Kinder der Hoffnung von Marc Levy
Inhalt
Frankreich in den 1940er Jahren: Der Norden des Landes ist von den Nazis besetzt, und diese setzen alles daran, auch den Süden des Landes vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Brüder Raymond und Claude, beide noch keine 20 Jahre alt, können und wollen nicht länger dabei zusehen, wie die deutschen Besatzer in ihrem geliebten Frankreich Angst und Schrecken verbreiten und zu Tausenden Unschuldige foltern, terrorisieren und hinrichten. Gemeinsam schließen sie sich der Resistance an und fortan nennt Raymond sich Jeannot. In Toulouse kämpfen die beiden gemeinsam mit anderen Jugendlichen gegen die Nazis, sie liquidieren ranghohe Vertreter der Wehrmacht, sabotieren mit Bomben Bahnstrecken, die für den Waffentransport der Deutschen von Bedeutung sind und machen in der Bevölkerung Stimmung gegen die Deutschen.
Doch der Kampf, den Raymond und Claude führen, ist hart: Nicht nur der ständige Hunger nagt an ihnen, sondern auch die stetige Angst um die Kameraden und das eigene Leben macht ihnen zu schaffen. Und beinahe täglich müssen sie miterleben, wie gemeinsame Weggefährten ihren Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit mit dem Leben bezahlen müssen. Doch Raymond und Claude verlieren die Hoffnung nie aus den Augen, und sie sind fest davon überzeugt, dass ihr Kampf dafür sorgen wird, dass eines Tages „der Frühling wiederkommt“.
Ein berührender Roman über den Glauben an die Hoffnung und das Gute und ein beeindruckendes Plädoyer für die Freiheit
Der französische Autor Marc Levy ist inzwischen auch über die Grenzen seines Heimatlandes Frankreich hinaus bekannt, er gilt als einer der wichtigsten Schriftsteller des 21. Jahrhunderts. Seine vorherigen Romane wurden in viele verschiedene Sprachen übersetzt und verkauften sich meist millionenfach. „Kinder der Hoffnung“ wurde indes vorab oftmals als der persönlichste Roman Levys bezeichnet, und schön die ersten paar Seiten des Romans machen deutlich, dass diese Aussage zweifelsohne zutreffend ist.
In „Kinder der Hoffnung“ widmet sich Levy einem traurigen aber ungemein wichtigen Kapitel der jüngsten französischen Geschichte: Der Ära des Vichy-Regimes und der damit einhergehenden Besatzung durch die Nazis. Er schildert in dem Roman die Geschichte von Raymond und Claude, die mutig auf der Seite der Gerechtigkeit kämpfen und die sich dabei trotz zahlreicher Rückschläge und dem gewaltsamen Tod vieler liebgewonnener Mitstreiter nicht vom Kurs abbringen lassen. Er skizziert ein Bild des französischen Widerstands und bedient sich dabei einer überaus nüchternen Sprache, die gerade dadurch so gewaltig wirkt. Levy benötigt keine opulenten Bilder, um ein abschreckendes Bild vom Krieg und vom Nazi-Terror zu zeichnen, und der Leser kann das Geschehen zu jeder Zeit gut nachvollziehen, auch wenn es wohl allein aufgrund der Grausamkeit des Hintergrunds der Geschichte nahezu unmöglich sein dürfte, sich in die einzelnen Charaktere wirklich hineinzuversetzen.
Fazit
„Kinder der Hoffnung“ ist ein Roman, der trotz seines traurigen Hintergrunds ungemein viel Mut macht – ein wirklich gelungenes Werk!
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Tags: Droemer Knaur, Marc Levy Posted in Bücher, Geschichte, Politik, Romane | No Comments »
Der Puppengräber von Petra Hammesfahr
Inhalt
Der Roman „Der Puppengräber“ spielt im August 1995 in einem kleinen Dorf. Ben, der erwachsene Sohn von Trude Schlösser, hat den Verstand eines Zweijährigen. Seine Eltern lassen ihm die Freiheit, draußen nach Lust und Laune herumzustreifen. Ein Heim kommt für sie nicht in Frage. Der Junge ist gutmütig. Doch als im Dorf einige junge Mädchen plötzlich verschwinden, fällt der Verdacht auf ihn. Man braucht einen Schuldigen. Ben bringt immer wieder Teile mit nach Hause, die den verschwundenen Mädchen gehören. Seine Mutter lässt die Teile verschwinden. Aber die Eltern sind sich nicht sicher, ob Ben nicht doch der Täter war, zumal er eine Zeit lang Puppen mit dem Messer zerstörte. Sie haben nie die Sicherheit, dass er es nicht war, und das zehrt.
Verhängnisvoller Sturz
Der Roman, der in einem Monat spielt, bringt immer wieder Rückblicke auf früher, auf Bens erste Lebensjahre, auch auf die Nazizeit und rechnet mit dieser ab. Er schildert die Nöte und Probleme, die eine Familie mit einem schwachsinnigen Kind hat. Die Mutter, die während der Schwangerschaft mit ihm auf einer Treppe im Winter stürzte, macht dies für den Schwachsinn ihres Sohnes verantwortlich. Sie tut alles für ihn, um ihm ein einigermaßen normales Leben zu ermöglichen, und kommt dabei selber an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Als sie mitbekommt, dass Ben sich in ein hübsches Mädchen aus dem Dorf verliebt, kann sie zum ersten Mal nicht helfen.
Bens Vater hat nicht so viel Verständnis für den Sohn. So oft dieser Teile von vermissten Mädchen heimbringt, verprügelt er ihn. Als er Ben bei der Leiche des Täters findet, schlägt er ihn fast zu Tode, da er die Situation falsch einschätzt. Erst am Ende des Romans klären sich die Fälle auf. Als der Serienmörder Bens Schwester töten will, greift Ben ein und tötet den Mörder. Er kommt wegen der ihm vom Vater zugefügten Verletzungen eine Zeit lang ins Krankenhaus, dann in ein Heim. Aber seine Mutter holt ihn wieder heraus. Ein Leben im Heim will sie ihm ersparen, zumal es hier zum Alltag gehört, dass er am Bett festgebunden und mit Medikamenten ruhig gestellt wird.
Fazit
Leichte Kost ist der Roman nicht. Er thematisiert im Wesentlichen die Probleme eines geistig schwachen Menschen in der Familie und in der Gesellschaft. Der Roman sensibilisiert für diese Probleme und schildert sie in allen Details. Die Schlössers werden zwar von einigen Leuten im Ort unterstützt, aber nicht von der Mehrheit, und das gibt zu denken.
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Tags: Patra Hammesfahr, Rowohlt Posted in Bücher, Krimis, Romane | No Comments »
Drei Farben Grün: Über Irland, Schottland, Wales von Elsemarie Maletzke
Inhalt
Elsemarie Maletzke vereint in diesem Band eine Reihe von Reisereportagen aus Irland, Schottland und Wales. Neben Großbritannien (und seinen Gärten und Schriftstellerinnen) gehört ihre große Liebe den keltischen Ländern. Alle Essays sind mit viel Wärme und Verständnis für gewisse Eigenheiten und Eigentümlichkeiten geschrieben. Ob es sich dabei um eine ausgefallenen große Silvesterfete in Edinburgh handelt, um die irische und schottische Vergangenheit und den Blick Hollywoods darauf, eine Whiskey-Tour gesetzter Herren oder etwa um eine Walking & Talking-Tour ganz anderer Ausprägung.
Elsemarie Maletzke hat die Fähigkeit, Skurrilitäten zu entdecken – oder skurrile Exzentriker. Nie ist sie dabei verletzend, auch wenn sie sich einen kleinen Seitenhieb auf Mel Brooks Größe oder Prinz Charles Smalltalk nicht verkneifen kann. Der Leser grinst. In 18 kurzweiligen, amüsanten und kompetenten Reisefeuilletons schildert Elsemarie Maletzke Erlebnisse und Begegnungen. Ein Teil der Reportagen ist bereits 1996 in ihrem Band “Irish Times” beim Schöffling Verlag erschienen, ihrem Hausverlag, in dem auch ihre großen Biographien erschienen sind. Andere erscheinen hier erstmals in Buchform.
Eigentlich möchte man nach der Lektüre gleich den Koffer packen und den herrlichen Beschreibungen hinterherreisen. Auch als Geschenkbuch für alle, die ebenfalls am keltischen Virus erkrankt sind, eignet sich das Insel Taschenbuch sehr gut. Allein das Coverbild ist die Quintessenz der keltischen Einsamkeit, eingebettet in Grün und Meerblau. Ich liebe an Elsemarie Maletzkes Art zu schreiben ihre kurzen treffenden kleinen Seitenhiebe, nonchalant hingeworfene Bemerkungen, die punktgenau treffen. Ein Beispiel aus der Reportage über irischen Tanz: „Jeder Landstrich (tanzte) seinen eigenen Stiefel…bis die üblichen Spielverderber, Kirche und Staat, dazwischenfuhren, die Tänzer bei Tee und Limo in ihren Tanzdielen kasernierten und die Eintrittskarten besteuerten.“
Oder: Floors Castle, ein Schloss in Schottland ist ein Museum, denn jede Generation der herzoglichen Familie hat gesammelt und die schiere Zahl der Schätze vermehrt. Elsemarie Maletzke kommentiert die Gründe der Sammelleidenschaft: „Aus Passion, Kennerschaft oder abgrundtiefer Langeweile?“ und die besonders eifrig aber ohne Kennerschaft sammelnde „Herzogin May kannte offenbar keine Schmerzgrenze“. Zwei Sätze, und Familie und Sammlung sind ausreichend kategorisiert. Aber manchmal ist die Autorin auch ungemein poetisch: „Waliser Regen besorgt das große Wolkentheater, die schiefergrauen Vorhänge, die übers Blau schleifen…“ Auch das ist ungemein treffend.
Elsemarie Maletzke wurde 1947 in Oberhessen geboren und studierte in Frankfurt. Sie stand der Studentenbewegung nahe, war Mitglied im Weiberrat und Freundin von Waechterm Traxler, Pit Knorr und anderen. Sie arbeitete als Journalistin, u.a. für das Satiremagazin Pardon, für Titanic, Pflasterstrand, aber auch für die Zeit, die Frankfurter Rundschau und Brigitte. 1974 ging sie als Deutschlehrerin nach Dublin. Seit dieser Zeit gehört ihre Liebe Großbritannien und Irland. Bekannt wurde sie in erster Linie jedoch nicht wegen ihrer Reisereportagen, sondern wegen ihrer großartigen Biographien von Jane Eyre, Elisabeth Bowen, George Elliot und den Bronte-Schwestern. In Eckhardt Henscheids Romantrilogie des laufenden Schwachsinns wurde sie selbst zur Romanfigur. Elsemarie Maletzke lebt als Journalistin und freie Autorin in Frankfurt am Main.
Fazit
Laut Klappentext „Reiseliteratur at its best“. Das stimmt und dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
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Tags: Elsemarie Maletzke, Insel-Verlag Posted in Bücher, Geschichte, Kultur, Kunst, Natur, Reise | No Comments »
Mit Kompass und Korsett – Reisende Entdeckerinnen von Bärbel Arenz
Inhalt
Nicht nur den Herren waren die unbekannten „weißen Flecken“ der Welt viele Reisen wert, auch mutige Frauen haben sich auf ungekannte Wege gemacht um Neues zu entdecken. Mit Kompass und Korsett begeben sich die reisenden Entdeckerinnen, manchmal eher unfreiwillig, oft aber aus Neugierde auf das Reisen in die Fremde, um ihren Horizont zu erweitern oder aufopferungsvoll anderen zu helfen. Von diesen Entdeckerinnen berichtet „Mit Kompass und Korsett – Reisende Entdeckerinnen“ von Bärbel Arenz. Die geschilderten Lebensläufe sind gleichzeitig eine Zeitreise von 1754 bis 1969, also 215 Jahre, in denen sich die Französische Revolution, die Industrielle Revolution, die Erforschung Afrikas und Kolonialisierung, zwei Weltkriege und sogar die erste Mondlandung ereigneten.
Sechzehn mutige Frauen begeben sich auf Reisen. Nicht nur Forscherinnen sondern auch eine Opernsängerin, eine Lehrerin, eine Krankenschwester sowie Schriftstellerinnen und reiche Erbinnen entdecken die Welt, hauptsächlich zu Fuß und mit Karawanen, später auch per Zug. Sie sind stets aus gutem Hause und gebildet, aber häufig reichen die finanziellen Mittel gerade so aus, um wieder zurückkehren zu können. Oft werden die Berichte, Vorträge und Bücher zu Bestsellern, so dass die nächsten Vorhaben wieder finanziert werden können.
Die Engländerin Amelie Edwards reist 1874 nach Ägypten und nachdem 1869 der Suez-Kanal eröffnet wurde, besuchen zahlreiche Touristen das Land der Pyramiden und auch Amelie Edwards kommt um einen Kamelritt nicht herum. Ihr Reisebericht wird ein Bestseller und sie hat während ihrer Reise ihre Leidenschaft für Ägyptens Altertümer entdeckt. Sie mietet für ein halbes Jahr eine Dahabeya (großes ägyptisches Segelboot mit Kabinen) und genießt das Leben an Bord auf dem Nil und am Nassersee, wobei sie sich am liebsten in Abu Simbel aufhält, das damals noch an seinem ursprünglichen Platz steht. 1882 gründet sie mit anderen den „Egypt Exploration Fund“ zur Erhaltung der Denkmäler und Förderung professioneller Grabungen und widmet sich nun vollends der Forschung.
„Australiens Eingeborene können allen Unbilden der Natur widerstehen, den schlimmsten Dürreperioden wie auch reißenden Überschwemmungen…, aber der Zivilisation können sie nicht standhalten.“, so schreibt Daisy Bates (ca. 1859 – 1951), die irische Forschungsreisende, die 1884 im Rahmen des australische Besiedlungsprogramms zum ersten Mal ins Outback reist. Zwei Ehen und ein Kind können sie nicht davon abhalten, „das fremde, verborgene Leben dieser letzten Menschen, die wie in der Steinzeit leben“, zu erforschen. Und so lernt sie die Sprache der Aborigines und setzt sich, teilweise erfolgreich, für die Angelegenheiten der australischen Ureinwohner ein. Sie schreibt Berichte, dokumentiert Sitten und Bräuche. 1912 übergibt sie der australischen Regierung ihre umfangreichen Aufzeichnungen, die aber erst 1985 (!) veröffentlicht werden. Daisy Bates wurde 91 Jahre alt und lebte bis 1942 in der australischen Wildnis bei Ooldea.
Oft sind es persönliche Schicksalsschläge, die die Damen veranlassen, ihr Leben zu ändern. Mal stirbt der Liebste, mal ist es die unerfüllte Liebe, der falsche Partner oder das fehlende Geld für die Offizierskaution ihre Bräutigams, wie bei der Schweizer Lehrerin Lina Bögli (1858 – 1941), die sich selbst als eine Art Verbannung 10 Jahre auf Reisen begibt und so fast die ganze Welt kennenlernt. Dieses aufwändig gestaltete Buch besticht schon durch seine Aufmachung. Der farbige Schutzumschlag mit einem indischen Elefanten, einer Kokospalme und einem Ausschnitt einer antiken Karte lädt zum weiteren Entdecken ein. Die sechzehn Frauen werden von Bärbel Arenz und Gisela Lipsky ausführlich vorgestellt. Ergänzend zu ihren aufregenden und unterschiedlichsten Lebensläufen werden passende Passagen der Reiseberichte eingefügt. Jede Seite ist mit einen Kartenausschnitt und einem hübschen Dekor versehen. Die Literaturliste umfasst die herausgegebenen Bücher der Entdeckerinnen.
Fazit
Alles in allem liest sich das Buch sehr gut, leicht und verständlich. Der interessierte Leser kann sich so in die verschiedenen Situationen der Reisenden hineinversetzen. Die Herausgeberinnen haben sich bemüht auch weniger bekannte Forschungsreisende zu porträtieren und so kommen auch eine Niederländerin, eine Österreicherin und eine Französin zu Wort. Beschrieben werden neben den bereits erwähnten Weltreisen, Ägypten und Australien, auch Italien, Tibet, Sibirien, Neuseeland, Hawaii, der Wilde Westen der Rocky Mountains, Kenya in Ostafrika, Gabun in Westafrika und der Orient in Syrien, Persien, Libanon sowie der Maghreb (Libyen, Algerien) in Nordafrika. Das empfehlenswerte Buch weckt die Lust, fremde Länder auf den Spuren der Forscherinnen die Welt zu entdecken. Gisela Lipsky hat den Reiseroman „Schlaraffenträume“ und den Stadtführer „Jede Menge Leben“ veröffentlicht und Bärbel Arenz interessiert sich für Geschichte und studierte Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.
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Tags: ars vivendi, Bärbel Arenz Posted in Bildbände, Bücher, Fachbücher, Freizeit, Geschichte, Kultur, Kunst, Natur, Reise | No Comments »
Fleckenteufel von Heinz Strunk
Inhalt
Thorsten Bruhns ist 16 Jahre alt und hat vor allem mit zwei Problemen zu kämpfen: Einem ständigen Samenstau, wie er wohl bei Jungen in diesem Alter häufig vorkommt und einem Problem, welches wohl weniger verbreitet sein dürfte: Thorsten leidet unter ständigem Durchfall und macht sich deshalb große Sorgen um seine Verdauung und seinen Darm. In „Fleckenteufel“ verschlägt es diesen Thorsten Bruhn gemeinsam mit einigen anderen Jugendlichen und Ehepaaren im zumeist fortgeschrittenen Alter nach Scharbeutz, ein Provinznest im Norden Deutschlands, wo die bunt gemischte Reisegruppe einer christlichen Gemeindefreizeit beiwohnt.
Auf dieser Gemeindefreizeit geht es allerdings nicht besonders christlich zu, und neben den ständigen Beschreibungen seiner Verdauungs- und Sexualitätsprobleme finden sich in „Fleckenteufel“ vor allem Anspielungen auf die Eigenheiten der Freizeitteilnehmer und der Ich-Erzähler in Gestalt von Thorsten nimmt auch bei der Porträtierung der anderen Freizeitteilnehmer kein Blatt vor den Mund. Von einem „Blockwart von eigenen Gnaden“ ist da die Rede, und ein merkwürdiger Junge, der ständig mit viel zu viel Salz sein Essen „würzt“ bzw. eigentlich schon verdirbt, wird von Thorsten als jemand charakterisiert, der es nicht nur bei der Freizeit, sondern auch sonst im Leben „noch ganz schwer“ haben wird.
Eine Parodie auf „Feuchtgebiete“ und eine Abrechnung mit der „neuen Körperlichkeit“ – ein Fäkalroman der gehobenen Klasse
Mit seinen beiden Romanen „Fleisch ist mein Gemüse“ und „Die Zunge Europas“ wurde Heinz Strunk deutschlandweit bekannt, „Fleisch ist mein Gemüse“ wurde indes auch bereits verfilmt. „Fleckenteufel“ ist nun der dritte Roman von Heinz Strunk, der in relativ kurzem Zeitabstand zu den beiden Vorgängerromanen veröffentlicht wurde. Dass dies jedoch wohl weniger auf die „Schreibwut“ Strunks als vielmehr auf die sorgfältigen Verkaufsüberlegungen des Verlags zurückzuführen sein dürfte, wird relativ schnell klar.
So erinnert bereits das Cover von „Fleckenteufel“ sehr an Charlotte Roches vieldiskutierten Roman „Feuchtgebiete“, und spätestens beim Lesen des Klappentexts von „Fleckenteufel“ wird dann auch deutlich, dass es sich bei diesem Roman in erster Linie um eine Parodie bzw. um eine Satire auf „Feuchtgebiete“ handelt, insofern lässt sich Strunks neuestes Werk wohl in gewisser Weise auch als rücksichtslose Abrechnung mit der im Zusammenhang mit „Feuchtgebiete“ oft genannten „neuen Körperlichkeit“ begreifen. „Fleckenteufel“ ist indes wahrlich nichts für Zartbesaitete, denn was Strunk dort mitunter seitenweise beschreibt und „seziert“, überschreitet nicht selten die Grenze des „guten Geschmacks“, jedoch sind die Gedanken und Beschreibungen des Ich-Erzählers Thorsten immer amüsant zu lesen, wenn man bei der Lektüre eines Romans keinen allzu großen Wert auf Anspruch oder die „guten Sitten“ legt.
Fazit
„Fleckenteufel“ ist sicher kein Werk, welches als „Klassiker der Weltliteratur“ in die Geschichte eingehen wird. Allerdings ist dies aber auch gar nicht der Anspruch des Werks, denn der Roman ist eine Erzählung, die absolut in das aktuelle Zeitgeschehen passt, doch in einigen Jahren wird man über diesen Roman wohl kaum noch reden, was jedoch in gleichem Maße sicher auch auf „Feuchtgebiete“ zutrifft. „Fleckenteufel“ ist somit ein kurzweiliges Lesevergnügen, was sich allerdings nur für solche Leser eignet, die mit derber Sprache und teilweise durchaus ekelhaften Passagen keine Probleme haben.
Autorwertung | Lesbarkeit | |
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Tags: Heinz Strunk, Rowohlt Posted in Bücher, Komödie, Romane | No Comments »
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