Gary Numan - Hybrid
Kurzfazit: Gelungenes Remix-Doppelalbum, das alte Numan-Klassiker neu denkt.
Hybrid
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Bei Hybrid handelt es sich nicht um ein neues Gary Numan Album, vielmehr ist es ein Doppelalbum, das alte wie neue Gary Numan Klassiker in einem neuen Soundgewand präsentiert, also eine Art Remixalbum. Die Platte erschien 2003 auf Numans eigenem Label Jagged Halo, die neuen Aufnahmen entstanden im Herbst 2002. Statt einer chronologischen Werkschau bekommt man hier eine Neuvermessung: Stücke aus der Tubeway-Army-Zeit stehen direkt neben Material der damals aktuellen Alben, und alles wird durch dieselbe klangliche Linse geschickt.
Hier werden die alten Songs nicht einfach auf modern getrimmt, nein, man nimmt sich die Zeit und Muße, um den einzelnen Stücken ganz einfach neue Facetten zu geben und sie vielleicht für ein jüngeres Publikum, das den alten Gary Numan aus den 70ern nicht kennt, interessant zu machen. Genau darin liegt der Unterschied zu den vielen lieblos zusammengeschusterten Remixsammlungen, die Numans Katalog über die Jahre begleitet haben.
Wer hat an Hybrid mitgearbeitet?
Andy Gray steuerte Bearbeitungen von „Dark“, „Everyday I Die“ und „Absolution“ bei und schrieb den neuen Titel „Ancients“ zusammen mit Gary Numan. Er ist damit eine der prägenden Handschriften der Platte, aber nicht die einzige. Am Album beteiligt waren mehrere Musiker und Produzenten aus dem Industrial- und Alternative-Umfeld, unter ihnen Rico, die Band Sulpher und Alan Moulder. Diese Mischung erklärt, warum Hybrid trotz seiner Länge nicht in Monotonie kippt: Es sind verschiedene Ohren am Werk, die aber alle in dieselbe Richtung hören.
Die drei neuen Songs
Neben den Bearbeitungen finden sich drei ganz neue Stücke auf dem Album. Sie sind der eigentliche Grund, warum auch Fans zugreifen, die die Originale längst besitzen.
Crazier
„Crazier“ erschien als Single und klingt noch am typischsten nach Numan, also nach dem harten, gitarrenlastigen Gothic-Industrial der Jahre nach Sacrifice. Der Song entstand gemeinsam mit Rico und schaffte es in Großbritannien bis auf Platz 13 der Single-Charts. Für einen Künstler, der zu diesem Zeitpunkt seit Jahren abseits des Mainstreams arbeitete, war das ein bemerkenswerter Achtungserfolg.
Hybrid
Der Titelsong ist streng genommen eine remixte Version des Stücks „Pure“. Er bewegt sich irgendwo zwischen modernen Depeche Mode und The Prodigy, setzt also stärker auf Beat und Druck als auf Numans sonst so charakteristische Kälte. Das funktioniert überraschend gut, weil die Vorlage ohnehin von einem stampfenden Grundpuls lebt.
Ancients
„Ancients“ ist der Ausreißer. Der Song überrascht mit numanuntypischen Streicherarrangements und einer an Alternative Rock erinnernden Gitarrenspur. Wer Numan nur als Synthesizermann kennt, wird hier kurz stutzen. Genau solche Momente machen ein Remixalbum interessant, weil sie zeigen, wohin die Reise auch hätte gehen können.
Die Songauswahl: von Tubeway Army bis Pure
Die Wahl der Songs, die für das Album ausgewählt wurden, fällt sehr bunt aus, wenn auch der Schwerpunkt auf Stücken aus seiner Anfangszeit (Tubeway Army) und denen der letzten beiden Alben liegt. Auf der zweiten CD stehen mit „Me! I Disconnect From You“, „This Wreckage“, „Are Friends Electric?“ und „M.E.“ gleich mehrere Stücke aus der Phase, die Numans Ruf bis heute trägt. Dass „Down In The Park“ auf beiden Discs vertreten ist, ist kein Versehen, sondern zeigt, wie unterschiedlich ein und derselbe Song ausfallen kann, wenn zwei verschiedene Bearbeiter daran gehen.
Mit Hybrid ist es den Soundtüftlern gelungen, alte Numanklassiker modern und unverbraucht klingen zu lassen, ohne dabei auch nur im Ansatz beliebig zu wirken, wie es leider schon auf diversen Remixalben geschehen ist. Die drei neuen Songs sind insgesamt ganz gut gelungen, sollten aber nicht alleiniger Kaufanreiz dieses Albums darstellen.
Einordnung: Wo steht Hybrid in Numans Karriere?
Um zu verstehen, warum ein solches Album 2003 Sinn ergab, muss man kurz zurückblicken. Nach dem enormen Erfolg der Jahre 1979 und 1980 folgten für Gary Numan schwierige Zeiten, in denen er sich musikalisch verrannte. Erst ab Mitte der Neunziger fand er mit Sacrifice und dem Nachfolger Exile zu einem eigenen, düsteren Industrial-Sound zurück, den er auf Pure im Jahr 2000 perfektionierte. Parallel dazu wuchs eine neue Generation von Musikern heran, die Numan offen als Einfluss nannten.
Hybrid ist die logische Konsequenz aus dieser Lage: eine Platte, die den alten Katalog in die Klangsprache des neuen Numan übersetzt und damit beide Werkphasen miteinander in ein Gespräch bringt. Nicht die Songs mussten dafür verbogen werden, sondern nur ihre Oberfläche.
Für wen lohnt sich Hybrid?
Vielmehr richtet sich dieses Album an Leute, die vorher vielleicht noch gar nichts von Gary Numan wussten und mit den alten New-Wave-Sounds nichts anfangen können, sondern das ganz gern etwas zeitgemäßer verpackt haben möchten. Aber auch alte Fans werden ihre Freude mit Hybrid haben, denn es ist interessant zu sehen, welches Potential in den alten Liedern steckte, das auch für die heutige Zeit immer noch relevant ist.
Wer dagegen ein einziges Gary-Numan-Album sucht, um den Künstler kennenzulernen, ist mit einem Studioalbum besser bedient. Hybrid entfaltet seinen Reiz erst im Vergleich, also dann, wenn man weiß, wie „Are Friends Electric?“ oder „M.E.“ ursprünglich klangen.
Tracklist
Disk 1
- Hybrid
- Dark
- Crazier
- Bleed
- Torn
- Down In The Park
- Everyday I Day
- Absolution
- Cars
Disk 2
- Ancients
- Dominion Day
- A Prayer For The Unborn
- Me! I Disconnect From You
- Listen To My Voice
- Rip
- This Wreckage
- Are Friends Electric?
- M.E.
- Down In The Park
Fazit: Lohnt sich Hybrid?
Hybrid ist ein interessantes Doppelalbum, das alte wie neue Numanfans zu begeistern weiß; wer die alten Hits kennt, wird erstaunt sein, was sich aus den Titeln mit Hilfe einer modernen Produktion noch so alles herausholen lässt. Für mich ist dieses Experiment gelungen.
Häufig gestellte Fragen
Ist Hybrid ein neues Gary-Numan-Album?
Nein. Hybrid ist kein reguläres Studioalbum, sondern ein Doppelalbum aus überarbeiteten und neu produzierten Fassungen älterer Stücke. Nur drei Titel sind komplett neu. Wer neues Material im Sinne eines Nachfolgers zu Pure erwartet, greift besser zu Jagged.
Welche neuen Songs sind auf Hybrid?
Neu sind die Single „Crazier“, der Titeltrack „Hybrid“ und „Ancients“. „Crazier“ entstand zusammen mit Rico und erreichte in Großbritannien Platz 13 der Single-Charts. „Ancients“ überrascht mit Streicherarrangements und einer an Alternative Rock erinnernden Gitarrenspur.
Wann ist Hybrid erschienen und auf welchem Label?
Hybrid erschien 2003 auf Numans eigenem Label Jagged Halo. Die Aufnahmen für die neuen Stücke entstanden im Herbst 2002. Neben der Doppel-CD gab es auch eine limitierte Ausgabe mit zusätzlicher DVD.
Für wen lohnt sich Hybrid?
Für Einsteiger, die den New Wave der späten Siebziger in einer zeitgemäßeren Produktion hören wollen, und für Fans, die wissen möchten, wie viel Substanz in den alten Songs steckt. Als einziges Gary-Numan-Album im Regal taugt es nur bedingt, weil es die Originale voraussetzt.
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