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Gary Numan - Jagged

3 von 5 Alle Rezensionen zu Gary Numan von Rezension.org · 2011-07-13 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Pure Part 2 mit schönen Melodien, aber zu gleichförmigem Songaufbau.

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Worum geht es auf Gary Numans Jagged?

Nach dem Gothic-Industrial-Meisterwerk „Pure“ aus dem Jahre 2000 mussten doch tatsächlich sechs lange Jahre vergehen, bevor Gary Numan sich auch wieder musikalisch zurückmeldete. Jagged erschien am 13. März 2006, produziert von Numan gemeinsam mit Ade Fenton und veröffentlicht auf seinem Label Mortal unter Lizenz an Cooking Vinyl. In den britischen Albumcharts reichte es für Platz 59, was für einen Künstler, der seit über zwei Jahrzehnten abseits des Radios arbeitete, weder Triumph noch Debakel bedeutete.

Und wenn man sich dann das neue Album das erste Mal anhört, kommen einem schon Zweifel, was an dem Werk denn jetzt so lange gedauert haben muss, denn soundtechnisch klingt es immer noch wie „Pure“, vielleicht eine Spur synthetischer und nicht mehr so aggressiv.

Der Aufbau der Songs

Vielmehr hat Gary Numan darauf Wert gelegt, die einzelnen Stücke atmosphärischer und melodiöser zu gestalten. So verwundert es auch nicht, dass die einzelnen Stücke alle ähnlich aufgebaut sind: Sie beginnen in der Regel mit einem langen Intro, nach dem nach und nach Stimme und Gitarre einsetzen, und Gary den Chorus zum Besten gibt.

Das funktioniert auf „Jagged“ ganz gut, doch hätte ich mir auch hier etwas mehr Abwechslung im Aufbau der Songs gewünscht. Über elf Titel hinweg wird aus einem Kunstgriff eine Formel, und wer das Album am Stück hört, kann irgendwann vorhersagen, an welcher Stelle der nächste Einsatz kommt. Genau dieser Punkt trennt bis heute die Fans: Die einen hören eine geschlossene, dichte Platte, die anderen elf Variationen desselben Stücks.

Die Texte: Gott, Glaube und die immergleiche Zielscheibe

Auch das alte Thema über Gott und Glaube ist so langsam ausgereizt. Man muss sich fragen, ob Gary noch über etwas anderes singen kann als über verblendete Religionsfanatiker. Dabei hatte er doch in der Vergangenheit bewiesen, wie vielseitig seine Texte sein können.

Er ist wohl doch schon ein bisschen in der Gothic-Schiene gefangen. Das passt ja auch ganz gut zu ihm, nur würde ich gerne mal wieder von ihm überrascht werden. Der Vergleich mit den frühen Alben, auf denen es um Entfremdung, Maschinen und Identität ging, fällt in dieser Hinsicht eindeutig aus.

Die Produktion

Stellenweise gefallen mir auch die eingesetzten elektronischen Effekte nicht. War „Pure“ in dieser Hinsicht sehr reduziert, übertreibt es Gary auf „Jagged“ auch mal, da fiept und blirrt es an allen Ecken und Enden. Ade Fentons Handschrift, also der bewusste Wechsel zwischen langen, fast stillen Passagen und harten Einsätzen, funktioniert in Einzelstücken hervorragend, verliert über die Albumlänge aber an Wirkung.

Wie viel dabei tatsächlich die Produktion und wie viel das Songwriting ausmacht, lässt sich übrigens gut überprüfen: Die 2008 erschienene Sammlung Jagged Edge versammelt deutlich rohere Fassungen derselben Titel, und in etlichen Fällen sitzen sie dort besser.

Die besten Songs des Albums

Dennoch gibt es den einen oder anderen interessanten Song auf der Platte.

Slave

„Slave“ erinnert mit seinem Chorus doch tatsächlich an eines seiner Stücke aus den 80ern. Es ist der Moment, in dem der Popmusiker Numan kurz durch den Industrial-Panzer bricht.

Blind

„Blind“ besitzt eine sehr schöne Melodie und könnte eine Art Nachfolger von „I Can’t Breathe“ vom Vorgängeralbum sein. Der Song zeigt, dass Numans Gespür für eine tragende Gesangslinie über die Jahre nicht gelitten hat.

In A Dark Place

Der Titel wurde später als Single-Remix ausgekoppelt und gehört zu den Stücken, die die Grundidee des Albums am klarsten umsetzen: viel Raum, wenig Aufregung, ein langsam wachsender Druck.

Einordnung: Wo steht Jagged in Numans Karriere?

Um Jagged fair zu beurteilen, muss man sich vor Augen halten, in welcher Lage Gary Numan 2006 steckte. Nach den großen Erfolgen um 1979 und 1980 folgten Jahre, in denen er sich mit Funk- und Popexperimenten künstlerisch verrannte und beim Publikum weitgehend verlor. Erst Sacrifice von 1994 brachte die Wende, Exile setzte den Weg fort, und Pure gilt vielen bis heute als der Höhepunkt dieser zweiten Karriere.

Jagged ist damit das erste Album, das nicht mehr die Aufgabe hatte, einen Neuanfang zu behaupten, sondern eine bereits gefundene Position zu halten. Genau daran krankt es ein Stück weit: Es ist die Platte eines Künstlers, der weiß, was funktioniert, und der deshalb weniger riskiert als in den Jahren zuvor. Dass es in Großbritannien nur für Platz 59 reichte, sagt dabei weniger über die Qualität aus als über die Nische, in der Numan zu diesem Zeitpunkt arbeitete.

Wichtig war Jagged trotzdem, denn hier begann die Zusammenarbeit mit Ade Fenton, die Numans folgende Alben prägen sollte. Rückblickend wirkt die Platte weniger wie ein Endpunkt als wie eine Zwischenstation, auf der ein neues Arbeitsverhältnis erprobt wurde.

Für wen lohnt sich Jagged?

Wer Pure mochte, wird auch mit Jagged zurechtkommen, sollte aber keinen Bruch erwarten. Einsteigern sei eher Pure oder das ältere Sacrifice empfohlen, weil dort dieselbe Ausdrucksweise in schärferer Form vorliegt. Und wer Jagged bereits kennt und den Sound zu dicht findet, greift zu Jagged Edge.

Tracklist

  1. Pressure
  2. Fold
  3. Halo
  4. Slave
  5. In A Dark Place
  6. Haunted
  7. Blind
  8. Before You Hate It
  9. Melt
  10. Scanner
  11. Jagged

Fazit: Lohnt sich Jagged?

Viele Fans waren nach den sechs Jahren Wartezeit vielleicht etwas enttäuscht von „Jagged“, denn viel hatte sich am Sound wirklich nicht getan, es klingt wirklich wie ein Pure Part 2, ein bisschen elektronischer, aber durch den immergleichen Songaufbau auch eintöniger. Dennoch höre ich das Album sehr gerne, hat es doch ein paar sehr schöne Melodien zu bieten. Bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich Gary Numan in Zukunft entwickeln wird, etwas mehr Mut darf er schon haben.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Gary Numans Jagged erschienen?

Jagged kam am 13. März 2006 heraus, sechs Jahre nach dem Vorgänger Pure. Es ist Numans fünfzehntes Soloalbum und erschien auf seinem Label Mortal unter Lizenz an Cooking Vinyl. In den britischen Albumcharts erreichte es Platz 59.

Wer hat Jagged produziert?

Produziert wurde das Album von Gary Numan gemeinsam mit Ade Fenton. Fenton prägte den Sound spürbar mit, vor allem durch den Wechsel zwischen langen, ruhigen Passagen und harten Einsätzen. Diese Zusammenarbeit setzten beide auf späteren Alben fort.

Wie klingt Jagged im Vergleich zu Pure?

Sehr ähnlich, nur eine Spur synthetischer und weniger aggressiv. Wo Pure vor allem von Wut lebte, setzt Jagged stärker auf Atmosphäre und Melodie. Viele Fans empfanden das nach sechs Jahren Wartezeit als zu wenig Entwicklung.

Welche Songs auf Jagged sind die stärksten?

„Slave“ erinnert mit seinem Chorus tatsächlich an Numans Stücke aus den 80ern. „Blind“ besitzt eine sehr schöne Melodie und wirkt wie eine Art Nachfolger von „I Can’t Breathe“ vom Vorgängeralbum. Beide Titel zeigen, dass das melodische Gespür weiterhin da ist.

Was ist der Unterschied zwischen Jagged und Jagged Edge?

Jagged ist das reguläre Studioalbum von 2006. Jagged Edge erschien 2008 und versammelt alternative, deutlich roher produzierte Fassungen derselben Songs. Wer den Sound von Jagged zu dicht findet, hört auf Jagged Edge oft die überzeugendere Variante.

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