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Powerwolf - Wake Up The Wicked

3,5 von 5 von michaelkrause2 · 2024-08-07 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Alter Wein in neuen Schläuchen?

Wake Up the Wicked
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Wake Up the Wicked

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Über die Band

Powerwolf sind ohne Übertreibung einer der Aufsteiger der letzten Jahre. Die Mischung aus Power Metal mit humorvollen, augenzwinkernden Texten um Werwölfe, Horror und religiöse Themen, lässt die Fangemeinde kontinuierlich ansteigen. Gegründet wurde Powerwolf im Jahr 2005 von Charles und Matthew Greywolf. Als Organist stieg Falk Maria Schlegel ein, augenblicklich komplettiert Drummer Roel van Helden das Line-Up.

Attila Dorn als Markenzeichen

Als wahrer Glücksgriff erwies sich der Einstieg des Sängers Attila Dorn, der eine klassische Gesangsausbildung besitzt und mit seiner unverwechselbaren Stimme zum Markenzeichen und Aushängeschild von Powerwolf wurde. Mit dem Album „Preachers of The Night“ erreichten sie erstmals Platz eins der deutschen Albumcharts.

Diese Stimme ist auch auf dem neuen Album der stärkste Aktivposten. Selbst dort, wo die Songs austauschbar wirken, hält Dorn den Laden zusammen.

Eckdaten zum Album

„Wake Up The Wicked“ erschien am 26. Juli 2024 über Napalm Records, produziert von Joost van den Broek. Die Standardfassung kommt auf elf Songs und rund 37 Minuten Spielzeit. Vorab ausgekoppelt wurden „1589“ im Mai und „Sinners Of The Seven Seas“ im Juni 2024.

Das Album im Überblick

Exakt sind drei Jahre vorbei, es ist Juli und die Band aus Saarbrücken legt mit „Wake Up The Wicked“ ihr neuntes Studioalbum vor. In den Zeiträumen zuvor haben Powerwolf ihren Status in der Metalszene weiter gefestigt. Von denen einen für ihren Kitsch und ihre Keyboards verhasst, von den anderen vergöttert zählen sie inzwischen zu den großen Playern in der Szene.

Die Erwartungshaltung

Allerdings machten sich bereits beim letzten Album „Call Of The Wild“ erste Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Daher war ich sehr gespannt, in welche Richtung es gehen würde, obgleich große Innovationen nicht zu erwarten sind. Sicher, der Werbetext verspricht ein Album, dass den „Ausnahmestatus der Band als führende Kraft in der Welt des Heavy Metal weiter ausbauen wird.“

Die Vorabsingle „1589“

Die im Vorfeld ausgekoppelte Single „1589“, die auf einer Geschichte aus dem 16. Jahrhundert basiert, konnte mich nicht aus den Socken hauen. Der Titel ist zwar typisch Powerwolf, aber auch nicht mehr. So stand zu befürchten, dass das Album nicht viel Neues bieten wird. Und genau so ist es.

Elf Songs in bekannter Machart

Elf neue Songs, die alle in die bewährte Kerbe schlagen. Damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich mag die Band und zähle keinesfalls zu den Hatern, immerhin habe ich auch Karten für das Konzert in Berlin, aber wirklich vom Hocker reißt mich das Album nicht. Es liefert die altbekannte Mischung aus druckvollem Powermetal mit satten Kirchenorgeln, Chören und viel Kitsch und Pathos.

Hängen bleiben nach dem ersten Durchgang jedoch nur „Wake Up The Wicked“ und „Thunderpriest“, die mir richtig gut gefallen. Der Rest fällt eher in die Rubrik „Alter Wein in neuen Schläuchen“. Songs wie „Kyrie Klitorem“ oder „Viva Vulgata“ zeigen den pubertierenden Humor und bei „Joan Of Arc“ und „We Don´t Wanna Be No Saints“ wird die Kitschgrenze sogar überschritten.

Trackliste

01 - Bless Me With The Blade

02 - Sinners Of The Seven Seas

03 - Kyrie Klitorem

04 - Heretic Hunters

05 - 1589

06 - Viva Vulgata

07 - Wake Up The Wicked

08 - Joan Of Arc

09 - Thunderpriest

10 - We Don´t Wanna Be No Saints

11 - Vargamor

Was funktioniert und was nicht

Die Stärken

Handwerklich gibt es nichts zu bemängeln. Die Produktion ist wuchtig, die Orgel sitzt genau da, wo Fans sie erwarten, und die Chöre tragen die Refrains. Mit rund 37 Minuten ist das Album zudem angenehm kompakt und zieht sich an keiner Stelle.

Die Schwächen

Das Problem ist nicht die Qualität, sondern die Vorhersehbarkeit. Wer die letzten drei Alben kennt, weiß nach zwanzig Sekunden, wohin jeder Song läuft. Die Titel, die aus dem Raster fallen wollen, tun das über Textwitze statt über Musik – und genau da wird es für manche Hörer peinlich statt komisch.

Warum funktioniert die Formel trotzdem?

Powerwolf haben in den vergangenen Jahren etwas geschafft, das im Metal selten ist: Sie sind zur Marke geworden. Werwölfe, Kirchenorgel, lateinische Titel, ein Sänger mit klassischer Ausbildung – das Paket ist so klar umrissen, dass es sofort erkennbar ist. Genau darin liegt die Stärke und zugleich das Problem dieses Albums. Eine Band, die ihr Publikum über Wiedererkennbarkeit gewonnen hat, kann sich Experimente kaum leisten, ohne den eigenen Markenkern zu verwässern.

Live ist das ohnehin die richtige Rechnung. Songs wie „Thunderpriest“ oder der Titeltrack sind auf Mitsingbarkeit gebaut, und in der Halle stellt niemand die Frage, ob der Refrain nicht doch an eine ältere Nummer erinnert. Auf Platte, im Kopfhörer, beim dritten Durchlauf, stellt man sie schon.

Wie ordnet sich das Album in die Diskografie ein?

Der Höhepunkt der Band liegt für viele Hörer bei „Blood Of The Saints“ und „Preachers Of The Night“, mit dem Powerwolf erstmals an die Spitze der deutschen Albumcharts kamen. Seitdem ist der kommerzielle Erfolg weiter gewachsen, die musikalische Entwicklung dagegen kaum. „Wake Up The Wicked“ ist der vorläufige Endpunkt dieser Linie: ein Album, das nichts falsch macht und wenig riskiert.

Für wen lohnt sich Wake Up The Wicked?

Für Neueinsteiger ist das Album ein brauchbarer Startpunkt, weil es die Formel der Band in konzentrierter Form vorführt. Für Fans, die live dabei sind und jeden Refrain mitsingen wollen, liefert es genug Material. Wer dagegen seit Jahren dabei ist und auf eine Weiterentwicklung wartet, bekommt sie hier nicht. Und wer Powerwolf bisher wegen Kitsch und Keyboards abgelehnt hat, wird durch dieses Album ganz sicher nicht bekehrt.

Fazit: Lohnt sich Wake Up The Wicked?

Obgleich das Album aus dem Stand Platz 1 der deutschen Charts erreichte ist es für mich das bisher schwächste Werk. Einfach, weil man das alles schon gehört hat und so gar nichts Neues oder Überraschendes dabei ist. Nur zwei Songs konnten mich beim ersten Hören flashen und auch bei weiteren Durchgängen ist da nicht viel passiert, außer ganz nett. Insgesamt tritt die Band auf der Stelle, was dem großen Erfolg aber nicht schädlich ist.

Unsere Bewertung

Musik: 3,5

Instrumentalisierung: 5

Stimme: 4,5

Abwechslung: 2,5

Hörspaß: 3

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Wake Up The Wicked erschienen?

Das Album kam am 26. Juli 2024 über Napalm Records heraus. Produziert hat es Joost van den Broek. Die Spielzeit der Standardfassung liegt bei rund 37 Minuten, verteilt auf elf Songs.

Welche Singles wurden vorab veröffentlicht?

Den Anfang machte „1589“ im Mai 2024, das auf einer Geschichte aus dem 16. Jahrhundert basiert. Im Juni folgte „Sinners Of The Seven Seas“. Beide Titel sind typisch für die Band, überraschen aber nicht.

Wie klingt das Album im Vergleich zu Call Of The Wild?

Sehr ähnlich. Schon beim Vorgänger „Call Of The Wild“ machten sich Abnutzungserscheinungen bemerkbar, und „Wake Up The Wicked“ setzt die bewährte Formel aus druckvollem Power Metal, Kirchenorgeln, Chören und viel Pathos ohne größere Kurskorrektur fort.

Welche Songs bleiben hängen?

Vor allem der Titelsong „Wake Up The Wicked“ und „Thunderpriest“. Der Rest fällt eher in die Rubrik Altbekanntes. Bei „Kyrie Klitorem“ und „Viva Vulgata“ dominiert der pubertierende Humor der Band, „Joan Of Arc“ und „We Don´t Wanna Be No Saints“ überschreiten die Kitschgrenze.

Für wen lohnt sich das Album?

Für eingefleischte Fans, die genau diese Mischung wollen, und für Neueinsteiger, die Powerwolf noch nicht kennen. Wer die Band seit Jahren hört und auf Weiterentwicklung hofft, wird eher enttäuscht: Das Album tritt auf der Stelle.

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