David Bowie - Low
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David Bowie - Low ist Bowies elftes Studioalbum und erschien am 14. Januar 1977 bei RCA Records; die Rezension vom 22. August 2011 vergibt 5 von 5 Punkten. Das Album stellt kurze Elektro-Popstücke neben lange Instrumentalstücke und gehört mit den anderen Alben der Berlin-Trilogie zu den besten Bowie-Alben.
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Low ist das Album, mit dem David Bowie 1977 seine eigene Erfolgsformel zerschlägt. Statt Refrains gibt es Fragmente, statt Bandsound elektronische Texturen, statt Botschaften Stimmungen. Die erste Hälfte besteht aus kurzen, ruppigen Elektro-Popstücken mit oft nur wenigen Textzeilen, die zweite aus langen Instrumentalstücken, die klingen wie Klangbilder einer fremden, kalten Stadt. Wer verstehen will, woher der Sound der Achtziger kommt, kommt an dieser Platte nicht vorbei.
Bei Low handelt es sich um das erste Album der sogenannten Berlin Trilogy, die in Zusammenarbeit mit der Roxy-Music-Legende und dem Soundtüftler Brian Eno entstand. Aufgenommen wurde das Album im Jahre 1976 zum Teil in den berühmten Berliner Hansa Studios, als David Bowie für ein paar Jahre in dieser Stadt wohnte.
Erscheinungsdatum, Studios und Beteiligte
Low erschien am 14. Januar 1977 bei RCA Records und ist Bowies elftes Studioalbum. Die Aufnahmen fanden im September und Oktober 1976 statt, zunächst im Château d Hérouville in Frankreich, danach in den Hansa Studios in West-Berlin. Produziert haben Bowie und Tony Visconti. Brian Eno wird oft als Koproduzent genannt, tatsächlich war er vor allem für Synthesizerklänge und konzeptionelle Impulse zuständig.
Die Plattenfirma reagierte zunächst alles andere als begeistert auf das fertige Werk. Am Ende erreichte Low trotzdem Platz 2 der britischen Charts und Platz 11 in den USA. Die Single Sound And Vision wurde in Großbritannien ein Top-Five-Erfolg, die zweite Auskopplung Be My Wife platzierte sich dagegen überhaupt nicht.
Der Trick mit dem Harmonizer
Ein guter Teil des Wiedererkennungswerts von Low steckt im Schlagzeugklang. Tony Visconti bearbeitete Dennis Davis Trommeln mit einem Eventide-Harmonizer, was den charakteristischen, wie eingesackt klingenden Ton erzeugte. Auf die Frage, was das Gerät eigentlich tue, antwortete Visconti sinngemäß, es verbiege das Gefüge der Zeit. Dieser Sound wurde in den folgenden Jahren unzählige Male nachgebaut.
Die Titelliste
- Speed Of Life
- Breaking Glass
- What In The World
- Sound And Vision
- Always Crashing In The Same Car
- Be My Wife
- A New Career In A New Town
- Warszawa
- Art Decade
- Weeping Wall
- Subterraneans
Der Klang von Low
Der Grundstil des Albums ist ein sehr elektronischer, hier ist ganz eindeutig die Handschrift Brian Enos zu erkennen, der ja neben seiner Arbeit mit Roxy Music auch gerade für seine elektronische Ambientmusik bekannt geworden ist. So klingt das Album für damalige Verhältnisse sehr futuristisch und nimmt die musikalischen Stilmittel der später als New Wave benannten Bewegung vorweg. Hier hat Bowie mal wieder sein Gespür für innovative Klangexperimente bewiesen.
Wichtige Impulse kamen dabei aus Deutschland. Bowie hörte in dieser Phase intensiv Kraftwerk und Neu!, und die repetitiven, maschinellen Strukturen dieser Musik prägen die ganze Platte.
Die erste Albumhälfte
Der Titel des Albums spielt auf die desolate und fast schon depressive Grundstimmung von David Bowies Charakter zu der Zeit an, was sich hier auch so stark wie nie auf die Stücke selbst auswirkt. Neben recht unterhaltsamen Stücken wie „Breaking Glass” und dem Trademarksong „Sound And Vision” fällt auf, wie kurz und abgehackt viele Songs sind. „Speed Of Life” eröffnet das Album ohne jeden Gesang, „Breaking Glass” ist nach kaum zwei Minuten vorbei, „Always Crashing In The Same Car” schildert in wenigen Zeilen das Gefühl, immer wieder denselben Fehler zu machen. „Be My Wife” klingt wie ein Liebeslied, dem jede Wärme abhandengekommen ist.
Die zweite Albumhälfte
Es ist vor allem die zweite Albumhälfte, die um einiges düsterer daherkommt. Es ist fast so, als würde man sich auf die Rückseite des Mondes begeben, alles erscheint sehr unwirtlich und ohne Hoffnungsschimmer, als wäre man in völliger Isolation gefangen. Diese Stimmung wird auch dadurch verstärkt, dass die zweite Hälfte des Albums im Grunde nur aus Instrumentalstücken besteht, die eine immense Sogwirkung besitzen und recht desolate Bilder im Kopf erzeugen.
Ein Teil dieses Materials hat eine eigene Vorgeschichte: Bowie hatte Musik für den Film The Man Who Fell to Earth geschrieben, in dem er selbst die Hauptrolle spielte. Als der Regisseur sich für andere Komponisten entschied, zog Bowie seine Arbeit zurück und ließ sie in Low einfließen.
Warszawa
„Warszawa” ist mit Abstand wohl das ungewöhnlichste Stück auf dem Album. Es baut sich nur sehr langsam auf, nimmt aber in puncto Intensität immer weiter zu. Düstere Ambientpassagen transportieren wirklich das Bild eines sehr bedrückenden Warschaus der damaligen Zeit. Besonders herauszustellen sind die geheimnisvollen Worte, die Bowie in dem Stück singt und die einer Kunstsprache entnommen sind, wodurch sie sehr surreal wirken.
Art Decade, Weeping Wall und Subterraneans
„Art Decade” und „Weeping Wall” arbeiten mit repetitiven Mustern, die eher kreisen als sich entwickeln. „Subterraneans” schließt das Album mit einem Saxophonmotiv ab, das aus großer Entfernung zu kommen scheint, und bezieht sich auf jene Menschen, die im Ostteil der Stadt zurückgeblieben waren.
Das Cover und der Titel
Das Coverfoto zeigt Bowie im Profil, aufgenommen als Thomas Jerome Newton, der Figur, die er in The Man Who Fell to Earth spielte. Zusammen mit dem Albumtitel ergibt das ein Wortspiel: low profile. Bowie hat sich später darüber geäußert, wie enttäuscht er war, dass praktisch niemand den Scherz bemerkte.
Nachwirkung
Low wurde bei Erscheinen kontrovers aufgenommen und gilt heute als Meilenstein. Post-Punk, New Wave und Post-Rock haben sich reichlich daraus bedient. Der Komponist Philip Glass verarbeitete das Album 1992 zu einer Sinfonie und holte es damit auch in den Konzertsaal.
Für wen lohnt sich Low?
Wer Bowie bislang nur als Hitlieferanten kennt, bekommt hier den größten Kontrast dazu. Für Hörer von elektronischer Musik, Ambient und Krautrock ist Low ohnehin Pflichtprogramm. Wer sich dagegen an Songs mit klarem Aufbau festhalten möchte, sollte wissen, dass die halbe Platte ohne Gesang auskommt und die andere Hälfte aus Bruchstücken besteht. Wer Bowies Hits lieber chronologisch hören will, greift zur Best-Of mit zwei CDs von Space Oddity bis Heathen.
Fazit: Lohnt sich Low?
Low ist der erste Teil der sogenannten Berlin- oder Eno-Trilogie. Vom Grundthema her begegnen uns auf der ersten Albumhälfte recht eingängige Electro-Rock-Stücke wie „Breaking Glass” und das berühmte „Sound And Vision”, bis uns die zweite Albumhälfte mit düsteren Instrumentalklängen in eine andere Welt entführt, die die damalige bedrückende Stimmung des geteilten Berlins und des Ostblocks im Allgemeinen sehr gut widerspiegelt. Low gehört zusammen mit den anderen beiden Alben der Trilogie zu den besten Bowie-Alben überhaupt. Den Mittelteil der Berlin-Trilogie bildet Heroes von David Bowie aus dem Jahr 1977.
Häufig gestellte Fragen
Wann und wo wurde Low aufgenommen?
Das Album Low von David Bowie erschien am 14. Januar 1977 bei RCA Records und ist sein elftes Studioalbum. Aufgenommen wurde es im September und Oktober 1976 im Château d Hérouville in Frankreich und in den Hansa Studios in West-Berlin; produziert haben Bowie und Tony Visconti, Brian Eno steuerte Synthesizerklänge und konzeptionelle Impulse bei.
Warum heißt das Album Low?
Der Titel von David Bowies Album Low spielt auf die desolate, fast depressive Grundstimmung Bowies zu dieser Zeit an. Zugleich ergibt er mit dem Cover, das Bowie im Profil zeigt, das Wortspiel low profile, und Bowie war später enttäuscht, dass kaum jemand den Scherz bemerkte.
Warum ist die zweite Albumhälfte instrumental?
Die zweite Albumhälfte von David Bowies Low besteht im Grunde nur aus Instrumentalstücken. Ein Teil davon geht auf Musik für den Film The Man Who Fell to Earth zurück: Als sich der Regisseur für andere Komponisten entschied, zog Bowie seine Arbeit zurück und ließ sie in Low einfließen.
Welche Singles gab es von Low?
Von David Bowies Low wurden Sound And Vision und Be My Wife ausgekoppelt. Sound And Vision wurde in Großbritannien ein Top-Five-Erfolg, Be My Wife platzierte sich nicht, und das Album erreichte Platz 2 der britischen Charts und Platz 11 in den USA.
Welchen Einfluss hatte Low auf spätere Musik?
Low von David Bowie wurde bei Erscheinen kontrovers aufgenommen und gilt heute als Meilenstein. Post-Punk, New Wave und Post-Rock haben sich laut Rezension daraus bedient, Philip Glass verarbeitete das Album 1992 zu einer Sinfonie, und der Harmonizer-Schlagzeugklang von Tony Visconti wurde unzählige Male nachgebaut.
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