rezension.org

Gary Numan - The Fury

4 von 5 Alle Rezensionen zu Gary Numan von Rezension.org · 2011-07-13 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Starkes 1985er Album mit düsteren Höhepunkten und schwachen Singles.

GARY NUMAN Vinyl LP- The Fury,EX+
Anzeige · Musik bei Amazon

GARY NUMAN Vinyl LP- The Fury,EX+

Verfügbarkeit und Preis direkt bei Amazon prüfen.

Preis bei Amazon prüfen →
Auch bei Thalia ansehen →

Die Titelliste

  1. Call Out The Dogs
  2. This Disease
  3. Your Fascination
  4. Miracles
  5. Creatures
  6. Tricks
  7. God Only Knows
  8. I Still Remember
  9. We Need It
  10. Anthem
  11. No Shelter
  12. Puppets
  13. The Fear

The Fury, das Album

Das 1985 veröffentlichte Album The Fury gehört sicherlich auch zu den besten aus Numans breitgefächertem Schaffen, stilistisch etwas minimalistischer und zurückhaltender produziert als der Vorgänger Berserker. Dennoch finden sich hier gewisse Gemeinsamkeiten wieder, das Album besitzt wieder einen sehr starken Basssound, auch wird Gary Numans sonore Stimme wieder von Backgroundsängerinnen begleitet, was das Werk etwas radiotauglicher machen sollte.

Erschienen ist The Fury am 16. September 1985 auf Numa Records, dem Label, das Numan sich nach dem Ende seines Vertrags mit Beggars Banquet selbst aufgebaut hatte. Aufgenommen wurde in den Rock City Studios im südenglischen Shepperton. In den britischen Albumcharts kam die Platte auf Platz 24 und übertraf damit sogar Berserker. Es blieb die erfolgreichste Veröffentlichung auf seinem eigenen Label, und es sollte bis 2013 dauern, bis Numan wieder ein Album in den britischen Top 30 platzierte.

Der Klang: Samples, Bässe und Blade Runner

Trotzdem finden sich Stücke auf dem Album, die bestimmt zu den düstersten überhaupt gehören. Man denke nur einmal an den genialen Opener „Call Out The Dogs“ oder das schwermütige „God Only Knows“. Mit „The Fear“ haben wir gleich vielleicht Numans finsterstes Stück überhaupt zu hören, der Songtitel macht dem Stück echt alle Ehre, so eine Gänsehaut bekommt man wirklich selten. Weiterhin findet auch hier wieder die Samplemethode Einsatz, Stimmen und Geräusche aufzunehmen und in die Songs zu integrieren, was einen tollen Effekt hat.

Diese Sampletechnik ist mehr als eine Spielerei. „Call Out The Dogs“ greift auf Material aus Ridley Scotts Blade Runner von 1982 zurück, und dieser Film blieb über die folgenden Alben hinweg ein zentraler Bezugspunkt für Numan. Der Sound der Platte ist entsprechend metallisch und industriell geprägt, dazu kommen rhythmisch vorwärtstreibende, fast funkige Elemente, die es in dieser Form auf den früheren Alben nicht gab.

Die Höhepunkte

„Call Out The Dogs“ ist ein glänzender Einstieg, weil er beide Seiten des Albums zeigt, die tanzbare und die bedrohliche. „God Only Knows“ zieht das Tempo herunter und lebt von der Schwere. „The Fear“ schließlich ist der Punkt, an dem die Platte jede Radiotauglichkeit hinter sich lässt. Wer wissen will, wie weit Numan in die Finsternis gehen konnte, ohne ins Effekthascherische zu kippen, hört sich dieses Stück an.

Die Schwachstellen

Neben diesen tollen Songs finden sich aber leider auch sehr schwache Stücke, die dann auch noch als Single veröffentlicht wurden. Numan bewies bei der Singleauswahl nicht immer ein gutes Händchen, jedenfalls fallen Titel wie „This Disease“ und „Your Fascination“ deutlich ab. Dass beide zusammen mit „Miracles“ und „Call Out The Dogs“ die Auskopplungen stellten und alle drei Singles nur die Plätze 46 bis 49 erreichten, passt ins Bild. Numan machte dafür vor allem das fehlende Airplay im Radio verantwortlich, doch ein Teil des Problems lag schlicht in der Auswahl.

Versöhnlicher wird es mit den gelungenen Balladen „Miracles“ und „I Still Remember“. Gerade „I Still Remember“ zeigt, dass die Backgroundstimmen und die weichere Produktion nicht per se ein Zugeständnis waren, sondern durchaus zum Material passen konnten.

Die Stücke der zweiten Reihe

Zwischen den Hits und den Ausfällen liegt eine ganze Reihe von Titeln, über die selten geredet wird. „Creatures“ und „Tricks“ halten den rhythmischen Druck des Albums aufrecht, „We Need It“ und „Anthem“ arbeiten mit größeren, fast hymnischen Gesten, und „No Shelter“ sowie „Puppets“ führen zurück in die düstere Grundstimmung, die das Album am Ende mit „The Fear“ endgültig festzurrt. Wer die Platte nur nach den Singles beurteilt, verpasst genau diese Mitte, in der The Fury seine eigentliche Substanz hat.

The Fury und das eigene Label

Numa Records war für Numan mehr als ein Vertriebsweg. Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Beggars Banquet wollte er die volle Kontrolle über Aufnahme, Produktion und Vermarktung, und er nahm dafür in Kauf, das unternehmerische Risiko selbst zu tragen. The Fury war die zweite reguläre Veröffentlichung dieses Labels und blieb dessen größter Charterfolg. Das ist eine bemerkenswerte Leistung für eine Firma ohne den Apparat eines Majors, es zeigt aber auch, wie schnell sich die Schere zwischen künstlerischem Anspruch und Verkaufszahlen in diesen Jahren öffnete.

Das Cover als Fehlentscheidung

Ein anderer Wermutstropfen ist das bescheidene Cover des Albums, das Numan selbst im Nachhinein als Fehlentscheidung bezeichnete. An sich soll ein Cover ja Rückschlüsse auf die Musik zulassen, doch hier erscheint Gary Numan im feinen weißen Anzug mit Fliege und wirkt mehr wie ein Playboy und nicht wie die charismatische Gestalt, als die man ihn sonst kennt. Numan äußerte später selbst, das Artwork sei völlig unpassend gewesen und habe der Platte geschadet.

Leider sollte das in den nächsten Jahren nicht die einzige Verfehlung bleiben. Mit The Fury begann sich schon abzuzeichnen, dass Numan bald in eine künstlerische Krise stürzte. Die Platte steht damit an einer Wegmarke: künstlerisch noch stark, kommerziell schon im Sinkflug.

Für wen lohnt sich The Fury?

Wer Numan bislang nur über „Cars“ und „Are Friends Electric?“ kennt, wird von The Fury zunächst irritiert sein, weil hier ein anderes Jahrzehnt und ein anderer Klangkosmos regieren. Wer sich aber für die Mittachtziger interessiert, für die Zeit, in der Sampler und PPG-Synthesizer den Sound veränderten, findet ein ausgesprochen spannendes Album. Auch für Hörer düsterer Elektronik lohnt sich der Griff, allein wegen „The Fear“ und „God Only Knows“.

Fazit: Lohnt sich The Fury?

The Fury ist trotz kleiner Schwächen ein gutes Gary Numan-Album, das den Zeitgeist der Mittachtziger perfekt transportiert und Lust auf mehr macht, die dargebotenen Bonustracks sind wie üblich spitze. Und wenn man das Cover der Scheibe einmal außen vor lässt, ist es auch als Gesamtkunstwerk sehr gut zu genießen. Für Numan- und New-Wave-Fans erteile ich eine klare Kaufempfehlung.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Gary Numans Album The Fury erschienen?

The Fury kam am 16. September 1985 auf Numans eigenem Label Numa Records heraus. Es war sein siebtes Studioalbum unter eigenem Namen und der Nachfolger von Berserker. Aufgenommen wurde es in den Rock City Studios in Shepperton in der Grafschaft Surrey.

Wie erfolgreich war The Fury in den Charts?

Das Album erreichte Platz 24 der britischen Albumcharts und schnitt damit besser ab als der Vorgänger Berserker. Es blieb die am höchsten platzierte Veröffentlichung auf Numa Records. Danach dauerte es bis 2013, ehe Numan wieder ein Album in den britischen Top 30 unterbrachte.

Welche Singles wurden aus The Fury ausgekoppelt?

Your Fascination, Call Out The Dogs und Miracles erschienen in kurzer Folge zwischen August und November 1985 als Singles. Sie kamen auf die Plätze 46, 49 und 49 der britischen Charts. Numan führte die schwachen Platzierungen vor allem auf fehlendes Airplay im Radio zurück.

Wie klingt The Fury im Vergleich zu Berserker?

The Fury ist etwas zurückhaltender produziert, arbeitet aber weiter stark mit Samples von Stimmen und Geräuschen und setzt zusätzlich auf funkige, tanzbare Elemente. Der Opener Call Out The Dogs verwendet ein Sample aus dem Film Blade Runner und markiert den Beginn von Numans jahrelanger Faszination für diesen Stoff. Insgesamt wirkt das Album metallischer und rhythmusbetonter als sein Vorgänger.

Warum gilt das Cover von The Fury als misslungen?

Auf dem Cover erscheint Numan in weißem Anzug mit Fliege und wirkt damit eher wie ein Playboy als wie die charismatische, unterkühlte Figur seiner früheren Platten. Numan selbst bezeichnete das Artwork später als völlig unpassend und meinte, es habe dem Album geschadet. Mit dem Klang der Platte hat das Bild jedenfalls wenig zu tun.

Deine Bewertung

Teile deine Erfahrung zu „Gary Numan - The Fury". Bewertungen werden vor Veröffentlichung geprüft.