melody Maker lobte die funkelnden Dreiminutenstücke des Duos und die Zeitlosigkeit des Albums.
Chorus im Werk von Erasure
Das Album steht an einer interessanten Stelle der Bandgeschichte. Erasure hatten die zweite Hälfte der 80er mit einer Reihe von Hitsingles und ausufernd inszenierten Tourneen bestritten und waren zu einem der erfolgreichsten britischen Popduos geworden. Chorus ist die Platte, mit der sie diesen Erfolg nicht wiederholen, sondern verdichten. Statt größer zu werden, wurde die Musik konzentrierter.
Was danach kam, unterstreicht das nur. Wenige Monate nach Chorus veröffentlichten Vince Clarke und Andy Bell die ABBA-EP Abba-Esque, die ihnen den einzigen Nummer-eins-Erfolg in den britischen Singlecharts einbrachte, und drei Jahre später mit I Say I Say I Say jenes Album, das als einziges an Chorus heranreicht. Dazwischen liegt die stärkste Phase, die diese Band hatte.
Das Cover
Noch eine Anmerkung zur Covergestaltung der Platte: Es ist in geheimnisvollem Schwarz gehalten und zeigt die Köpfe der Band, die von einer geheimnisvollen Aura umgeben sind. Es war übrigens das erste und einzige Mal, dass die beiden auf einem Cover auftauchten.
Für wen lohnt sich Chorus?
Wer Erasure kennenlernen will, sollte hier anfangen und nicht bei einer Hitzusammenstellung. Chorus ist als Album gebaut, es hat einen Anfang und ein Ende, und es hält die Spannung über zehn Titel. Wer Synthiepop der frühen 90er mag und wissen will, wie das Genre klingt, wenn es nicht auf Effekte, sondern auf Songs setzt, findet hier eine der besten Antworten.
Auch für Hörer, die Erasure bislang für eine reine Partyband hielten, lohnt der Versuch. Die nachdenklichen Stücke in der zweiten Hälfte korrigieren dieses Bild gründlich.
Fazit: Lohnt sich Chorus?
Mit Chorus waren Erasure auf der Höhe ihres Schaffens, so schöne Songs und Sounds haben sie als Gesamtkunstwerk nie wieder erschaffen. So stimmt es mich immer ein wenig wehmütig, wenn ich es höre, da ich die Gewissheit habe, dass es so schön wohl nie wieder sein wird. Klar gibt es auch heute noch den einen oder anderen guten Song, aber seien wir doch mal ehrlich: An die Stücke von Chorus kommt mit Ausnahme von I Say I Say I Say kein Album mehr heran. Chorus ist das perfekte Erasure-Album.
Häufig gestellte Fragen
Wann erschien das Album Chorus?
Chorus kam am 14. Oktober 1991 heraus, in Großbritannien und Deutschland bei Mute Records, in den USA bei Sire beziehungsweise Reprise. Produziert wurde es von Martyn Phillips.
Wie erfolgreich war Chorus?
In Großbritannien erreichte das Album Platz 1 und war damit Erasures dritter Nummer-eins-Erfolg in Folge. In den USA kam es auf Platz 29 der Billboard 200, in Deutschland auf Platz 13. Vier Titel wurden als Singles ausgekoppelt.
Warum klingt Chorus anders als die früheren Erasure-Alben?
Vince Clarke verzichtete bei der Produktion bewusst auf MIDI, um Timing-Probleme zu vermeiden, und arbeitete stattdessen überwiegend mit analogen Synthesizern und dem Roland MC-4 als Sequenzer. Digitale Synthesizer kamen nicht zum Einsatz. Das schränkte die möglichen Akkordlagen ein und gibt dem Album seinen geschlossenen, warmen Klang.
Welche Singles stammen von Chorus?
Ausgekoppelt wurden der Titelsong Chorus, außerdem Love To Hate You, Am I Right? und Breath Of Life. Der Titelsong brachte Erasure zudem den ersten Eintrag in den US-amerikanischen Hot 100 seit Stop ein.
Welches Erasure-Album sollte man nach Chorus hören?
I Say I Say I Say von 1994. Es ist das einzige Album, das qualitativ mit Chorus mithalten kann, und der Schlusstitel Home bildet bereits die Brücke dorthin.
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