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Gary Numan - Dance

4 von 5 Alle Rezensionen zu Gary Numan Redaktion · 2011-07-12 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Schwerer, ambienter Stilbruch von 1981 mit ein paar echten Songkrachern.

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Worum geht es auf Dance?

Trotz des Erfolges des Vorgängeralbums Telekon war Gary Numan vom Stressalltag eines Popstars gezeichnet und spielte mit dem Gedanken, sich eine Auszeit zu genehmigen. Nach einer großangelegten Abschiedstournee, den legendären Farewell Tours im Wembley-Rund, sah es kurzzeitig wirklich so aus, als würde Gary erst einmal einen Gang herunterschalten und sich Zeit für sich selbst nehmen, bevor ein neues Album aufgenommen würde. Doch weit gefehlt. Bereits ein Jahr später, 1981, veröffentlichte er Dance.

Musikalisch ist das ein glatter Stilbruch zu den beiden Vorgängeralben The Pleasure Principle und Telekon. Über dem ganzen Album schwebt eine unsagbar schwere Melancholie, und anders als der Titel es einem weismachen will, ist es absolut nicht tanzbar.

Wann und wie ist Dance entstanden?

Das Album erschien am 4. September 1981 bei Beggars Banquet und ist Numans fünftes Studioalbum. Aufgenommen wurde es im Juni und Juli 1981 in den Rock City Studios in Shepperton. In den britischen Albumcharts kletterte Dance bis auf Platz 3, hielt sich dort aber nur acht Wochen. Die Zahlen erzählen die Geschichte der Platte ganz gut: großer Startvorschuss durch den Namen, dann Ratlosigkeit bei einem Teil des Publikums.

Die Gastmusiker

Numan holte sich für Dance eine bemerkenswerte Besetzung ins Studio. Mick Karn von Japan steuerte fretlosen Bass und Saxofon bei, sein Bandkollege Rob Dean die Gitarre. Queen-Schlagzeuger Roger Taylor saß am Schlagzeug, der Australier Roger Mason von Models an den Keyboards, dazu kam der Kanadier Nash the Slash. Genau diese Mischung erklärt, warum das Album so viel organischer und jazznäher klingt als alles davor. Der fretlose Bass von Mick Karn ist über weite Strecken das eigentliche Leitinstrument.

Die Longtracks: Slowcar To China und Cry The Clock Said

Auf Dance finden sich zwei überlange Titel mit jeweils über neun Minuten Länge: „Slowcar To China“ und „Cry The Clock Said“. Beide sind stilistisch in der Nähe von Brian Enos Ambientwerken anzusiedeln. Sie entwickeln sich langsam, verzichten auf Refrains im klassischen Sinn und leben von Textur statt von Melodieführung. Für die damalige Hörerschaft, die einen Nachfolger von „Cars“ erwartete, war das eine Zumutung. Aus heutiger Sicht sind es die innovativsten Momente des Albums.

Das Cover und seine Bildwelt

Auch das Cover unterscheidet sich von den sehr Science-Fiction-inspirierten Hüllen der Vorgänger. Hier erscheint Gary nicht als Android, sondern als Mann im Gangsterlook Amerikas der 30er Jahre, mit Hut und Trenchcoat. Wenn man das Cover erblickt und dann das Album hört, hat das schon etwas sehr Surreales an sich, doch irgendwie passt es auch. Gerade bei Stücken wie „My Brother’s Time“ ist das Cover wirklich stimmig.

Die zugänglichen Stücke

Natürlich gibt es auch wieder Stücke mit songorientiertem Hitpotenzial. Dazu gehören das mit „Cars“ verwandte „Crash“ und „She’s Got Claws“, das auch als Single veröffentlicht wurde.

She’s Got Claws

Die Single erschien im September 1981 und erreichte Platz 6 der britischen Singlecharts, wo sie sechs Wochen blieb. Sie war die erste und einzige Auskopplung aus dem Album. Der Song verbindet das schleppende Grundtempo der Platte mit einer Hookline, die hängen bleibt.

Boys Like Me

Neben all den guten Songs befindet sich leider auch mein absoluter Hasssong auf dem Album. „Boys Like Me“ nervt ungemein mit dieser komischen spanischen Frau im Hintergrund. Dem positiven Gesamteindruck des Albums tut das aber keinen Abbruch.

Wie Dance aufgenommen wurde und warum das hörbar ist

Die Aufnahmen entstanden innerhalb weniger Wochen, und man merkt der Platte an, dass hier nicht am Reißbrett konstruiert, sondern im Raum gespielt wurde. Wo The Pleasure Principle noch von programmierten Sequenzen zusammengehalten wird, atmen die Stücke auf Dance. Schlagzeug und Bass sind erkennbar von Menschen eingespielt, das Saxofon setzt Akzente statt Melodien, und der Gesang steht ungewöhnlich weit vorn im Mix. Das Ergebnis ist ein Album, das langsamer wirkt, als es tatsächlich ist.

Diese Entscheidung war riskant. Numan stand 1981 an einem Punkt, an dem ein weiteres Album im bewährten Stil kommerziell sicher gewesen wäre. Stattdessen entstand eine Platte, die dem Publikum Geduld abverlangt. Die Chartplatzierung zeigt, dass der Name noch trug. Die kurze Verweildauer in den Charts zeigt ebenso deutlich, dass ein Teil des Publikums nicht mitging.

Die Bonustracks der Neuauflagen

Wie alle Re-Editions von Gary Numan besitzt auch Dance wieder eine Menge Bonustracks. So ist auch der Titeltrack des Albums, „Dance“, dabei, der damals nicht auf der LP erschienen ist. Der Song handelt von Abschied und Verzweiflung und ist bestimmt einer der schönsten Songs Gary Numans. Mit „Moral“ findet sich außerdem eine Neuaufnahme des Titels „Metal“, diesmal in einer langsameren, reduzierten Form. Wer Dance kauft, sollte deshalb zur erweiterten Fassung greifen, sonst fehlen ausgerechnet die interessantesten Nebenwege.

Für wen lohnt sich Dance?

Dance ist kein Album für nebenbei. Es entfaltet sich am besten am Stück gehört, idealerweise über Kopfhörer, weil viele Details im Mittelfeld des Mixes stecken. Für Hörer, die Numan bereits kennen und die dunkleren, sperrigeren Ecken seines Katalogs suchen, ist es ein Schlüsselwerk. Wer über die Hits eingestiegen ist und nun das nächste Album mit Ohrwurmqualität erwartet, wird enttäuscht. Wer Japan, Brian Eno oder generell den Übergang von New Wave zu Artpop mag, findet hier ein Album, das genau an dieser Schnittstelle steht.

Fazit: Lohnt sich Dance?

Dance bereichert die Klangwelt Gary Numans um etliche neue Sounds. Neben den melancholischen Stücken gibt es ein paar echte Songkracher wie die angesprochene Single und den Titeltrack. Besonders innovativ sind die beiden Longtracks, die als Eno-Tribut anzusehen sind. Für mich eine klare Kaufempfehlung für alle New-Wave-Fans.

Die Tracklist von Dance

  1. Slowcar To China
  2. Night Talk
  3. A Subway Called ‚You‘
  4. Cry The Clock Said
  5. She’s Got Claws
  6. Crash
  7. Boys Like Me
  8. Stories
  9. My Brother’s Time
  10. You Are, You Are
  11. Moral
  12. Stormtrooper In Drag
  13. Face To Face
  14. Dance
  15. Exhibition
  16. I Sing Rain

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Gary Numans Dance erschienen?

Dance kam am 4. September 1981 bei Beggars Banquet heraus und ist Numans fünftes Studioalbum. Aufgenommen wurde es im Juni und Juli 1981 in den Rock City Studios in Shepperton. In den britischen Albumcharts erreichte die Platte Rang 3.

Welche Gastmusiker spielen auf Dance mit?

Mit dabei sind Mick Karn von Japan an fretlosem Bass und Saxofon sowie dessen Bandkollege Rob Dean an der Gitarre. Dazu kommen Queen-Schlagzeuger Roger Taylor, der australische Keyboarder Roger Mason von Models und der kanadische Musiker Nash the Slash. Diese Besetzung erklärt den ungewohnt organischen, jazznahen Klang.

Warum heißt das Album Dance, obwohl man dazu nicht tanzen kann?

Der Titel führt bewusst in die Irre. Über dem ganzen Album liegt eine schwere Melancholie, zwei Stücke laufen jeweils über neun Minuten und stehen stilistisch näher an Brian Enos Ambientarbeiten als an einer Tanzfläche. Der Titeltrack selbst schaffte es ursprünglich nicht einmal auf die LP.

Welche Single wurde aus Dance ausgekoppelt?

She's Got Claws war die erste und einzige Single des Albums. Sie erschien im September 1981 und erreichte Platz 6 der britischen Singlecharts, wo sie sechs Wochen blieb. Der Song gehört zu den zugänglichsten Stücken einer ansonsten sperrigen Platte.

Lohnt sich Dance für Numan-Einsteiger?

Nur bedingt. Wer den Synthiepop von The Pleasure Principle erwartet, wird von den langen, fast statischen Stücken überrascht. Wer dagegen die dunklere, experimentellere Seite Numans sucht, findet hier eines seiner eigenständigsten Alben.

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