Gary Numan - Warriors
Kurzfazit: Sperriges Werk von 1983, das erst nach mehreren Durchläufen aufgeht
GARY NUMAN / WARRIORS [Vinyl LP]
16,99 € Stand: 13.09.2026
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Zum Angebot bei Amazon →Ein Krieger in der Wüste, ein Blick, der ins Leere geht, und dahinter ein Album, das seinem eigenen Publikum die Gefolgschaft aufkündigt: Warriors ist Gary Numans mutigstes und zugleich sperrigstes Werk. 1983 veröffentlicht, verweigert es genau das, was der Markt damals von ihm erwartete, nämlich den nächsten Hit im Zuschnitt von „Cars“. Wer sich darauf einlässt, bekommt dafür eines der eigenständigsten Alben seiner Diskografie.
Worum geht es auf Warriors?
Warriors ist Numans fünftes Soloalbum und erschien am 16. September 1983 bei Beggars Banquet. Es war zugleich seine letzte Studioplatte für dieses Label. Geschrieben hatte er das Material überwiegend zwischen Ende 1982 und Anfang 1983 auf Jersey, aufgenommen wurde es anschließend in den Rock City Studios in Shepperton. In den britischen Albumcharts stieg es bis auf Platz 12.
Inhaltlich gibt es keine durchgehende Geschichte, sondern eine Stimmung. Das Coverbild, Numan als Krieger in einer verbrannten Landschaft, erinnert an Mad Max und die Donnerkuppel, und genau so apokalyptisch gestaltet sich der Sound. Songtitel und Texte wirken surrealistisch bis rätselhaft. In „Warriors“ singt er „I’m the ghost of the white faced clown“, in „This Prison Moon“ heißt es „I’m only here for a thousand years, here on this prison moon“. Das sind Bilder, keine Handlungen, und sie funktionieren genau deshalb.
Der Sound: reduziert, erdig, mit Saxophon
War auf den Vorgängern immer noch der Drang zu spüren, einen weiteren Hit wie „Cars“ abzuliefern, sucht man einen Song mit ähnlichem Hitpotenzial auf Warriors vergeblich. Der Sound kommt sehr viel erdiger und experimenteller herüber. Waren die Klänge auf den Vorgängeralben recht hell und von einer gewissen Melodiösität erfüllt, zeigt sich Warriors bewusst auf das Wesentliche reduziert: intensive Bassspuren treffen auf interessant arrangierte Drumcomputer. Sein eigentliches Markenzeichen, die durchdringenden Moog-Sounds, kommt nur noch minimal zum Einsatz, was das Album sehr eigenständig und spannend klingen lässt.
Dick Morrissey und das Saxophon
Vor allem das Saxophon findet hier prominenten Einsatz, was sicherlich einige Leute verschrecken dürfte, aber zum damaligen Zeitgeist gehörte. Gespielt hat es Dick Morrissey, den Numan wegen dessen Arbeit an der Filmmusik zu Blade Runner geholt hatte. Numan äußerte sich später ausgesprochen positiv über die Zusammenarbeit und lobte die Genauigkeit, mit der Morrissey seine Parts einspielte. Das Saxophon sollte Numan seitdem noch auf etlichen weiteren Veröffentlichungen begleiten, und es ist bis heute der Punkt, an dem sich die Geister scheiden: Für die einen bricht es die kühle Elektronik unnötig auf, für die anderen gibt es dem Album genau die menschliche Gegenstimme, die es braucht.
Die Band hinter dem Album
Numan arbeitete auf Warriors mit einer eingespielten Mannschaft. Cedric Sharpley saß am Schlagzeug, Joe Hubbard spielte Bass, Rrussell Bell die Gitarre. Die Backgroundgesänge übernahm Tracy Ackerman, die aus dem Umfeld von Shakatak kam. Diese Besetzung erklärt einiges am jazz- und funkbeeinflussten Unterbau des Albums, der Numans elektronische Herkunft an vielen Stellen von unten her aufweicht.
Die Produktion mit Bill Nelson
Als Produzent stand Bill Nelson an Numans Seite, auf den Plattenlabels genannt, sonst weitgehend ungenannt. Die Zusammenarbeit verlief nicht reibungslos. Nelson schilderte später, dass er das Album gemeinsam mit dem Toningenieur abmischte und danach nach Hause fuhr, worauf ihn der Ingenieur wenige Tage später anrief und mitteilte, er habe hingeworfen, weil Numan gerade neu abmische. Numan war mit Nelsons Mischung unzufrieden und legte selbst noch einmal Hand an. Man hört dem Ergebnis diese Reibung an, im Guten wie im Schlechten: Warriors klingt an keiner Stelle glattgebügelt.
Die einzelnen Songs
Warriors ist jenes Album, für das man sich besonders viel Zeit nehmen muss, erst dann offenbart es seine ganze Kraft. Ein paar Stücke stechen dabei besonders heraus.
Sister Surprise
Mit „Sister Surprise“ ist wieder ein Longtrack mit über acht Minuten Länge zu finden, der sich nach und nach fast schon in einen Ohrwurm verwandelt. Als zweite Single ausgekoppelt, erreichte das Stück in Großbritannien Platz 32. Es ist der Song, an dem sich am besten zeigt, wie Numan zu dieser Zeit arbeitete: nicht auf einen Refrain hin, sondern auf einen Zustand.
My Car Slides (1) und (2)
Die Idee mit dem zweigeteilten Song „My Car Slides“ gefällt mir ausgesprochen gut. Diese beiden Tracks gehen nahtlos ineinander über und vereinen sich somit zu einem sehr abwechslungsreichen Hörerlebnis. Auf der ursprünglichen LP standen sie noch nicht, sie gehören zu dem Material, das erst auf erweiterten Ausgaben zum Album hinzukam.
Poetry And Power
„Poetry And Power“ weist ein weiteres Novum auf: Hier wird Gary Numan erstmals von einem männlichen Backgroundsänger unterstützt. Ein kleines Detail, aber ein bezeichnendes, denn es zeigt, wie konsequent Numan auf diesem Album Gewohnheiten seiner eigenen Platten aufbrach.
Die Trackliste
Die im Handel verbreitete CD-Ausgabe enthält fünfzehn Titel. Die ersten zehn bilden das ursprüngliche Album, danach folgt Bonusmaterial:
- Warriors
- I Am Render
- The Iceman Comes
- This Prison Moon
- My Centurion
- Sister Surprise
- The Tick Tock Man
- Love Is Like Clock Law
- The Rhythym Of The Evening
- Poetry And Power
- My Car Slides (1)
- My Car Slides (2)
- Nameless And Forgotten
- Sister Surprise (Single Mix)
- Warriors (Full Length Version)
Wie kam Warriors 1983 an?
Die Reaktionen fielen gemischt aus, und zwar heftig gemischt. Das NME sah in Warriors immerhin den attraktivsten elektronischen Pop seit Brian Enos einflussreichem Another Green World, während Smash Hits dem Album ganze zwei von zehn Punkten gab. Kommerziell hielt sich die Platte sechs Wochen in den Charts, was gemessen an Numans früheren Erfolgen ein deutlicher Rückgang war. Bemerkenswert ist trotzdem, dass Warriors ihm einige der besten Kritiken seiner bis dahin laufenden Karriere in der britischen Musikpresse einbrachte. Wohlwollende Besprechungen hoben vor allem das handwerkliche Niveau der Band und die Jazz- und Funkeinflüsse hervor.
Für wen lohnt sich Warriors?
Für Hörer, die Numan nicht als Hitlieferanten verstehen, sondern als Klangarbeiter. Wer über „Cars“, „Are ‘Friends’ Electric?“ und die hellen Synthieflächen der Jahre 1979 und 1980 zu ihm gefunden hat und genau das wiederhaben möchte, wird von Warriors enttäuscht sein. Wer dagegen die dichte, kantige Phase zwischen 1981 und 1983 mag, findet hier ihren Höhepunkt. Als Einstieg in Numans Werk taugt das Album nicht, als vierte oder fünfte Platte dagegen sehr gut.
Fazit
Warriors ist zwar bei weitem Numans sperrigstes Werk, wer auf Hits wie „Cars“ hofft, wird womöglich enttäuscht sein. Die wahren Stärken dieses Albums liegen in seiner Vielschichtigkeit. Außerdem ist es Numans Kompromisslosigkeit zu verdanken, dass dieses Album ein so hohes Maß an Authentizität besitzt. Ich persönlich mag es in seiner musikalischen Phase von 1981 bis 1983, die ja sehr experimentell geprägt war, am liebsten.
Häufig gestellte Fragen
Wann erschien Gary Numans Album Warriors?
Warriors kam am 16. September 1983 bei Beggars Banquet heraus. Es war Numans fünftes Soloalbum und zugleich seine letzte Studioveröffentlichung für dieses Label. In den britischen Albumcharts erreichte es Platz 12.
Wie klingt Warriors im Vergleich zu den früheren Alben?
Deutlich erdiger und reduzierter. Die hellen, melodiösen Moog-Flächen der Vorgänger treten zurück, dafür bestimmen dichte Bassspuren, ungewöhnlich arrangierte Drumcomputer und ein prominent eingesetztes Saxophon den Klang. Wer die Synthiepop-Hits der Jahre 1979 und 1980 sucht, wird auf Warriors nicht fündig.
Wer spielt das Saxophon auf Warriors?
Dick Morrissey. Numan hatte ihn wegen seiner Arbeit an der Filmmusik zu Blade Runner engagiert und lobte ihn später ausdrücklich für die Präzision seiner Aufnahmen. Das Saxophon ist bis heute der am meisten diskutierte Bestandteil des Albums.
Welche Singles wurden aus Warriors ausgekoppelt?
Der Titelsong Warriors erschien im August 1983 und erreichte Platz 20 der britischen Singlecharts. Sister Surprise folgte im Oktober 1983 und kam auf Platz 32.
Für wen lohnt sich Warriors?
Für Hörer, die Numans experimentelle Phase zwischen 1981 und 1983 mögen und bereit sind, einem Album mehrere Durchläufe zu geben. Als Einstieg in sein Werk taugt Warriors dagegen kaum, dafür ist es zu spröde.
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