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Gary Numan - The Pleasure Principle

5 von 5 Alle Rezensionen zu Gary Numan Redaktion · 2011-07-12 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Meilenstein des elektronischen New Wave, bis heute unerreicht kalt.

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Die Titelliste

  1. Airlane
  2. Metal
  3. Complex
  4. Films
  5. M.E.
  6. Tracks
  7. Observer
  8. Conversation
  9. Cars
  10. Engineers
  11. Random
  12. Oceans
  13. Asylum
  14. Me! I disconnect From You (Live)
  15. Bombers (Live)
  16. Remember I Was Vapour (Live)
  17. On Broadway (Live)

Gary Numan, der Künstler

Gary Numan wurde bekannt als Frontmann der britischen New Wave-Band Tubeway Army, die 1976 gegründet wurde. Merkmal der Band waren die durchdringenden Synthesizerklänge gepaart mit Gary Numans monoton-roboterhaftem Gesang. Zur damaligen Zeit war diese Art der Musik noch ein absolutes Novum und steckte in den Kinderschuhen. Zwar gab es schon vorher Bands, die mit elektronischen Klängen experimentiert haben, man denke nur an Kraftwerk oder Brian Eno, doch Tubeway Army und Gary Numan gehörten zu den ersten, die dieser Form der Musik ein betont düsteres Image gaben. Der wohl bekannteste Hit der Band war „Are Friends Electric?“, der damals einschlug wie eine Bombe und den Weg für hunderte von New Wave-Bands ebnete, Depeche Mode seien hierbei mal als berühmtestes Beispiel zu nennen.

Nach zwei Alben mit Tubeway Army entschloss sich Gary Numan, fortan unter seinem eigenen Namen zu veröffentlichen. The Pleasure Principle war dabei sein erstes Soloalbum, es erschien am 7. September 1979 bei Beggars Banquet und stieg in Großbritannien auf Platz 1 der Albumcharts. Aufgenommen wurde es Mitte 1979 in den Marcus Music Studios in London.

Worum geht es auf The Pleasure Principle?

Der Titel des Albums spielt auf ein Gemälde gleichen Namens des surrealistischen Malers René Magritte an. So ist auch das Coverartwork Gary Numans eigene Interpretation dieses Bildes, man sieht Gary an einem Tisch sitzen, vor ihm auf der Tischplatte liegt eine futuristisch anmutende Pyramide, anders als im Original, wo es ein Stein war. Es ist diese rätselhafte Bildkomposition, die den Betrachter sofort fasziniert. Jedenfalls war es bei mir so.

Inhaltlich umkreist die Platte immer wieder dieselbe Idee: eine durchtechnisierte Welt, in der Beobachtung, Maschinen und Entfremdung den Alltag bestimmen. „Cars“ handelt vom Auto als Schutzraum gegen die Außenwelt, „Observer“ und „M.E.“ verhandeln Überwachung und maschinelles Bewusstsein, „Metal“ schließlich singt aus der Perspektive einer Maschine, die gern ein Mensch wäre. Das ist keine Science-Fiction-Kulisse zum Aufhübschen, sondern das eigentliche Thema des Albums.

Der Klang: ein Album ohne Gitarren

The Pleasure Principle ist zweifellos einer der Meilensteine elektronischer Musik, die perfekte Verschmelzung von düsteren Synthieklängen mit Science Fiction und darüber hinaus auch noch der Archetypus des elektronischen New Wave. Da Numan auf dem Album auf Gitarren verzichtet, die für Tubeway Army noch charakteristisch waren, ist der Klang besonders steril und düster, als wäre er in einer durch und durch technologisierten Welt ohne menschliche Wärme entstanden, in der Menschen nur noch seelenlose Hüllen sind, die wie Roboter agieren und in dieser Zukunft auch kein anderes Leben kennen. Ein wahrlich erschreckendes Szenario.

Der Verzicht auf die elektrische Gitarre war eine bewusste Entscheidung und wurde konsequent durchgezogen. An ihre Stelle traten Synthesizer, allen voran Minimoog und Polymoog, dessen Vox-Humana-Klangfarbe zum Markenzeichen des Albums wurde. Nur an wenigen Stellen kommt akustisches Material dazu, etwa die Streicher in „Complex“ mit Violine und Bratsche, die dem Stück eine unerwartet zerbrechliche Note geben.

Die wichtigsten Stücke

Cars

Der bestimmt bekannteste Song aus diesem Album ist „Cars“, welcher sofort an die Spitze der britischen Charts schoss und Gary zu einem Superstar machte. In den USA erreichte die Single Platz 9, in Kanada ebenfalls die Spitze. Damit war „Cars“ Numans international erfolgreichster Titel und ist es bis heute geblieben.

Metal, Films und M.E.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl anderer Stücke, die „Cars“ locker das Wasser reichen können, zum Beispiel das wirklich metallisch klingende „Metal“ und die düsteren Stücke „M.E.“ und „Films“, um nur einige zu nennen. „Metal“ hat über die Jahre ein zweites Leben als Vorlage für andere Künstler bekommen, und „M.E.“ ist vielen Hörern durch spätere Sampleverwendungen begegnet, ohne dass sie die Quelle kannten.

Die Instrumentalstücke

Neben Stücken, die typische Songstrukturen aufweisen, gibt es auch zwei rein instrumentale Nummern zu hören, zum einen den überaus gelungenen Opener „Airlane“ und das an Horrorfilmmusik erinnernde „Asylum“. Gerade „Airlane“ zeigt, wie sicher Numan mit Atmosphäre umgehen konnte, wenn kein Text die Aufmerksamkeit band.

Die Livezugaben

Abgerundet wird das Album mit vier Liveversionen von Stücken aus Tubeway-Army-Tagen, deren Arrangements leicht an den neuen Gary Numan-Sound angepasst wurden und sich somit sehr gut in den Gesamtkontext fügen. Sie sind kein Fremdkörper, sondern schlagen hörbar die Brücke zwischen Bandvergangenheit und Soloprojekt.

Wirkung und Nachhall

Der Erfolg des Albums war kein langsames Anwachsen, sondern ein Einschlag. Innerhalb weniger Wochen stand Numan mit Album und Single gleichzeitig an der Spitze der britischen Charts, und das mit Musik, die kurz zuvor noch als Nischenexperiment galt. Was danach kam, ist bekannt: Der Synth-Pop der frühen achtziger Jahre wäre ohne diese Blaupause anders verlaufen, und viele Bands, die später deutlich größere Verkaufszahlen erzielten, haben sich an dieser Platte orientiert.

Auch die Kritik hat das Album mit den Jahren zunehmend milder bewertet. Wo 1979 noch der Vorwurf im Raum stand, Numan wiederhole nur die Ideen von Replicas, gilt The Pleasure Principle heute als das geschlossenste und wirkungsvollste Werk seiner Frühphase. Wer nur ein einziges Album aus Numans Katalog auswählen müsste, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit bei diesem.

Für wen lohnt sich The Pleasure Principle?

Wenn man nur ein einziges Album von Gary Numan besitzen möchte, ist dieses die naheliegende Wahl. Es lohnt sich für alle, die die Wurzeln des Synth-Pop verstehen wollen, für Hörer von Depeche Mode, Nine Inch Nails oder Fad Gadget, die wissen möchten, woher dieser kalte Klang kommt, und für jeden, der Musik mag, die eine geschlossene Welt entwirft statt einer Sammlung von Einzelsongs.

Fazit: Lohnt sich The Pleasure Principle?

Über 30 Jahre ist Numans Solodebüt jetzt schon alt und hat dennoch nichts von seiner unsagbar starken Anziehungskraft verloren. So einen wunderbar düsteren, sterilen Klang würde man heute gar nicht mehr hinbekommen, das Album besitzt einfach einen einzigartigen Sound. Dieses Werk gehört zu meinen absoluten Lieblingsalben von Gary Numan und des New Wave überhaupt. Ich kann es jedem, der sich für die Geschichte des New Wave interessiert, nur wärmstens empfehlen.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist The Pleasure Principle erschienen?

Das Album kam am 7. September 1979 bei Beggars Banquet heraus und war Gary Numans erstes Werk unter eigenem Namen, nachdem er zuvor zwei Alben mit Tubeway Army veröffentlicht hatte. Es erreichte Platz 1 der britischen Albumcharts. Aufgenommen wurde es Mitte 1979 in den Marcus Music Studios in London.

Warum gibt es auf The Pleasure Principle keine Gitarren?

Numan verzichtete auf dem Album bewusst vollständig auf die elektrische Gitarre und ersetzte sie durch Synthesizer, vor allem Minimoog und Polymoog. Die berühmte Vox-Humana-Voreinstellung des Polymoog wurde zu einem Erkennungsmerkmal seines Klangs. Das Ergebnis ist ein besonders steriler, kalter Sound, der sich deutlich von den gitarrenlastigen Tubeway-Army-Aufnahmen abhebt.

Wie erfolgreich war die Single Cars?

Cars wurde Numans international erfolgreichster Song. In Großbritannien stürmte die Single an die Spitze der Charts, in den USA erreichte sie Platz 9 und in Kanada ebenfalls die Spitzenposition. Bis heute ist sie der Titel, über den die meisten Hörer überhaupt zu Gary Numan finden.

Worauf bezieht sich der Albumtitel?

Der Titel spielt auf ein Gemälde des belgischen Surrealisten René Magritte an. Numan lieferte mit dem Coverartwork eine eigene Interpretation dieses Bildes und ersetzte den Stein des Originals durch eine leuchtende Pyramide aus Kunststoff, um den technologischen Grundton des Albums zu unterstreichen.

Welche Stücke sollte man neben Cars unbedingt hören?

Metal gilt vielen als das eigentliche Herzstück des Albums und wurde später unter anderem von Nine Inch Nails aufgegriffen. Films und M.E. stehen für die düstere, entmenschlichte Seite der Platte, das Instrumental Airlane eröffnet das Album ausgesprochen elegant. Complex war die zweite Single und erreichte mit Streicherbegleitung Platz 6 der britischen Charts.

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