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Die Maharani

4 von 5 Redaktion · 2011-01-25 · aktualisiert 2026-10-01

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Die Maharani ist ein historischer Roman von Gita Mehta über das Leben der fiktiven Fürstin Jaya Singh von der Jahrhundertwende bis zur Unabhängigkeit Indiens 1947, historisch genau, aber stellenweise langatmig. Die Rezension vom 25. Januar 2011 bewertet den knapp 600 Seiten langen Roman mit 4 von 5, am stärksten ist die Schilderung der Purdah.

Die Maharani: Roman
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Die Maharani: Roman

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Auf den ersten Blick erinnert dieses Buch an die Flut dickleibiger Taschenbücher, die alle weibliche Professionen im Titel führen, von der Päpstin bis zur Wanderhure. Gita Mehtas Maharani beschreibt ebenfalls das Leben einer fiktiven historischen Person voller Abenteuer, Liebe und Leid - aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf.

Worum geht es in Die Maharani?

Der Titel ist dem deutschen Verlag geschuldet, im Original heißt das Buch kurz „Raj“, wörtlich Herrschaft, worunter man in Indien die Kolonialherrschaft der Briten versteht. Auf knapp 600 Seiten wird das Leben der fiktiven Maharadscha-Tochter Jaya Singh aus einem ebenso fiktiven Rajput-Fürstentum von der Jahrhundertwende bis zur Unabhängigkeit der Republik Indien verfolgt.

Das Leben der Fürstin wird vor dem Hintergrund der indischen Geschichte aufgeblättert, manchmal etwas langatmig, manchmal auch etwas flach erzählt, aber immer eng an der geschichtlichen Wirklichkeit und für den historisch Interessierten allemal interessant.

Was ist eine Maharani?

Der Begriff bezeichnet die Ehefrau eines Maharadschas, also die Fürstin eines indischen Fürstenstaates. Regiert sie selbst, etwa stellvertretend für einen minderjährigen Sohn, bleibt der Titel derselbe. Wer nach einer Fürstin in Indien sucht, landet fast zwangsläufig bei diesem Wort, und der Roman führt vor, wie wenig Glanz und wie viel Zwang in dieser Position stecken konnten.

Jaya Singh: eine Frau zwischen zwei Welten

Die fiktive Maharani in Gita Mehtas Roman wächst in strikter Purdah auf, einer Welt der Verschleierung und kompletten Abschließung der königlichen Frauen vor der Welt, in der Demut und Unterwerfung, aber auch Stolz auf die Herkunft und Kriegerethos eine seltsame Verbindung eingehen. So ist die traditionell erzogene junge Prinzessin denkbar schlecht vorbereitet für eine Ehe mit dem verwestlichten, dekadenten Maharaja von Sirpur, dem sie dann jedoch als Regentin für ihren unmündigen Sohn auf den Thron folgt.

Ihrem Sohn will sie durch alle Wirren der Zeit hindurch die Herrschaft erhalten. Nach der Unabhängigkeit Indiens und der Teilung des Landes in Pakistan und Indien 1947 endet der Roman, mit der Entscheidung der Maharani, in die Politik zu gehen.

Die Purdah als Kern des Romans

Der stärkste Teil des Buches ist die Schilderung dieser abgeschlossenen Frauenwelt. Mehta beschreibt sie weder als bloßes Gefängnis noch als exotische Kulisse, sondern als ein System mit eigenen Regeln, eigener Macht und eigenen Grausamkeiten. Dass Jaya später Politik machen kann, wird gerade nicht als Bruch mit dieser Erziehung erzählt, sondern als deren Fortsetzung mit anderen Mitteln.

Der Maharaja von Sirpur

Ihr Ehemann steht für die andere Seite des Raj: der indische Fürst, der sich von der Kolonialmacht aushalten lässt, europäisch lebt und politisch längst entmachtet ist. Diese Figur bleibt blasser als Jaya, erfüllt aber ihren Zweck. An ihr wird sichtbar, wie die Briten die Fürstenstaaten in dekorative Hüllen verwandelten.

Historischer Hintergrund: Fürstenstaaten unter britischer Herrschaft

Die Beschreibung der in vielem geradezu mittelalterlichen Rajput-Fürstentümer gelingt Mehta dank intensiver Recherchen sehr gut, manches erinnert an die Memoiren der Maharani von Jaipur, Gayatri Devi, die unter dem Titel „A Princess Remembers“ 1976 erschienen sind. Die fiktive wie die echte Maharani führen ein Leben im als selbstverständlich eingeforderten Luxus, und beide wenden sich nach der Unabhängigkeit und nach dem Verlust ihrer Privilegien der Politik zu.

Der Roman spannt damit einen Bogen über rund ein halbes Jahrhundert indischer Geschichte: von der Hochzeit des britischen Raj über die wachsende Unabhängigkeitsbewegung bis zur Teilung von 1947. Wer diese Epoche nur in Stichworten kennt, bekommt hier eine sehr konkrete Vorstellung davon, was sie für die Menschen in den Fürstenstaaten bedeutete.

Erzählweise und Schwächen

Ehrlich gesagt hätte dem Buch eine Kürzung gutgetan. Einzelne Abschnitte verlieren sich in Zeremoniell und Aufzählung, und die Nebenfiguren bleiben oft Typen statt Charaktere. Auch der Wechsel zwischen historischer Chronik und Romanhandlung gelingt nicht immer bruchlos: Mal treibt die Geschichte die Figuren, mal stehen die Figuren still, damit die Geschichte erklärt werden kann.

Wer dagegen einen historischen Roman sucht, der sich nicht an der Wirklichkeit vorbeischwindelt, wird das eher als Preis denn als Fehler verbuchen. Die Recherche ist auf jeder Seite spürbar, und sie ist es, die den Roman von der Massenware unterscheidet, an die das Cover zunächst denken lässt.

Über die Autorin

Gita Mehta wurde 1943 geboren und wuchs in Delhi auf. Nach ihrem Studium in Cambridge arbeitete sie als Korrespondentin für den amerikanischen Fernsehsender NBC und teilte ihr Leben später zwischen New York, London und Neu-Delhi auf. Ihre Familie war im Freiheitskampf Indiens aktiv, und einige Familienmitglieder bekleideten politische Ämter im unabhängigen Staat. Gita Mehta war eine in Indien sehr bekannte Schriftstellerin und arbeitete außerdem als Dokumentarfilmerin. Sie starb im September 2023.

Auf Deutsch erschienen Karma Cola, Und immer wieder neue Himmel finden und Narmada oder Geschichten vom menschlichen Herzen. Gita Mehtas Thema ist immer wieder das Spannungsfeld zwischen indischer und westlicher Kultur, eine Thematik, die auch in Die Maharani eine große Rolle spielt. Das Aufeinandertreffen zweier Kulturen erzählt auch Marguerite van Geldermalsen in ihrem Buch über das Leben als Beduinin in Petra.

Für wen lohnt sich Die Maharani?

Das Buch ist etwas für Leser, die historische Romane mögen und bereit sind, sich auf ein fremdes Gesellschaftssystem einzulassen. Wer sich für indische Geschichte, für das Ende der Kolonialzeit oder für Frauenbiografien interessiert, bekommt hier deutlich mehr als Unterhaltung. Wer dagegen ein zügiges Lesevergnügen für zwei Abende sucht, sollte die knapp 600 Seiten nicht unterschätzen. Wer historische Romane über untergehende Welten schätzt, findet ein weiteres Beispiel in Mo Yans Epos vom Untergang des alten China, das einiges abverlangt.

Fazit: Lohnt sich Die Maharani?

Ein groß angelegter historischer Roman, gut zu lesen, auch wenn man sich einerseits etwas Kürzung, andererseits vielleicht etwas mehr über die historischen Personen gewünscht hätte. Wer den langen Atem mitbringt, liest ein Buch, das den Untergang einer Welt aus der Perspektive einer Frau erzählt, die diese Welt nie verlassen durfte und sie am Ende doch überlebt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in „Die Maharani“?

Die Maharani verfolgt auf knapp 600 Seiten das Leben der fiktiven Maharadscha-Tochter Jaya Singh von der Jahrhundertwende bis zur Unabhängigkeit Indiens 1947. Jaya wächst in strenger Purdah auf, heiratet den verwestlichten Maharaja von Sirpur, folgt ihm als Regentin für ihren unmündigen Sohn auf den Thron und entscheidet sich am Ende, in die Politik zu gehen.

Was bedeutet Maharani?

Maharani bezeichnet die Ehefrau eines Maharadschas, also die Fürstin eines indischen Fürstenstaates. Regiert sie selbst, etwa stellvertretend für einen minderjährigen Sohn, bleibt der Titel derselbe.

Ist Jaya Singh eine reale Person?

Nein, Jaya Singh in Gita Mehtas Roman Die Maharani und ihr Rajput-Fürstentum sind fiktiv. Der historische Rahmen ist dagegen real, manches erinnert an die Memoiren der Maharani von Jaipur, Gayatri Devi, die 1976 als A Princess Remembers erschienen sind.

Wie heißt „Die Maharani“ im Original?

Im Original heißt Die Maharani kurz Raj, wörtlich Herrschaft, worunter man in Indien die Kolonialherrschaft der Briten versteht. Der deutsche Titel Die Maharani ist dem deutschen Verlag geschuldet.

Wer war Gita Mehta?

Gita Mehta war eine in Indien sehr bekannte Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin, geboren 1943, aufgewachsen in Delhi, gestorben im September 2023. Nach ihrem Studium in Cambridge arbeitete sie als Korrespondentin für den Fernsehsender NBC und lebte später zwischen New York, London und Neu-Delhi.

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