Gary Numan - Berserker
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Gary Numan - Berserker ist das Album, das im November 1984 als erste Veröffentlichung auf Numans eigenem Label Numa Records erschien. Die Rezension vom 13. Juli 2011 vergibt 4,5 von 5, lobt den futuristischen Sound mit PPG Wave und Sampling und sieht keinen einzigen Ausfall. Als einzigen ernsthaften Einwand nennt sie die Backgroundstimmen.
Berserker.
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Berserker erschien im November 1984 und war die erste Platte, die Gary Numan auf seinem eigenen Label Numa Records veröffentlichte. Nach den drei Alben davor, die sich in ihrer Instrumentierung noch weitgehend ähnelten, begann hier der Blick in die Zukunft elektronischer Musik. Numan ließ es sich nicht nehmen und wählte für den Sound die damals neueste Synthesizer-Technik, unter anderem den PPG Wave, den er zusammen mit dem sogenannten Wave Team programmierte. Im Ergebnis kommt der Klang um einiges kraftvoller zur Geltung. Vor allem die Basspassagen sind unsagbar kraftvoll und hauen einen schon fast um.
Auch optisch hat sich einiges getan. Gary Numan erscheint mit blau gefärbten Haaren und schneeweiß geschminktem Gesicht, bekleidet in weißem Leder, ein futuristischer „Berserker“ eben. Das Bild war so eigen, dass es bis heute mit dieser Werkphase verbunden bleibt.
Der Sound: was Berserker technisch verändert
Digitale Klangerzeugung statt analoger Wärme
Der PPG Wave gehörte 1984 zur teuersten und modernsten Ausrüstung, die ein Musiker kaufen konnte. Numan nutzte ihn nicht als Effekt, sondern als Fundament. Dazu kommt reichlich Sampling, das die Rhythmusspuren härter und metallischer macht. Wer die Vorgängeralben unmittelbar davor hört, erlebt keinen Schritt, sondern einen Quantensprung in der Produktionsqualität.
Backgroundgesang statt Alleingang
Eine weitere große Neuerung ist, dass seine Stimme in den Songs von Backgroundsängerinnen begleitet wird. Die Backing Vocals stammen von Tessa Niles und Tracey Ackerman. Angeblich hatte Numan kein Vertrauen mehr in die eigene Stimme und entschied sich deshalb für weibliche Unterstützung, was dem Sound auf Berserker insgesamt einen gewissen Popappeal verleiht. Wie düster dieses Werk ohne die weiblichen Vocals ausgefallen wäre, lässt sich nur erahnen. Mir als bekennendem Numan-Fan schmälert es den Hörgenuss aber nicht.
Die Songs im Einzelnen
Das Album ist durchweg stark, es gibt wirklich nicht einen einzigen Ausfall zu beklagen. Auch ist es schwer, einzelne Lieder hervorzuheben, weil die Qualität der Tracks durchgehend sehr hoch ist.
A Child With The Ghost
Das Stück schrieb Numan für seinen verstorbenen Freund und früheren Bandkollegen Paul Gardiner, der im Februar 1984 an einer Heroinüberdosis starb. Es ist der emotionale Tiefpunkt des Albums im besten Sinn: zurückgenommen, ohne jede Pose und deutlich hörbar persönlich gemeint.
Empty Bed, Empty Heart
Gemeinsam mit „A Child With The Ghost“ gehört dieses Stück zu den schönsten Balladen, die Numan jemals aufgenommen hat. Beide Songs zeigen, dass die neue Technik nicht nur für Härte taugt, sondern auch für Zwischentöne.
Die Titelsingle
„Berserker“ selbst wurde im Oktober 1984 als Single ausgekoppelt und erreichte Platz 32 der britischen Charts. Der Song bündelt alles, was das Album ausmacht: harter Beat, weit nach vorn gemischter Bass, kalte Flächen und die tragenden Frauenstimmen.
Berserker im Kontext von 1984
Kommerziell war das Album kein Selbstläufer. Es erreichte Platz 45 der britischen Albumcharts und blieb damit unter allem, was Numan bis dahin erreicht hatte. Das sagt allerdings mehr über die Marktlage und den Wechsel auf ein eigenes Label aus als über die Musik. Numan hatte sich mit Numa Records von den Zwängen einer großen Firma befreit und konnte machen, was er wollte. Genau das hört man dem Album an. Die Numa-Jahre deckt auch das Drei-CD-Set Disconnection mit futuristischen Achtzigern und einem Live-Querschnitt ab.
Wie Berserker heute klingt
Digitale Klangerzeugung altert normalerweise schlechter als analoge, weil man ihr das Baujahr anhört. Bei Berserker ist genau das der Reiz. Die Platte klingt unverkennbar nach 1984, aber sie klingt nach dem technisch fortgeschrittensten Teil dieses Jahres. Wer sich für die Entwicklungslinie interessiert, die von der frühen Synthiepop-Welle zu härterer, maschineller Musik führt, findet hier ein wichtiges Zwischenglied. Numan gilt in dieser Rolle bis heute als Bezugspunkt für elektronische und industriell geprägte Acts, und Berserker ist eines der Alben, an denen sich das gut nachvollziehen lässt. Einen Live-Eindruck aus der Zeit danach gibt der Mitschnitt vom Hammersmith Odeon 1987 mit rauem New Wave.
Die Neuauflagen und ihre Bonustracks
Wie bei seinen Re-Editions üblich, finden sich auch auf Berserker wieder schmucke Bonussongs. Überhaupt gehört Numan wohl zu den Künstlern, bei denen die B-Seiten fast schon besser sind als die jeweiligen Singles. Wer die Wahl zwischen einer schlanken Originalpressung und einer erweiterten Ausgabe hat, greift deshalb sinnvollerweise zur erweiterten Fassung.
Für wen lohnt sich Berserker?
Für Hörer, die Numan bereits über „Cars“ oder „Are Friends Electric?“ kennen und wissen wollen, wohin sich der Künstler in der Mitte der Achtziger entwickelt hat, ist Berserker Pflichtprogramm. Für Einsteiger ist es der schwierigere Weg, weil der Popanteil hier höher liegt als bei den frühen Klassikern. New-Wave-Hörer, die sich für Produktionstechnik interessieren, bekommen mit dieser Platte ein Lehrstück über den Wechsel von analog zu digital.
Wer dagegen den kalten, karg instrumentierten Numan der Replicas-Zeit sucht, wird die Backgroundstimmen als Fremdkörper empfinden. Das ist der einzige ernsthafte Einwand, den man gegen das Album vorbringen kann.
Für Sammler kommt ein praktischer Punkt dazu: Berserker existiert in mehreren Ausgaben, von der schlichten Originalpressung bis zu erweiterten CD-Fassungen mit Zusatzmaterial. Wer die Platte wegen der Musik kauft, fährt mit einer erweiterten Ausgabe besser. Wer die Optik dieser Werkphase mag, greift zur LP, weil das Coverbild in Originalgröße ungleich stärker wirkt als auf einem CD-Booklet.
Fazit: Lohnt sich Berserker?
Mit Berserker ist Gary Numan ein sehr modernes, futuristisches Album gelungen. Durch die State-of-the-Art-Technik hat man es hier mit einem Meilenstein der 80er zu tun, der produktionstechnisch vielleicht nur noch mit den Werken Trevor Horns zu vergleichen ist. Obwohl sich dieses Album von allen vorhergehenden Werken Numans unterscheidet, ist es immer noch 100 Prozent Numan. Interessant ist auch, wie man anhand des Albums die technische Entwicklung der Synthesizertechnologie studieren kann, denn im Vergleich zu den Vorgängeralben fand hier ein wahrer Quantensprung statt. In dieses Album sollte jeder interessierte New-Wave-Fan einmal reinhören.
Die Tracklist von Berserker
- Berserker
- This Is New Love
- The Secret
- My Dying Machine
- Cold Warning
- Pump It Up
- The God Film
- A Child With The Ghost
- The Hunter
- Empty Bed, Empty Heart
- Here Am I
- She Cries
- Rumour
- This Ship Comes Apart
Häufig gestellte Fragen
Wann ist Gary Numans Berserker erschienen?
Gary Numans Berserker erschien im November 1984 und war die erste Veröffentlichung auf seinem eigenen Label Numa Records. Das Album erreichte Platz 45 der britischen Albumcharts, die Titelsingle kam im Oktober 1984 auf Platz 32.
Warum klingt Berserker so anders als die Alben davor?
Gary Numans Berserker klingt anders, weil Numan die damals neueste Synthesizer-Technik einsetzte, allen voran den PPG Wave, dazu viel Sampling und weibliche Backgroundstimmen. Die Rezension beschreibt den Klang als deutlich kraftvoller, mit härteren Rhythmusspuren, stärkerem Bass und mehr Popappeal.
Für wen hat Gary Numan A Child With The Ghost geschrieben?
Gary Numan schrieb A Child With The Ghost für seinen verstorbenen Freund und früheren Bandkollegen Paul Gardiner, der im Februar 1984 an einer Heroinüberdosis starb. Zusammen mit Empty Bed, Empty Heart zählt das Stück laut Rezension zu den schönsten Balladen, die Numan aufgenommen hat.
Wer singt die Backgroundstimmen auf Berserker?
Die Backing Vocals auf Gary Numans Berserker singen Tessa Niles und Tracey Ackerman. Die Rezension nennt als Grund, Numan habe angeblich kein Vertrauen mehr in die eigene Stimme gehabt; wer den kalten, karg instrumentierten Numan der Replicas-Zeit sucht, empfindet die Stimmen als Fremdkörper.
Lohnt sich Berserker für Einsteiger?
Für Einsteiger ist Gary Numans Berserker der schwierigere Weg, weil der Popanteil höher liegt als bei den frühen Klassikern. Wer Numan schon über Cars oder Are Friends Electric? kennt und die Entwicklung der Mitte der Achtziger verfolgen will, findet hier laut Rezension ein wichtiges Zwischenglied.
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