Gary Numan - Dance
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Gary Numan - Dance ist das fünfte Studioalbum von Gary Numan, erschienen am 4. September 1981 bei Beggars Banquet, und ein schwerer, ambienter Stilbruch zu den Vorgängern. Die Rezension vom 12. Juli 2011 bewertet es mit 4 von 5: zwei Longtracks mit über neun Minuten in Eno-Nähe, dazu ein paar echte Songkracher wie She's Got Claws.
Dance, Vinyl-LP von Gary Numan
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Trotz des Erfolges des Vorgängeralbums Telekon war Gary Numan vom Stressalltag eines Popstars gezeichnet und spielte mit dem Gedanken, sich eine Auszeit zu genehmigen. Nach einer großangelegten Abschiedstournee, den legendären Farewell Tours im Wembley-Rund, sah es kurzzeitig wirklich so aus, als würde Gary erst einmal einen Gang herunterschalten und sich Zeit für sich selbst nehmen, bevor ein neues Album aufgenommen würde. Doch weit gefehlt. Bereits ein Jahr später, 1981, veröffentlichte er Dance.
Musikalisch ist das ein glatter Stilbruch zu den beiden Vorgängeralben The Pleasure Principle und Telekon. Über dem ganzen Album schwebt eine unsagbar schwere Melancholie, und anders als der Titel es einem weismachen will, ist es absolut nicht tanzbar.
Wann und wie ist Dance entstanden?
Das Album erschien am 4. September 1981 bei Beggars Banquet und ist Numans fünftes Studioalbum. Aufgenommen wurde es im Juni und Juli 1981 in den Rock City Studios in Shepperton. In den britischen Albumcharts kletterte Dance bis auf Platz 3, hielt sich dort aber nur acht Wochen. Die Zahlen erzählen die Geschichte der Platte ganz gut: großer Startvorschuss durch den Namen, dann Ratlosigkeit bei einem Teil des Publikums.
Die Gastmusiker
Numan holte sich für Dance eine bemerkenswerte Besetzung ins Studio. Mick Karn von Japan steuerte fretlosen Bass und Saxofon bei, sein Bandkollege Rob Dean die Gitarre. Queen-Schlagzeuger Roger Taylor saß am Schlagzeug, der Australier Roger Mason von Models an den Keyboards, dazu kam der Kanadier Nash the Slash. Genau diese Mischung erklärt, warum das Album so viel organischer und jazznäher klingt als alles davor. Der fretlose Bass von Mick Karn ist über weite Strecken das eigentliche Leitinstrument.
Die Longtracks: Slowcar To China und Cry The Clock Said
Auf Dance finden sich zwei überlange Titel mit jeweils über neun Minuten Länge: „Slowcar To China“ und „Cry The Clock Said“. Beide sind stilistisch in der Nähe von Brian Enos Ambientwerken anzusiedeln. Sie entwickeln sich langsam, verzichten auf Refrains im klassischen Sinn und leben von Textur statt von Melodieführung. Für die damalige Hörerschaft, die einen Nachfolger von „Cars“ erwartete, war das eine Zumutung. Aus heutiger Sicht sind es die innovativsten Momente des Albums. Einen Überblick über Numans Laufbahn bietet die Doppel-CD Exposure von Tubeway Army bis zum Industrial der Nullerjahre.
Das Cover und seine Bildwelt
Auch das Cover unterscheidet sich von den sehr Science-Fiction-inspirierten Hüllen der Vorgänger. Hier erscheint Gary nicht als Android, sondern als Mann im Gangsterlook Amerikas der 30er Jahre, mit Hut und Trenchcoat. Wenn man das Cover erblickt und dann das Album hört, hat das schon etwas sehr Surreales an sich, doch irgendwie passt es auch. Gerade bei Stücken wie „My Brother’s Time“ ist das Cover wirklich stimmig.
Die zugänglichen Stücke
Natürlich gibt es auch wieder Stücke mit songorientiertem Hitpotenzial. Dazu gehören das mit „Cars“ verwandte „Crash“ und „She’s Got Claws“, das auch als Single veröffentlicht wurde.
She’s Got Claws
Die Single erschien im September 1981 und erreichte Platz 6 der britischen Singlecharts, wo sie sechs Wochen blieb. Sie war die erste und einzige Auskopplung aus dem Album. Der Song verbindet das schleppende Grundtempo der Platte mit einer Hookline, die hängen bleibt.
Boys Like Me
Neben all den guten Songs befindet sich leider auch mein absoluter Hasssong auf dem Album. „Boys Like Me“ nervt ungemein mit dieser komischen spanischen Frau im Hintergrund. Dem positiven Gesamteindruck des Albums tut das aber keinen Abbruch.
Wie Dance aufgenommen wurde und warum das hörbar ist
Die Aufnahmen entstanden innerhalb weniger Wochen, und man merkt der Platte an, dass hier nicht am Reißbrett konstruiert, sondern im Raum gespielt wurde. Wo The Pleasure Principle noch von programmierten Sequenzen zusammengehalten wird, atmen die Stücke auf Dance. Schlagzeug und Bass sind erkennbar von Menschen eingespielt, das Saxofon setzt Akzente statt Melodien, und der Gesang steht ungewöhnlich weit vorn im Mix. Das Ergebnis ist ein Album, das langsamer wirkt, als es tatsächlich ist.
Diese Entscheidung war riskant. Numan stand 1981 an einem Punkt, an dem ein weiteres Album im bewährten Stil kommerziell sicher gewesen wäre. Stattdessen entstand eine Platte, die dem Publikum Geduld abverlangt. Die Chartplatzierung zeigt, dass der Name noch trug. Die kurze Verweildauer in den Charts zeigt ebenso deutlich, dass ein Teil des Publikums nicht mitging.
Die Bonustracks der Neuauflagen
Wie alle Re-Editions von Gary Numan besitzt auch Dance wieder eine Menge Bonustracks. So ist auch der Titeltrack des Albums, „Dance“, dabei, der damals nicht auf der LP erschienen ist. Der Song handelt von Abschied und Verzweiflung und ist bestimmt einer der schönsten Songs Gary Numans. Mit „Moral“ findet sich außerdem eine Neuaufnahme des Titels „Metal“, diesmal in einer langsameren, reduzierten Form. Wer Dance kauft, sollte deshalb zur erweiterten Fassung greifen, sonst fehlen ausgerechnet die interessantesten Nebenwege.
Für wen lohnt sich Dance?
Dance ist kein Album für nebenbei. Es entfaltet sich am besten am Stück gehört, idealerweise über Kopfhörer, weil viele Details im Mittelfeld des Mixes stecken. Für Hörer, die Numan bereits kennen und die dunkleren, sperrigeren Ecken seines Katalogs suchen, ist es ein Schlüsselwerk. Wer über die Hits eingestiegen ist und nun das nächste Album mit Ohrwurmqualität erwartet, wird enttäuscht. Wer Japan, Brian Eno oder generell den Übergang von New Wave zu Artpop mag, findet hier ein Album, das genau an dieser Schnittstelle steht. Einen späteren Klangwechsel von Gary Numan zeigt das Album Berserker von 1984 mit PPG-Synthesizer.
Fazit: Lohnt sich Dance?
Dance bereichert die Klangwelt Gary Numans um etliche neue Sounds. Neben den melancholischen Stücken gibt es ein paar echte Songkracher wie die angesprochene Single und den Titeltrack. Besonders innovativ sind die beiden Longtracks, die als Eno-Tribut anzusehen sind. Für mich eine klare Kaufempfehlung für alle New-Wave-Fans.
Die Tracklist von Dance
- Slowcar To China
- Night Talk
- A Subway Called ‚You‘
- Cry The Clock Said
- She’s Got Claws
- Crash
- Boys Like Me
- Stories
- My Brother’s Time
- You Are, You Are
- Moral
- Stormtrooper In Drag
- Face To Face
- Dance
- Exhibition
- I Sing Rain
Häufig gestellte Fragen
Wann ist Gary Numans Dance erschienen?
Gary Numans Dance erschien am 4. September 1981 bei Beggars Banquet und ist sein fünftes Studioalbum. Aufgenommen wurde es im Juni und Juli 1981 in den Rock City Studios in Shepperton, in den britischen Albumcharts erreichte es Platz 3.
Welche Gastmusiker spielen auf Dance mit?
Auf Gary Numans Dance spielen Mick Karn von Japan an fretlosem Bass und Saxofon, sein Bandkollege Rob Dean an der Gitarre, Queen-Schlagzeuger Roger Taylor, Roger Mason von Models an den Keyboards und der Kanadier Nash the Slash. Laut Rezension erklärt diese Mischung den organischeren, jazznäheren Klang.
Warum heißt das Album Dance, obwohl man dazu nicht tanzen kann?
Gary Numans Dance ist trotz des Titels nicht tanzbar, weil über dem ganzen Album eine schwere Melancholie liegt. Zwei Stücke laufen über neun Minuten und stehen stilistisch in der Nähe von Brian Enos Ambientwerken, der Titeltrack Dance erschien damals nicht auf der LP.
Welche Single wurde aus Dance ausgekoppelt?
She's Got Claws war die erste und einzige Single aus Gary Numans Dance. Sie erschien im September 1981 und erreichte Platz 6 der britischen Singlecharts, wo sie sechs Wochen blieb.
Lohnt sich Dance für Numan-Einsteiger?
Nur bedingt: Gary Numans Dance ist kein Album für nebenbei und verlangt dem Publikum Geduld ab. Wer nach den Hits das nächste Album mit Ohrwurmqualität erwartet, wird enttäuscht, wer die dunkleren, sperrigeren Ecken seines Katalogs sucht, findet ein Schlüsselwerk.
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